Zeruya Shalev: Späte Familie

Ella trennt sich und Ella geht eine neue Beziehung ein. Doch dazwischen liegt eine Zeit der Selbstzweifel, der Einsamkeit und der Vorwürfe – auch von außen. Und Oded, ihr Neuer, ist genau wie ihre Beziehung zueinander, keineswegs unbelastet.

In einer sehr blumigen, mit Adjektiven oft überhäuften Sprache erzählt die Autorin vom Leid einer zerrissenen Frau auf der Suche nach sich selbst und dem Glück. Dabei vergisst sie nicht, auch all den anderen Personen und Persönlichkeiten um die Hauptfigur herum Leben einzuhauchen. Teilweise beängstigend real. Vor allem ihrem Verhältnis zu ihrem Sohn Gili und seinen bisweilen etwas seltsam anmutenden Verhaltensweisen wird genügend Raum gelassen.

„Und Gili brach in Tränen aus, mit weit aufgerissenem Mund und Milchzähnen, die in seinem Gaumen zitterten. Unschlüssig am Rand des Gehsteigs stehend, beobachten wir die Panikfahrt des roten Spielzeugautos und des Fahrers aus Plastik, mit der Mütze auf dem Kopf und dem unerschütterlichen Lächeln im Gesicht und warten darauf, dass die Straße frei würde, so dass wir es bergen könnten, fast bereit, unser Leben dafür zu riskieren."

Ein Buch, das, wie ich finde, schwer zu lesen ist. Die Intensität der beschriebenen Gefühle und die Wortgewalt, die die Autorin anwendet drohen den Leser zu erschlagen. Unterschwelliges geht verloren, die Fantasie bleibt auf der Strecke. Ich habe den Stil bisweilen als zu dicht, als zu atmosphärisch empfunden. Fasziniert hat mich aber ihr Umgang mit der Liebe. Wie Dinge, die immer und überall passieren, in der von ihr geschaffenen Umgebung plötzlich als etwas Besonderes herausragen. Dieser quälende Prozess des Sich-Trennens bekommt eine noch bedrohlichere Form, der schwierige Neuanfang keimt zart und ungeschützt…

Die Bestsellerautorin lebt mit ihrer Familie in Israel. „Späte Familie" ist der dritte Teil ihrer Trilogie über die moderne Liebe und folgt den Bestsellern „Liebesleben" (wurde verfilmt und kommt demnächst ins Kino) sowie „Mann und Frau". Das Buch kann aber völlig unabhängig von den anderen beiden gelesen werden.

Zeruya Shalev: „Späte Familie". Aus dem Hebräischen übersetzt von Mirjam Pressler und bei Ueberreuter in diesem Jahr im Großdruck erschienen. Preis: 22,95 Euro.

2 Meinungen

  1. Trennen und Neuanfang. Interessante Themen. Danke für die Rezension.

  2. Ein wunderbarer Roman mit einer sehr schönen Sprache.

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