Wenn Liebe zu Hass wird

Als ich vor vier Jahren nach Hamburg gezogen bin, gesellte sich zu meiner fan-freundschaftlichen Sympathie zum FC St. Pauli auch eine gewisse Anhängerschaft zum HSV. Trotz aller Gegensätze und Verurteilungen Alt-Hamburger mochte ich beide Mannschaften. Ich war in beiden Stadien, um beide Teams anzufeuern. In direkten (Testspiel-) Duellen tat ich mich schwer, klatschte aber lauter für die Braun-Weißen. Ich war einfach froh, wenn beide Teams gewannen und erfolgreich spielten…

Seit der letzten Rückrunde hat sich das Bild jedoch gewandelt. Der HSV war unten drin und irgendwie machte sich eine gewisse Schadenfreude in mir breit. Der große HSV, der großspurig vom internationalen Geschäft faselt und sein Dino-Monopol offen lobpreist war ins Straucheln geraten. Die Söldnertruppe dümpelte unten rum ohne überzeugen zu wollen. Was folgte war die Trennung vom überaus sympathischen Dolli und einige ungerechtfertigte Elfmeter-Entscheidungen für die Rothosen, die prompt in Dreier umschlugen und die Nordlichter nach oben katapultierten. Gleichzeitg mit dem Aufschwung des HSV kämpften sich auch die Braun-Weißen wieder nach oben und standen urplötzlich auf einem Aufstiegsplatz. Die HSVler stolperten gar noch in den UI-Cup, was nicht nur unverdient war, sondern auch den Blick der Fanschaft und der Vereinsoberen wieder rosarot werden ließ. Die typisch Hamburger  Blauäugikeit träumte gleich wieder vom großen Geschäft. Die schlechten Zeiten waren komplett vergessen und der Verein stand mit stolz geschwellter Brust da. Nicht bodenständig, sondern überheblich… wie die Bayern…

In dieser Saison starteten die Hamburger mühsam mit wenig glanzvollen Siegen. Da die direkten Konkurrenten (bis auf München) strauchelten, fand sich der HSV schnell in der Spitzengruppe wieder und Hamburg ist schnell – zumindest in der Stadt – wieder die zweite Kraft in Deutschland. Irgendwo fehlt in dem Verein der Sinn für’s Reale. Zu schnell, zu früh werden Leistungen hochgelobt. Spieler, wie van Buyten und Van der Vaart gelten – zu Recht – zu ihrer aktiven Zeit als große Helden und Sympathieträger, werden wenig später verschmäht. So wie van Buyten, wird es VdV nach seinem Abgang ganz sicher auch gehen. Sicherlich gibt es das auch in anderen Städten, in Hamburg fällt es mir nur hautnah auf und ich kann einfach nicht nachvollziehen, warum man van Buytens großartige Abwehrleistung so vergessen kann… der Wechsel zum FCB reißt ein riesiges Loch in ein HSV-Herz, trotzdem muss man seine Augen vor der Leistung nicht schließen. In Köln wurde Prinz Poldi herzlich empfangen, trotz des Abschieds gen Süden…

An diesem Wochenende steigerte sich meine Unsympathie in einen regelrechten Hass gegen den HSV. Atouba wird immer mehr zum Treter und lässt seine technischen Fertigkeiten immer seltener aufblitzen. Anstatt die Gegenspieler mit einer geschickten Täuschung aussteigen zu lassen, zückt er seinen Ellenbogen oder tritt auf die Füße eines ehemaligen HSV-Lieblings. Wieder bekamen die Hamburger einen unberechtigten Elfmeter zu gesprochen. Zum Glück – der Jubel stieg ins Unermessliche – konnte die Eintracht nochmal kontern und sorgte für eine Rothosen-Niederlage, während die Kiezkicker einen Tag zuvor schon souverän und überzeugend siegen konnten. Pauli feiert, der HSV fällt ab, wird sich aber feiern, ob der Erstrunden-Partie gegen Litex Lovech. Bis zu dem Match bleibt bei mir die Hoffnung, dass das starke Sturmduo der Bulgaren Ivelin Popov (6 Treffer in 4 UI-Cup-Spielen) und Beto (4) auch gegen den HSV ähnlich torgefährlich auftreten. Bei den Hamburgern hört und liest man nichts, was in diese Rechnung sprechen würde. Der (ach so) Große HSV wird gegen diesen Underdog doch ohnehin nicht stolpern…

Zum Glück ist es mit dem Hamburger Hochmut in der nächsten Saison vorbei… dann, wenn VdV und Stevens dem Nordlicht die Rücken kehren. St. Pauli wird dann unter ihrem "Wieder-Neu-Trainer Stanislawski das schwere zweite Jahr überstehen… doch lieber braun-weiß in die dritte Liga, als hochnäsig im Mittelfeld der Ersten!

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