The Shins ‚Port of Morrow‘: Von Neuanfängen und den guten alten Zeiten

Es ist verständlich, dass es schwierig ist, wenn man relativ normal als Band angefangen hat und innerhalb weniger Jahre auf jedem Soundtrack jedes Indiefilms zu hören ist. The Shins sind eine Marke, die Dashboard Confessional der Hipster Gemeinde, was sie bis jetzt dank pessimistischer Texte in buntem Indiepop verkleidet auch gut halten konnten.

Doch das neuste Album „Port of Morrows“ wirkt ein wenig traurig, etwas blutleer, zu versöhnlich und leider nicht halb so interessant, wie das einnehmende Cover von Jacob Escobedo. Und das, wo die Reise zum vierten Album keine leichte war.

The Shins wechseln Bandmitglieder wie andere Unterwäsche

Schon während der Tour zum Vorgänger „Wincing the Night Away“ hatte Drummer Sandoval ein ungutes Gefühl, die Intuition sollte ihn nicht trügen. Nachdem Mercer eine längere Bandpause veranschlagt hatte, damit jeder das machen konnte, was er außerhalb der Band machen wollte, zog es Mercer vor allem zu der Dangermouse Kollaboration in Broken Bells, während Sandoval etwas bescheidener einen Imbissstand auf die Beine zog.

Normalerweise würde sich die Band – aus alten Freunden bestehend – immer mal wieder zwischenzeitlich treffen, um sich auszutauschen, aber nicht dieses Mal. Stattdessen ein Anruf von Mercer, nachdem Sandoval ihn mehrmals kontaktiert hatte – „ästhetische Gründe“ zwangen ihn, seinen jahrelangen Bandkollegen auszutauschen. Damit war Sandoval nicht alleine, auch Marty Crandall am Keyboard und Dave Hernandez am Bass mussten gehen.

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Stattdessen zieren nun Joe Plummer (Modest Mouse) das Schlagzeug, Ron Lewis (Grand Archive) das Keyboard und Eric D. Johnson (Fruit Bats) den Bass. Die Shins sind zu einer Art Supergroup geworden und man kann und sollte es Mercer auch nicht verübeln, dass er seine Visionen mit Musikern teilen wollte, die auf einer technisch gleichwertigen Ebene spielen. Dass Jugendfreunde da das Nachsehen haben ist leider überall so, wo Ambitionen unterschiedlich priorisiert werden und was wirklich passiert ist, wissen wohl nur die Bandmitglieder selbst.

Zurück zum aktuellen Album.

„Port of Morrow“: Der Baldrian des Indiepop

„Port of Morrow“ ist genau das, was man auch von alten Shins Alben erwarten würde und enttäuscht vielleicht gerade deshalb. Dafür, dass alles auf einen Haufen geworfen und auf neu getrimmt wurde, klingen sie immer noch so wie vorher – süßer Indiepop mit zynischen Texten, die jedoch im Vergleich mit „Chutes too narrow“ sehr an Biss verloren haben. Genau hier merkt man, dass es wirklich Mercer ist, der die kreative Kraft hinter der Band darstellt und dass Mercer wohl auch etwas an Energie verloren hat.
Denn man hätte sich vielleicht etwas mehr Schlagkraft gewünscht, garstige kleine Biester wie „So says I“ kann man lange suchen, stattdessen tuckern die Songs alle entspannt und „nett“ dahin, glänzen dabei in der Produktion, die Mercer sich sicher von Dangermouse abgeguckt hat.

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Dass dabei hie und da die Essenz der Vorgänger Alben verloren geht, ist in der Tat bedauerlich, natürlich ist ein gediegenerer Sound die oftmals unweigerliche Entwicklung jeder erwachsen gewordenen Band, aber wenn man einmal von Songs wie „Bait and Switch“ oder „40 Mark Strasse“ absieht, heißt „gediegen“ in diesem Fall leider auch etwas beliebig.
Das – so werden es die Fans sicher auch bestätigen – ist allerdings kein aktuelles Problem, sondern hat sich auch schon auf „Wincing the night away“ abgezeichnet. Zeit also, sich zu entscheiden, ob man sich – wie schon bei Death Cab For Cutie und Dashboard Confessional – damit abfinden kann, dass der Sound, in den man sich verliebt habt, auch genau dieser bleiben wird für alle Ewigkeiten oder ob man sich doch lieber anderweitig umsieht – an Alternativen mangelt es ja nun wirklich nicht.

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