Sea + Air: Griechenland und Deutschland in folkiger Umarmung

Ach diese Musikerpärchen. Eleni und Daniel Benjamin spielen sich durch die Welt der Folkinstrumente, schrecken dabei auch nicht vor dem Cembalo zurück, was teilweise auch mal an Bat For Lashes erinnert, besonders auf „Dirty Love“. Nicht, dass man sich darüber beschweren würde.

Sea + Air: Ambitioniert und Erfolgreich damit

Was an dem Duo gefällt ist besonders die Vielfalt der Songs, so findet man dadurch nicht das erwartete Snoozefest, das nur allzu gerne bei den verliebten Folkpaaren auftritt, sondern zwischendurch sehr wohl zackige Songs, die auch mal an Mumford & Sons anlehnen.

Gerade diese verspielte Melodieverliebtheit bringt Songs wie „You don’t care about me“ in die Richtung, in der man an die Hippiezeiten der 60er/70er Jahre denken muss, allerdings ohne den oftmals kitschigen Unterton, sondern mit Humor in Text und Musik.

My Heart’s Sick Chord: Mit Liebe gekocht

Barock trifft auf griechische Folklore (Eleni kommt aus Griechenland und war früher Folkloretänzerin), trifft auf moderne Folkmusik. Die Multinstrumentalisten begeistern vor allem live auf der Bühne, wenn sie sich jeweils an zwei bis drei Instrumente klammern, um ihre opulenten Songs zu spielen.

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Der Bandname ist übrigens ein kleines Wortspiel, denn hört man ein wenig um die Ecke, klingt „Sea + Air“ wie „Sie und Er“, was eigentlich fast schon wieder an Zooey Dechanels und Matthew Wards „She and Him“ erinnert, wobei die Gemeinsamkeiten dann aber auch schon enden.

Interessant ist bei „My Heart’s A Sick Chord“ wie sehr die Songs vom Sänger abhängen, während Elinas Songs durchweg die 60er zu channeln scheinen, schreitet Daniel gewöhnlich etwas rockiger und forscher in die Richtung der 70er und 80er und kann mit Songs wie „You & I“ sogar an Simple Minds erinnern, wenn diese ein Cembalo im Repertoire gehabt hätten.

Sea + Air verlieren sich in der Vielfalt

„My Heart’s Sick Chord“ ist an und für sich ein abwechslungsreiches, aufregendes Album, das sich nur nicht sicher zu sein scheint, in welche Richtung es gehen möchte, einzig das ist etwas schade, da man dem Pärchen noch nicht direkt einen eigenen Sound anhören kann, während etwa „The Heart of the Rainbow“ wie der nächste Tanzflächenhit aus den Händen von Liam Frost klingt, könnte „Yeah I know“ direkt von einer Britpop Band kommen.

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Ob es die Achterbahnfahrt der beiden war, die unter Anderem schon in Hardcore- und Punkbands spielten oder sich als Gitarrerosongwriter versuchten, anhand 2/3 der Songs hört man eine klare Linie, die vom Rest wieder völlig zerschossen wird, eine zusätzliche EP wäre hier eventuell besser gewesen, um die Werke an sich fassbarer zu gestalten.
Das soll kein Plädoyer gegen Abwechslung sein, alleine der letzte Song „My Heart’s Sick Chord“ (der sich sehr proggig ausmacht) ist überwältigend und lässt dramatische Filmszenen auferstehen, aber wenn das Album fast schon wie ein Sampler klingt, dann ist das schon etwas bedauernswert. Vielleicht waren sie ja auch deshalb schon Vorband von unterschiedlichen Acts wie Whitney Houston, Sufjan Stevens, Sportfreunde Stiler, Villagers, P.O.D. (man erinnere sich an die christliche Rockband!) und John Grant.

Empfehlenswert sind Sea + Air trotzdem, besonders live sollte man sich das Paar einmal angesehen und angehört haben, das Peter Gabriel Cover „Mercy Street“ das gleich Song Nummer 2 auf dem Album einnimmt, ist zwar etwas zu ambitioniert, aber dafür zeugen die restlichen 12 Songs vom Talent des Paares, von dem wir hoffentlich in der Zukunft noch mehr hören werden.

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