Weiß er, dass er das gesagt hat?

Es ist einige Tage her, da fand im Münchner Arabella Sheraton Grand Hotel eine jener Insider-Veranstaltungen statt, welche hervorragenden Einblick in die tatsächlche Stimmungslage der bayerischen bzw. der Münchner Befindlichkeiten geben. Und in der Tat: Die geladenen Uli Hoeneß (Vorstand FC Bayern), Stefan Reuter (Manager TSV 1860) und Stefan Ziffzer (1860-Geschäftsführer) zogen ordentlich vom Leder.

Die genauen Äußerungen hinsichtlich der Bewertung des Attraktivitätsgrades eines Spiels gegen Paderborn sollen an dieser Stelle nicht den Weg auf die Tastatur finden, vielmehr möchte ich berichten über eine Reaktion des Bayern-Managers Hoeneß, welche sehr aufschlussreich in Bezug auf das interne Verhältnis zwischen Bayern-Vorstand und Präsidium ist.

Einer der beiden Moderatoren hatte Hoeneß gerade mit einem deftigen Beckenbauer-Zitat aus einem Kicker-Interview konfrontiert und um seine Meinung gebeten. Hoeneß daraufhin zum Moderator: "Weiß er, dass er das gesagt hat?" Die Erheiterung im Saal quittierte der Moderator mit einem jovialen Grinsen: "Es stand im Kicker." Mit seiner Gegenfrage zeigte Hoeneß, wie der Bayern-Vorstand Beckenbauer-Aussagen wahrnimmt und bewertet.

So beschrieb Hoeneß, wie Beckenbauer ständig von allen Seiten belagert wird und daher auch mal etwas Unüberlegtes oder Widersprüchliches von sich gebe. Um klarzustellen: Hoeneß hat kein böses Wort über den "Kaiser" verloren. Er hat lediglich klar gemacht, dass Beckenbauer-Zitate für das Tagegeschäft des FC Bayern völlig irrelevant sind. Die Meinung Beckenbauers wird kaum wahrgenommen. Mal dies, mal das, und heute jenes. "Ja mei, der Franz", hat Hoeneß häufiger gesagt. Fast wie ein Vater über seinen ungezogenen Sohn. Und so verliert eine Lichtgestalt langsam ihre Substanz, durchschienen vom nahezu unendlichen Ruhm.

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