Seniorengerechte Computer

Die Argumentation war halberlei nachvollziehbar. Einen
Fernseher habe schließlich jeder und dementsprechend breit könne man mit der
Box an den Markt gehen. Im Übrigen seien Seniorinnen und Senioren dem Umgang
mit dem TV-Gerät gewohnt und von daher sei wohl eine weit geringere
Hemmschwelle abzubauen, als wenn man nun mit einem handelsüblichen PC käme. Die
Box stammte von der recht kurz danach in Konkurs gegangenen Firma Infomatec.
Inwieweit das fehlgeleitete Konzept hinsichtlich der Seniorentauglichkeit der
Hardware hierfür mitursächlich war, darf der Spekulation jedes Einzelnen überlassen
bleiben.

Im Rahmen einer Fachtagung habe ich jedenfalls damals der
Firma Infomatec die Möglichkeit gegeben, älteren Menschen ihre Box
vorzustellen. Die Präsentation lief noch ganz ordentlich und das Interesse war
recht groß. Im Nachgang zur Präsentation hatten dann allerdings die Besucher
die Möglichkeit, das Gerät frei auszuprobieren. Dies geriet zum Disaster, denn
sehr schnell wurde deutlich, was die Box alles nicht konnte. Seither bin ich
jedesmal erneut skeptisch, wenn mir einer was von „Computer wohnzimmertauglich“
erzählt. Obschon ich natürlich einräumen muss, dass die heutigen Mini-PC mit
der damaligen Infomatec-Box nichts mehr gemeinsam haben. Mich überzeugt jedoch
schon das Konzept des Computing am Fernseher nicht.

Einige Zeit später wurde dann ein toller SeniorenPC durch
die Firma Lintec entwickelt. Diese Firma, im Osten gegründet und dynamisch
gewachsen, verfügte zwar über keine neuen Weisheiten in der Gestaltung der
Mensch-Maschine-Schnittstelle, dafür aber über finanzielle Marketingmittel.
Flugs wurden regionale Partner speziell auf den Vertrieb dieser Lösung geschult
und schöne Flyer gedruckt. Auf seniorenorientierten Veranstaltungen stolperte man
allenthalben über Lintec-Leute. Deren PC war dabei an sich ein ganz normaler Computer,
dem man eine Bedienoberfläche anderer Art über´s Windows gestülpt hatte, aus
der man in der Standardeinstellung auch nicht raus konnte. Er bezog also seine
Seniorentauglichkeit und Einfachheit in der Bedienung schlicht durch die
drastische Beschränkung der Möglichkeiten. Für mich auch kein Ansatz.

Aktuell nun versucht sich Fujitsu-Siemens auf diesem Feld.
Ein auf den ersten Blick ganz normal ausschauender PC mit dem schicken Namen SimpLiCo
ist der jüngste Angriff der Computerhersteller auf den Seniorenmarkt. Und ich
bin sicher, dass er auch diesmal wieder misslingen wird, denn der
Fujitsu-Rechner basiert auf Linux. Nicht, dass ich etwas gegen Linux hätte! Nur
muss man doch berücksichtigen, dass der Erwerb von Bedienfertigkeiten, oder
allgemeiner Medienkompetenz nur dann Sinn macht, wenn diese Fertigkeiten im
Alltag breit eingesetzt werden können. Und das ist bei Spezialsystemen eben
gerade nicht der Fall. Was macht denn der am Senioren-SpezialPC fitte
Mitsechziger, wenn er im Urlaub in einem Internetcafé mal kurz seine Mails
checken will? Genau. Er steht da wie der Ochse vorm Scheunentor, weil er
Standards nicht zu bedienen erlernt hat.

In Seniorencomputerkursen habe ich regelmäßig nach der
Motivation der Teilnehmer gefragt. Warum machen Sie diesen Kurs? Mehr als jeder
Zweite antwortete: „Weil ich mitreden können will. Ich will meinen Enkeln
(anderen Familienmitgliedern, jüngeren Bekannten) nicht immer so hilflos
gegenüber stehen.“ Vielen war es auch ein Bedürfnis, zu erlernen, wie man
mailt, da sich die Familie national, vielfach auch international verstreut
hatte. Alles in allem war und ist die Motivation des Erwerbs von
Medienkompetenz durch ältere Menschen der Wunsch und Wille, am
gesellschaftlichen Leben teil zu nehmen und dieses aktiv mitzugestalten.

Von daher lautet mein Rat an die Computerindustrie: Bleibt
weg mit speziellen Lösungen für ältere Menschen und arbeitet stattdessen weiter
an der allgemeinen Benutzerfreundlichkeit von Standardlösungen. Dies betrifft
den Bereich der Hardware, aber insbesondere auch den Bereich der
Softwareanwendungen.

Den Senioren-Teller findet man schließlich heutzutage zu
Recht auch auf kaum noch einer Speisekarte.

4 Meinungen

  1. Die Firma Apple geht mit allen ihren Produkten, also auch mit ihren Macintosh-Computern, seit jeher altersunspezifisch vor. Das Universal-Design dieser Firma heimst Jahr für Jahr dafür Preise ein, sowohl für Design, als auch für Benutzerfreundlichkeit.Man muss nur mal seinen Blick über den PC-Tellerrand erheben, um zu erkennen, dass man eigentlich auch schon früher mit sich selbst hätte menschenfreundlicher umgehen sollen, statt ewig Kleinstweichs Fenstern hörig zu sein.Ich bin mit Apple weder verwandt noch verschwägert, aber ich verfolge die Philosophie und die daraus entspringenden Produkte ab ovo (seit der Garage).http://www.apple.de

  2. Die Firma Apple geht mit allen ihren Produkten, also auch mit ihren Macintosh-Computern, seit jeher altersunspezifisch vor. Das Universal-Design dieser Firma heimst Jahr für Jahr dafür Preise ein, sowohl für Design, als auch für Benutzerfreundlichkeit.Man muss nur mal seinen Blick über den PC-Tellerrand erheben, um zu erkennen, dass man eigentlich auch schon früher mit sich selbst hätte menschenfreundlicher umgehen sollen, statt ewig Kleinstweichs Fenstern hörig zu sein.Ich bin mit Apple weder verwandt noch verschwägert, aber ich verfolge die Philosophie und die daraus entspringenden Produkte ab ovo (seit der Garage).http://www.apple.de

  3. Auch ich bin der Meinung, dass es keine speziell auf Senioren zugeschnittene Computer braucht. Wichtig ist, dass, wie bereits am Ende des Artikels erwähnt wird, die allgemeine Benutzerfreundlichkeit mehr an Bedeutung gewinnt. Je selbsterklärender die Programme, aber auch die Komponenten eines PC’s entwickelt werden, desto einfacher wird es auch älteren Nutzern fallen, diese Geräte zu bedienen. Schließlich gibt es auch genügend „jüngere“ Nutzer, die mit so manchen Programmen Probleme haben.

  4. Auch ich bin der Meinung, dass es keine speziell auf Senioren zugeschnittene Computer braucht. Wichtig ist, dass, wie bereits am Ende des Artikels erwähnt wird, die allgemeine Benutzerfreundlichkeit mehr an Bedeutung gewinnt. Je selbsterklärender die Programme, aber auch die Komponenten eines PC’s entwickelt werden, desto einfacher wird es auch älteren Nutzern fallen, diese Geräte zu bedienen. Schließlich gibt es auch genügend „jüngere“ Nutzer, die mit so manchen Programmen Probleme haben.

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