Seltsame Meldung

Mich irritierte diese Meldung auf w&v online:

Angeblich Ungereimtheiten bei Etatvergabe des BPA

Bei der geplanten Vergabe des Etats des Bundespresseamts (BPA) an Scholz & Friends gibt es Hinweise auf Ungereimtheiten. So soll ein bereits benanntes Mitglied des neunköpfigen Entscheidungsgremiums kurzfristig ausgetauscht worden sein. Diese SPD-nahe Person war offenbar noch unter Ex-Sprecher Uwe Karsten-Heye ins Haus gekommen und musste dann wieder ihren Hut nehmen.

Doch nicht nur diese Personalrochade sorgt für Aufregung, es ist vielmehr das Procedere: Bei der entscheidenden Bewertung gaben fünf CDU-Leute und ein FDP-Vertreter Scholz & Friends in den fünf Kategorien jeweils die höchstmögliche Zahl von 13 bis 14 Punkten, während die übrigen sieben Agenturen in jeder Kategorie nur null bis drei Punkte erhielten, berichten Insider. Damit wurden Erfahrung, Fachkunde, Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit der Agenturen, die es immerhin in die Endrunde des Pitches geschafft hatten, als "mangelhaft" bewertet. Diese Punktevergabe erwecke nicht gerade den Anschein, dass es sich um ein sachgerechtes Verfahren handele, urteilen Insider.

Der stellvertretende Amtschef des BPA, Michael Sternecker, bezeichnete die Vorwürfe als "abenteuerlich". Es gebe eine gewisse Bandbreite bei der Gesamtpunktzahl, die sich aus der Summe der Punkte in den einzelnen Kategorien ergebe. Die Gesamtpunktzahl, die die jeweiligen Agenturen erzielt hätten, schwanke zwischen 72 und 36 Punkten. Die Bewertung sei heterogen erfolgt.

Unterlegen sind in dem noch nicht vollständig abgeschlossenen Vergabeverfahren unter anderem die Agenturen Publicis, Johanssen + Kretschmer und FischerAppelt. Die Agenturen äußern sich nicht zu dem Wettbewerb. S&F war erstaunlicherweise nicht unter eigenem Namen, sondern unter Pergamon ins Rennen gegangen, wie Sternecker bestätigt. Warum die Agentur dieses Pseudonym nutzte, ist nicht bekannt.
Gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" sagte Sternecker, die Fragen würden geklärt. Dazu sollten die Rechtsabteilung des Hauses und ein externes anwaltliches Gutachten zu Rate gezogen werden. Sollte sich herausstellen, dass Pergamon gegen die Kriterien verstoßen habe, würde die Agentur als Sieger der Ausschreibung gestrichen und die Nummer zwei bekäme den Auftrag. Das wäre die Agentur Saatchi & Saatchi.

Schon mal das Vokabular ist lustig: "Diese SPD-nahe Person" erinnert mich an den sogenannten Gammelfleisch-Skandal, wo ja auch immer nur von "einem Fleisch-Großhändler" oder so die Rede ist, aber Namen zumindest noch nicht genannt werden. (Interessant, dass hier gerne die Alliteration "Ross und Reiter" bei der Forderung nach Namensnennung von so manchen Interviewten benutzt wird. Weil Pferdefleisch bislang noch nicht weder davon noch BSE, H5N1, diverse Tierpesen und anderen Seuchen betroffen ist??? Egal …)

Dass man der Agentur in "fünf Kategorien jeweils die höchstmögliche Zahl von 13 bis 14 Punkten" gab, ist ein Fall für den zwiebelfisch, denn müsste es nicht "oder" beziehungsweise "beziehungsweise" heißen?

… während die übrigen sieben Agenturen in jeder Kategorie nur null bis drei Punkte erhielten, berichten Insider. Damit wurden Erfahrung, Fachkunde, Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit der Agenturen, die es immerhin in die Endrunde des Pitches geschafft hatten, als "mangelhaft" bewertet. Diese Punktevergabe erwecke nicht gerade den Anschein, dass es sich um ein sachgerechtes Verfahren handele, urteilen Insider.

Insider, die also erst berichten und dann urteilen, geht ja irgendwie noch, aber was ist daran meldenswert? Handelt es sich je bei einer Punktevergabe um ein sachgerechtes Verfahren? Wie bewerten Jurys von Kreativveranstaltungen? Solche Tabellen sind doch nichts weiter eine völlige plumpe Pseudorationalität, um den Anschein zu wecken, es gehe um Tatsachen. Die einzige Tatsache, um die es bei so was geht, ist: Mensch. Glaub ich dem? Kann ich den riechen? Kann ich den bezahlen? Will ich den? Man könnte genauso gut über das Wetter reden.

Und wenn ein Unternehmen einen solchen Terz bei jeder größeren Etatvergabe machen müsste – es gäbe nur noch inhouse. Und interessanterweise, das ist zumindest meine Wahrnehmung, gebärden sich Agenturen bei verlorenen Pitches um "normale" Etats nicht so, bei den Etats der Öffentlichen Hand hingegen schon. Warum? Weil gutes Geld, weniger Stress mit dem Controlling auf Kundenseite, mehr leicht zu beeindruckende Laien??? Hm, zumindest letzteres greift wohl nicht mehr so ganz. Und genau darüber regt man sich jetzt auf? Oder habe ich da was missverstanden?

2 Meinungen

  1. Vielleicht weil es hierbei um politische KOMMUNIKATION geht und nicht um Werbung. Und auf diesem Welt gibt es einige Lorbeeren zu holen.

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