So lief der 4. Bundesliga-Spieltag

Auch wenn vier Spiele gemessen am Gesamtverlauf einer Saison nicht viel auszumachen scheinen, so können uns diese  Bundesliga-Wochen schon erste Trends aufzeigen. So haben sich einige Mannschaften erwartungsgemäß sofort ins obere Tabellenfeld gespielt, während einige Außenseiter wie vermutet in den Abstiegsregionen zu finden sind. Darüber hinaus gibt es jedoch bereits mehrere Teams, die positiv wie negativ zu überraschen wussten. Dies traf insbesondere auf den vierten Spieltag zu.

Bayern und Frankfurt mischen die Bundesliga auf

Schon am Freitag abend kam es zu einem direkten Aufeinandertreffen zweier Überraschungsmannschaften. Der Club aus Nürnberg empfing den bislang verlustpunktfreien Aufsteiger aus Frankfurt. Und diesen Status haben die Hessen auch jetzt noch inne. Eine abgeklärte Leistung genügte zu einem weiteren 2:1-Erfolg. Matchwinner des Tages war der österreichische Stürmer Erwin Hoffer, der schon früh für den aus Fürth gekommenen Torjäger Olivier Occean eingewechselt wurde, weil letzterer sich verletzt hatte. Wenig später schlug Hoffer schon zum 1:0 zu. Ein sehenswerter Konter in der zweiten Hälfte wurde vom Japaner Inui zum 2:0 abgeschlossen. Die Nürnberger haben in Kyotake zwar auch einen überzeugenden japanischen Import, diesem gelang jedoch nur noch eine Freistoßvorlage zum Anschlusstreffer von Polter. Damit bleibt Nürnbergs Heimbilanz in diesem Jahr höchst bescheiden, doch die Saisonbilanz liest sich mit 7 Punkten aus vier Spielen immer noch gut. Eintracht Frankfurt hat allerdings alle seine Partien gewonnen und lässt seine Fans nach vielen Jahren des tristen Daseins endlich einmal wieder von großen Zeiten träumen.

Besser als die Eintracht ist nur der FC Bayern in die Saison gestartet. Nach dem überzeugenden 2:1 gegen Valencia in der Champions League, konnte der Rekordmeister ein weiteres Bundesligaspiel gewinnen – übrigens als einziges europäisch für Deutschland antretendes Team. Der Sieg gelang mit 2:0 auf Schalke, also nicht bei irgend einer Mittelklassemannschaft. Ohne zu brillieren kontrollierten die Münchener weite Teile der ersten Halbzeit. In den zweiten 45 Minuten zogen sie dann aber das Tempo an und erarbeiteten sich Chancen im Minutentakt. Fast zwangsläufig ergaben sich die Tore von Toni Kroos und dem zur Zeit sehr treffsicheren Thomas Müller. Schalke, das unter der Woche in Piräus eine Klassepartie abgeliefert hatte, wusste dem wenig entgegen zu stellen und verlor damit erst einmal Boden auf die an der Tabellenspitze liegenden Bayern.

Bundesliga-Sorgenkindern gelingt der Befreiungsschlag

Ganz erstaunliches tat sich bei zwei Vereinen am Tabellenende. Der Hamburger SV war nach der vergangenen Seuchensaison schon wieder desaströs gestartet und hatte bislang alle Pflichtspiele verloren. Der Transfer von Heilsbringer Rafael van der Vaart wirkte da schon wie eine echte Verzweiflungstat. Doch der Niederländer hatte schon beim 2:3 in Frankfurt ansprechend gespielt. Nun sollte er beim Heimspiel gegen Meister Borussia Dortmund erstmals zur Galaform auflaufen. Keine zwei Minuten waren gespielt, da verwertete der Koreaner Son eine Hereingabe van der Vaarts zum 1:0. Die Dortmunder waren davon einigermaßen beeindruckt und kamen zunächst nicht so recht ins Spiel. Erst nach Wiederanpfiff gelang Ivan Perisic mit einem äußerst krummen Schuss der Ausgleich und alles schien seinen erwarteten Verlauf zu nehmen. Fortan bestürmten die Schwarz-Gelben das Hamburger Tor. Doch die Hanseaten konterten kühl und überlegt. Ivo Ilicevic und nochmals Son schossen eine nicht für möglich gehaltene 3:1-Führung heraus, bevor erneut Perisic zum 2:3 verkürzte. Doch so sehr Jürgen Klopps Truppe sich in der Folgezeit gegen die Niederlage stemmte – sie kam an diesem Nachmittag einfach nicht noch ein weiteres Mal am überragenden Keeper Rene Adler vorbei. Hamburg hielt die Führung und damit nach längerer Zeit 3 Punkte in den Händen. Dortmund ging nach sagenhaften 31 ungeschlagenen Partien wieder einmal als Verlierer vom Platz.

