„Tanzschaffe“ Nr. 2 der weltberühmten Vier aus Liverpool

Für viele junge Bands schwierig: das zweite Album. John, Paul, George und Ringo schafften es bravourös: Vor 50 Jahren, am 22. November 1963, erschien mit „With the Beatles“ ihr erster Longplayer-Meilenstein.

Das „Please Please Me“-Album vom März 1963 war ein Schnellschuss, eine Promo-Aktion, die sich auf den Erfolg der gleichnamigen Hit-Single aus dem Januar jenes Jahres stützte. Produzent George Martin drängte die Beatles zur Eile; seine Jungs nahmen die komplette Platte an einem einzigen Tag im Februar auf. Von den acht Lennon/McCartney-Originalsongs waren vier Titel bereits im Kasten – den Singles „Love Me Do“ und „Please Please Me“ sei Dank. Die sechs für die Platte ausgewählten Cover-Versionen entstammten dem Bühnenrepertoire des Quartetts und gingen daher flott von der Klampfe.

Von den Lennon/McCartney-Kompositionen bleiben vor allem der energetische Opener „I Saw Her Standing There“, das von George Harrison gesungene „Do You Want to Know a Secret“ und das dichte „There’s a Place“ in Erinnerung. Gleichwohl hat das Album, hierzulande allen Ernstes als „Die Zentrale Tanzschaffe der weltberühmten Vier aus Liverpool“ veröffentlicht, etwas Vorläufiges, die Bedingungen einer hastigen Produktion haben sich eingeschrieben. Etwas aufgeraut klingen die Aufnahmen und der Gesang, vor allem im seinerzeit spätabends eingespielten „Twist and Shout“ hört man John Lennon und seinen Mitstreitern die stimmlichen Strapazen der zwölfstündigen Session an.

Anders als der Vorgänger knüpfte das zweite Beatles-Album „With the Beatles“ nicht an den Erfolg einer Single an. Der Riesenhit „She Loves You“ datierte immerhin vom August des Jahres und findet sich auch nicht auf der LP. Wie in „Please Please Me“ gibt’s acht eigene Songs und sechs Fremdkompositionen, aber alle Originale waren bis dato unveröffentlicht und zeugen vom Vertrauen, das man – zu Recht – in die Fertigkeiten der Lennon/McCartney-Songschmiede setzte.

Das musikalische Genie der Ausnahmetalente war voll erblüht, zu hören im raffinierten „It Won’t Be Long“, dem sehnsüchtigen „All I’ve Got to Do“ und McCartneys Klassiker „All My Loving“. Harrison glänzt mit seiner ersten Eigenkomposition „Don’t Bother Me“, lässig verquicken die Jungs Soul und Beat in den Coversongs „Please Mr. Postman“ oder „You Really Got a Hold on Me“.

Stilprägend und seiner Zeit voraus auch das Cover: Ein erlesen ausgeleuchtetes Porträtfoto in Schwarz-Weiß zeigt die Beatles in Rollkragenpullis, ihre ernsten Gesichter teils im Schatten liegend. „With Love Me Do and 12 other songs“ hatte es in knallblauer Schrift von der „Please Please Me“-Plattenhülle gekräht. Auf dem durchkonzipierten Entwurf des Nachfolgers wäre das ein greller Misston gewesen. Noch bevor also die Beatlemania Ende 1963 den Globus zu überrollen begann, zogen die Fab Four aus Liverpool alle Register ihres Könnens und zeigten mit „With the Beatles“ große Album-Kunst.

Picture by VARA (Beeld en Geluidwiki – Gallery: The Beatles) [CC-BY-SA-3.0-nl (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/nl/deed.en)], via Wikimedia Commons

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