Wenn das Wachsen wehtut

Schlafendes Baby

Viele Eltern kennen das Problem: Bei den Kleinen schmerzen plötzlich Oberschenkel, Kniekehlen, Waden oder Füße, abends und vor allem nachts. Meist steckt der – prinzipiell harmlose – Wachstumsschmerz dahinter. Wichtig ist allerdings, andere Ursachen auszuschließen.





„Mama, mein Bein tut weh.“ Ja, das wird wohl am übermäßigen Rennen und Radfahren tagsüber liegen, denken wir. Nachts wird es dann schlimmer: Das Kind wacht vom Schmerz auf. Wir therapieren mit einer Wärmflasche, trösten den Liebling, massieren die betroffene Stelle und geben in heftigen Fällen vielleicht ein Zäpfchen. Meist reicht das zum Einschlafen, und am nächsten Morgen sind die Beschwerden wie weggeblasen.

Der sogenannte Wachstumsschmerz kann bei Kindern zwischen zwei und achtzehn Jahren auftreten. Besonders häufig trifft er Drei- bis Zehnjährige. Ein Viertel bis die Hälfte der Kinder in diesem Alter sind betroffen. Eigentlich tut Wachsen ja nicht weh – und medizinisch handelt es sich durchaus um einen „Phantomschmerz“: Nach Auskunft von Medizinern lassen sich seine Ursachen nicht durch Labortests oder bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen nachweisen. Lehrbücher zur Kinderheilkunde schweigen sich zu dem Phänomen weitgehend aus.

Vermutete Ursachen

Bislang kennt die Forschung lediglich Hypothesen: Gründe für die Beschwerden sind möglicherweise Fehlhaltungen oder die allgemein hohe Belastung des Bewegungsapparates ab dem Kleinkindalter. Spezialisten wie der Kinder- und Jugendmediziner Dr. Martin Lang aus Augsburg sind einigermaßen sicher, „dass es mit Wachstumshormonen zu tun haben muss, die nachts ausgeschüttet werden. Die führen zu einer Wachstumsbeschleunigung, und das verursacht eine Art Spannungsschmerz an der Knochenhaut.“ Zumindest ließe sich so auch der Umstand erklären, warum die Probleme meist in der Nacht auftreten.

Was kann die Beschwerden lindern?

Oben bereits erwähnt wurden Schmerzmedikamente, leichte Massagen und die Wärmflasche. Erwähnung in der Literatur finden außer homöopathischen Arzneimitteln auch die Gaben von Vitamin C und Vitamin D, Calcium oder Magnesium. Ob diese Maßnahmen tatsächlich wirken, ist wissenschaftlich nicht belegt.

Sind es „nur“ Wachstumsschmerzen?

Eltern sollten die Beschwerden ihres Kindes immer ernst nehmen. Dauern die nächtlichen Schmerzen länger als zwei Wochen an, gilt es, andere und womöglich ernste Erkrankungen auszuschließen. Manchmal steckt hinter den Schmerzen eine als „Hüftschnupfen“ bekannte, meist harmlose Hüftgelenkentzündung. Morgendlich auftretende Beschwerden sowie geschwollene oder steife Gelenke müssen unbedingt vom Arzt untersucht werden. Falls Fieber oder auffällige Müdigkeit zu den Schmerzen hinzukommen, gilt dasselbe. Glücklicherweise selten sind kindliches Rheuma, eitrige Entzündungen des Knochens oder des Gelenks, Tumorerkrankungen und massive Durchblutungsstörungen.

Foto stammt von: Michael Kempf (Fotolia)

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