Sprachwissenschaft vs. Sprachkritik

Besonders lustig ist die Enttäuschung gewohnter Erwartungen, wenn die verehrten «Erfolgsautoren» von einem gleichfalls sprachgewaltigen Wissenschaftler ordentlich was über den Rüssel gewamst kriegen. Wie in diesem Buch des Stilwissenschaftlers Willy Sanders.

Es ist schlicht erhellend, wenn hier ein «Sprachpapst» wie der Wolf Schneider durch den Kakao gezogen wird, wenn – endlich mal mit höchst wissenschaftlichen Zitatnachweisen – der Nachweis erfolgt, dass sie alle, alle, alle voneinander abgeschrieben haben, dass ihre Beispiele alles nur zusammengepfriemelte Kunstwerke sind, die im realen Leben nur selten zu finden sind, und dass ihre ganze Lehre im Grunde immer nur auf drei oder vier Merkregeln zu reduzieren ist, wobei der Bastian Sick sein Fett nur deshalb noch nicht abbekommt, weil er damals noch kein Buchautor war. Und wie der Altar mit der Regel der kurzen Sätze nur deshalb aufgestellt wurde, weil die Sprachpäpste selbst längere Sätze gar nicht mehr verstehen würden. Kurzum – dieses Buch ist höchst kurzweilig, Realsatire mit hohem Anspruch.

Wer also nach vergnüglicher Lektüre abseits vom bösen Dativ, der angeblich dem Genitiv an die Wäsche ging, wer nach wissenschaftlicher Lektüre jenseits von einem simplifizierten Deutsch für Profis sucht, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Auch deshalb, weil es ganz nebenbei eine Geschichte der stets unwissenschaftlichen Sprachkritik in Deutschland enthält, und das auch noch mit umfassender Bibliographie.

Leider ist das Buch ein älteres Semester, das vor allem wohl in Antiquariaten zu finden ist:  «Willy Sanders: Sprachkritikastereien und was der "Fachler" dazu sagt.  Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1992.»

Eine Meinung

  1. Danke für den Buchtipp. Das Buch gibt’s auch in einer 2. Auflage von 2000.

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