WM Test: Unterwegs im brasilianischen VW T2 Kombi

Ewig währt am längsten – klarer Fall beim VW T2. Denn der wurde von 1969 bis 2014 gebaut, was äußerst beachtliche 45 Jahre macht. Wir testeten nicht bloß einen Brasilien-Bulli, sondern Nummer 33 von 50 gebauten Sondermodellen „ediçao 50 anos“

Unser VW T2 Test startet im brandenburgischen Groß-Behnitz. Ein Schlüsseldreh, der wassergekühlte Reihenvierer im Heck springt sofort an. Was? Ja, kein Boxer mehr und gerade mal 1,4 Liter Hubraum. Na und? Das wesentlich modernere Triebwerk mobilisiert dafür satte 78 PS und 123 Nm Drehmoment, womit der leichte Bulli flott nach vorn geht in Richtung Krenitz. Neben regulärem Benzin lässt sich die Triebwerksspende aus dem Polo auch Ethanol schmecken, weswegen der VW Bus je links und rechts einen separaten Tank besitzt. So lässt sich der T2 1.4 TotalFlex mit Benzin oder Ethanol in jedem Mischungsverhältnis fahren. Bis zu 130 Sachen Spitze macht der Bus, wir lassen es bei 80 km/h bewenden, das ist aufregend genug.

Impressionen vom VW T2 Test ©Arild Eichbaum 

Der VW T2 erzieht zur Gelassenheit

Oh ja, aufregend fährt sich der T2 Kombi: Die Lenkung vom Bulli ist schwammig, der Geradeauslauf lausig, die Anfälligkeit für Seitenwind riesig. Dafür lädt das flach stehende, dick umschäumte Lenkrad im klassischen Zweispeichen-Design dazu ein, beide Arme drauf abzulegen und so Richtungsvorgaben stoisch durchzusetzen. Cleveres Engineering, denn der enge Kontakt mit dem Fahrzeug steigert die Verbundenheit zu selbigem. Hektisches Gegenlenken empfiehlt sich im VW Bus angesichts der üppigen Bodenfreiheit von einer Longneck-Bierkiste absolut nicht, zudem reizen wir drei Mann an Bord die straffe Federung des nicht ansatzweise aus. Mit weiteren sechs Fahrgästen sowie reichlich Gepäck würden wir die reichlich vorhandenen Straßenschäden sicher gut ausbügeln.

 Impressionen vom VW T2 Test ©Arild Eichbaum

Im VW Bus geht’s rustikal zu

Tempo ist im VW Bulli nicht wichtig, das Überholen eines breiten Traktors gerät angesichts der mäßigen Lenkpräzision zur Mutprobe. Puh, geschafft. Zur Belohnung das Dreiecksfenster aufgefriemelt und frische Luft reingelassen. So könnten wir jetzt mit dem VW T2 weiter bis ans Ende der Welt juckeln, die leicht erhöhte Sitzposition gefällt, die Sitze selbst sind dank straffer Federung und rutschhemmendem, grobem Stoff langstreckentauglich. Wer braucht schon eine Massagefunktion? Womit wir bei den Komfortfeatures wären: Mit Ausnahme der Dreiecksfenster, des keck aufspringenden Handschuhfachdeckels und gerade mal einem Aschenbecher mittig im Armaturenbrett gibt es in unserem Bulli nämlich keine. Nein, auch kein Radio. Dafür auf allen Plätzen reichlich Beinfreiheit und gute Sicht.

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Der VW Bulli macht einfach Spaß

Rangiervorgänge gehen mit dem VW T2 auch ohne Servounterstützung dank des beachtlichen Volant-Durchmessers leicht von der Hand. Wer sich hier anstrengt, wird mit einem lächerlich kleinem Wendekreis belohnt – Kunststück bei 240 cm Radstand und 442 cm Gesamtlänge, möchte man da schon fast rufen. Doch zuvor ruft die Pflicht: Das hakelige Viergang-Getriebe erfordert Präzision beim Umgang mit dem ellenlangen Schalthebel. Wenn schon, wer soviel Platz und Unabhängigkeit nimmt, kann auch etwas Aufmerksamkeit geben.

 

Bilder: ©Arild Eichbaum

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