Wie die Trainer, so die Spieler… oder anders herum?

Die Pressekonferenz war sinnbildlich für das Spiel, was wir keine halbe Stunde zuvor noch gesehen hatten. Zuerst kam Jan Kocian auf die Bühne. Der Nationaltrainer von der Slowakei war bis auf die Unterhose durchgeschwitzt. Er saß im luftigen Hemd auf der Bühne. Die beiden oberen Knöpfe hatte er schon offen. Am dritten spielte er ständig herum, so als würde er diesen auch am liebsten öffnen, doch das Blitzlichtgewitter hielt ihn davon ab. Er rasselte seine Eindrücke und seine Zusammenfassung vom Spielgeschehen hinunter…. ohne jedoch einen entscheidenen Abschluss zu finden.

Wenige Momente später saß Jogi Löw vor uns. Frisch gestriegelt, keine Schweißperle auf der Stirn und im feinen Zwirn. In seiner typischen, schwäbischen Art analysierte er die Partie. Er wirkte ruhig und überlegt. Seine Ausführungen waren langatmig, so dass er sich bei der Übersetzerin entschuldigte, dass er nicht zum Ende fand. Ein entscheidender Geistesblitz, dieser Witz, ehe er seinen Monolog beendete. "Tut mir ja leid für die Übersetzerin, aber diesen Satz muss ich einfach noch zuende bringen." Er hatte die Lacher auf seiner Seite und grinste verschmilzt, als sich die Dame mit seinen Ausführungen abquälte.

Während Kocian geschlaucht, aber irgendwie herzerfrischend natürlich rüberkam, wirkte Löw ferner, nicht wirklich nahbar, da überlegter und bedachte. Doch am Ende dominanter und mit den entscheidenen Schlussworte.

Eine halbe Stunde zuvor hatten es die Spieler ihren Trainer gleich getan. Oder hatten etwa die Fussballlehrer einfach das Spiel ihrer Mannschaften mit in die PK genommen? Die Slowakei kämpfte, mühte sich, spürte den Hauch einer Chance, versemmelte jedoch einige Male den entscheidenden Pass und versagte im Abschluss (nur dank Metzelder gelang der zwischenzeitliche Ausgleich). Deutschland wirkte routiniert und abgeklärt. Überlegen setzten sie ihre (nach der langen Saison) schwindenden Kräfte gezielt ein, um in den wichtigen Momenten den Abschluss zu suchen und den Sieg heraus zu schießen.

Vielleicht nennt man das, was ich nach dem Spiel Deutschland – Slowakei beobachtete, die "Handschrift eines Trainers" erkennen. Wie der Trainer so die Spieler. Doch wenn es NUR danach gehen würde, wie der Coach bei Pressekonferenzen und in Interviews auftritt, wäre diese Saison wohl der 1. FC Nürnberg mit den markigen Sprüchen von Hans Meyer Meister geworden…

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