Um welchen Preis?

"Ich glaube, mein Zyklus im brasilianischen Nationalteam ist beendet. Jetzt ist die Stunde gekommen, jüngeren Spielern eine Chance zu geben."

Mit diesem kurzen Statement beendete Zé Roberto in dieser Nacht seine aktive Länderspielkarriere. Was auf den ersten Blick nichts ungewöhnliches zu sein scheint in der Fußballwelt hat doch einen anderen Hintergrund. Oftmals hängen Nationalspieler im gediegenen Alter nach einem großen Turnier ihre Landesschuhe an den Nagel und geben der Jugend derVortritt. Oder sie sehen keine Chance mehr weiter spielen zu dürfen. Bei Zé Roberto sieht die Geschichte jedoch etwas anders aus. Gut, in knapp einem Monat wird der Mittelfeldspieler 33 Jahre alt, zählt also schon zum älteren Eisen. Allerdings erlebt er in Brasilien gerade seinen Hochpunkt. Noch nie war seine Bewurnderung so groß, wie im Moment. Nachdem er im letzten Sommer vom FC Bayern zum FC Santos gewechselt ist und dort die Nummer 10 des großen Péle überstreifen durfte, erlebte er einen zweiten Frühling. Zé Roberto war der vielleicht beste Spieler der Saison und verzückte mit seinen Dribblings und Toren. Der Brasilianer schien ein versöhnliches Karriereende erleben zu dürfen, nachdem ihm die Bayern keinen Vertrag gegeben hatten.

Ein Jahr später buhlten die Münchner um den wieder aufgeblühten Dribbler und wollten ihn in ihrem Kaufrausch unbedingt haben. Zu spät hatten sie seine (gestiegenen) Qualitäten auch in der Defensive entdeckt. Seine Spielfreude in der Offensivbewegung fehlte in dieser verkorksten Saison gänzlich an der Säbener Straße. Deshalb nahm der Rekordmeister nochmal mächtig Geld in die Hand, um den Brasilianer zurück zu holen. Allerdings mit einer Einschränkung: Zé Roberto sollte keine Länderspiele mehr bestreiten. Für einen so alten Spieler sein es viel zu stressig vier bis fünf Mal im Jahr über den Atlantik zu fliegen. Dabei genoß Zé Roberto zuletzt wieder einen großen Stellenwert in der Selecao. Seinen Traum die Brasilianer als Führungsspieler in die Copa America (26. Juni – 15. Juli) zu führen, geht nun nicht mehr in Erfüllung. Der Techniker beendet sofort seine Länderspielkarriere.

Ein fader Beigeschmack bleibt deswegen: Hoffentlich wird Zé Roberto dieser Chance nicht irgendwann nachtrauern, nur weil er zu einem Verein wechselt, der ihn vor einem Jahr nicht mehr haben wollte. Hoffentlich beugt sich der Brasilianer nicht auch in seiner Spielweise den Vorstellungen der Bayern. Fahrlässig, wenn man ihm in taktische Zwänge aufzwingt und dabei seine Spielfreude abhanden kommt. Interessant wird auch zu beobachten sein, wie der "alte Spieler" die jährlichen Sommerausflüge des FC Bayern nach HongKong verkraftet. Da geht es zwar nicht über den Atlantik, aber immerhin über ganz Eurasien…

2 Meinungen

  1. Wie ja in meinem eigenen Beitrag zu Zé Roberto schon erwähnt, denke ich, dass er sich den Verzicht auf die Selecao zusätzlich ordentlich vergüten lässt. Außerdem: Abgesehen von der diesjährigen Copa America ist das nächste verlockende Turnier, das für ihn in Frage käme, die WM 2010. Das ist doch arg lange hin für einen 32-Jährigen.

  2. Von der Warte her verständlich!Aber ohne das Werben aus Europa wäre er den Schritt wohl nicht gegangen und hätte seine Selecao in der Copa America führen dürfen!

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