Eine ähnliche Geschichte spielte sich in Hoffenheim ab. Auch die heimische TSG hatte zu Saisonbeginn bedenklich gekriselt. Markus Babbel hatte bereits seinen Managerposten aufgegeben, um sich ganz auf die sportliche Leitung zu konzentrieren. Und nun kam mit Hannover 96 eine bislang bärenstarke, ebenfalls noch ungeschlagene Mannschaft in den Kraichgau. Doch was die Niedersachsen an diesem Sonntagabend anboten, war an Harmlosigkeit und Schläfrigkeit kaum zu überbieten. Das punktlose Hoffenheim kaufte dem Europa-League-Vertreter zur Gänze den Schneid ab – und geriet dennoch durch ein Eigentor von Delpierre in Rückstand. Doch schon im Gegenzug gelang Außenverteidiger Johnson der Ausgleich. Spätestens in Hälfte zwei war die TSG dann deutlich überlegen, musste jedoch bis zur 82. Minute warten, bevor der eingewechselte Salihovic das 2:1 erzielte. Williams machte in den Schlusssekunden das 3:1 und stellte somit endgültig die Weichen auf Sieg.

Kriselnde Europa-League-Anwärter

Während der HSV und Hoffenheim also aufatmen können, hinken andere Vereine den eigenen Ansprüchen zum Teil deutlich hinterher. Der VfL Wolfsburg kam beispielsweise gegen Aufsteiger Fürth nicht über ein 1:1 hinaus. Obwohl Trainer Felix Magath „einige gute Ansätze“ seines Teams erkennen konnte, war die Leistung für den nüchternen und objektiven Beobachter eines Spitzenteams, das man in der VW-Stadt gern wieder sein will, nicht würdig. Fürth konnte ohne großen Aufwand dagegen halten und ging durch Pgatetz' Eigentor gar in Führung. Olic egalisierte kurz vor der Halbzeit. Erst in Hälfte zwei waren die Autostädter dann etwas mutiger, erspielten sich jedoch zu wenig klare Torchancen.

Deutlich hochklassiger geriet das rheinische Aufeinandertreffen zwischen Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach, obwohl auch dieses 1:1 endete. Auch hier ging der Gast durch Herrmann früh in Führung, doch Kadlec besorgte schon nach einer Viertelstunde den Treffer für die Bayer-Elf. Die Gastgeber waren anschließend die meiste Zeit höchst dominierend, konnten aber keine ihrer zahlreichen hochkarätigen Chancen nutzen. Andre Schürrle setzte gar einen Elfmeter an den Pfosten. Der Punktgewinn hilft der Borussia etwas mehr, jedoch bleiben beide Vereine im Mittelfeld stecken.

Noch weiter unten – nämlich sieglos – hält sich derzeit der VfB Stuttgart auf. In Bremen gelang wieder kein Drei-Punkte-Erfolg, die Moral der Mannschaft von Bruno Labbadia gibt allerdings Anlass zur Hoffnung. Werder knüpfte zunächst nahtlos an die guten Partien gegen Hamburg und Hannover an, lag nach 45 Minuten durch de Bruyne und Junuzovic mit 2:0 in Front. Doch die Schwaben kämpften sich nach und nach ins Spiel zurück und zeigten sich zum Schluss treffsicher. Martin Harnik und Cacau trugen sich als Torschützen in die Spielstatistik ein. Das bewahrt den VfB zwar nicht vor dem Abrutschen auf Platz 17, lässt aber für die kommenden Partien hoffen. Werder versäumte es einmal mehr, sich für eine ansprechende Leistung zu belohnen und stagniert auf Platz 11.

Und dann waren da noch…

Thomas Tuchel hatte seiner Mannschaft, dem FSV Mainz, vor der Partie gegen den FC Augsburg eingebläut, dass dieses Spiel das richtungsweisende für die gesamte Hinrunde sei. Und die Spieler konnten mit diesem internen Druck offenbar gut umgehen. Der FCA musste in der ersten Hälfte einen Sturmlauf über sich ergehen lassen. Ivanschitz und Szalai trafen folgerichtig zur 2:0-Führung. Diese reichte schließlich auch zum Endergebnis, auch wenn Mainz sich im späteren Spielverlauf etwas zu weit zurückzog. Augsburg muss sich damit nun erstmals mit der Roten Laterne anfreunden.

Anlass zur Freude hatte dagegen die Mannschaft von Fortuna Düsseldorf. Zumindest die Defensive. Nach vier Saisonspielen hat man noch immer kein Gegentor zulassen müssen. Allerdings trübt die Tatsache, das drei dieser Partien 0:0 endeten, diese Bilanz etwas. So gab es auch gegen den SC Freiburg ein torloses und ereignisarmes Remis. Doch mit den aktuellen Tabellenrängen 7 und 8 können beide Vereine sicherlich derzeit gut leben.

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