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    Start » Satirischer Rückblick auf den ersten Bundesliga Spieltag
    Fussball

    Satirischer Rückblick auf den ersten Bundesliga Spieltag

    8. August 20115 Minuten Lesezeit

    Der erste Bundesliga Spieltag schloss sich vom Überraschungsgehalt nahtlos an das vergangene DFB-Pokal-Wochenende an und geriet zum Alptraum vieler Favoritenteams. Vor allem angesichts der Sonntagsergebnisse konnte man leicht an der eigenen Wahrnehmung zweifeln und Anhänger von Verschwörungstheorien hatten durchaus Grund, einen neuen Wettskandal zu wittern.

    Favoritenstürze beim ersten Bundesliga Spieltag

    Die mit vielen Vorschlusslorbeeren gestarteten Leverkusener machten sich gegen den FSV Mainz 05 endgültig zur Lachnummer. Im Pokal waren sie nach einer 3:0-Führung noch ohne Not mit 3:4 beim Zweitligisten Dynamo Dresden untergegangen, weil die Abwehr in den letzten 30 Minuten der regulären Spielzeit vergaß, dass das Fußballspiel auch Beinarbeit verlangt. Nun bescherte der erste Bundesliga Spieltag der Werkself also eine Niederlage beim Karnevalsverein. Ausgerechnet Mainz, das noch am Donnerstag sein lang ersehntes Europacupabenteuer bei einer Mannschaft aus Siebenbürgen beenden musste, welche kaum auf dem Niveau der eigenen B-Jugend spielte, putzte den Werksklub verdient mit 2:0 von der Platte. Man erinert sich fast zwangsläufig an den FC St.Pauli, welcher sich einst selbst nach einem sensationellen Erfolg gegen Bayern München „Weltpokalsiegerbesieger“ taufte. Nach Bayers Pleite in Mainz warten wir gespannt darauf, dass der Fanshop in Leverkusen bald T-Shirts mit der Aufschrift „Europacupdeppenbesiegte“ verkauft. Für die leidgeprüften Fans des Serienvizemeisters wäre das ein Standardfanartikel.

    Der FC Bayern München hat es ebenfalls schwer. Jedes Jahr ist man erneut der Titelfavorit. Und doch wagen es hinterhältige Konkurrenten immer wieder, gegen die eigenen Ansprüche den ersten Tabellenplatz zu erobern und nicht wieder herzugeben. Die skandalöse Konsequenz, die sich daraus zuletzt ergab: In den vergangenen fünf Jahren konnten außer dem FC Bayern noch drei weitere Vereine den deutschen Meistertitel erobern. Auch in diesem Jahr scheinen andere Vereine tatsächlich gegen die Bayern gewinnen zu wollen, obwohl sie vorher behaupten, in den Münchenern den einzigen Favoriten ausgemacht zu haben. So ist es zu erklären, dass mit Borussia Mönchengladbach ein Verein alle drei Punkte aus der Allianz Arena entführte, der in der letzten Saison nur deshalb nicht abgestiegen war, weil er von über 110 Prozent der Fußballexperten schon nach der Hinrunde abgeschrieben und deshalb nicht mehr ernst genommen wurde. Manuel Neuer, der in seiner neuen Heimat allseits beliebte und unumstrittene Keeper sah beim entscheidenden Treffer nicht sonderlich gut aus. Man vermutet, dass er entweder die Patzer-Tradition von Vorgänger Thomas Kraft aus der letzten Rückrunde fortsetzen wollte oder dass er Zu-Null-Spiele aus seiner Zeit beim FC Schalke 04 einfach nicht mehr gewohnt war.

    Galaauftritt im Eröffnungsspiel

    Ganz anders lief es bei Titelverteidiger Borussia Dortmund. Jürgen Klopp bewies vor dem Auftaktspiel gegen den Hamburger SV wieder einmal seine ausgezeichnete Fähigkeit zum Understatement. Trotz einer guten Vorbereitung und einer funktionierenden und weitestgehend zusammen gebliebenen Mannschaft aus dem Meisterjahr, wies er jegliche Favoritenstellung von sich. Man konnte den Eindruck haben, er sehe das Leistungsniveau seiner Mannschaft vor dieser Saison irgendwo zwischen Rang 9 und 12. Unglücklicherweise strafte die Elf, die am Freitag abend im früheren Westfalenstadion auf dem Platz stand, seinen Trainer Lügen, denn sie bot traumwandlerisch sicheren Kombinationsfußball mit effizientem Torabschluss, bei dem man zeitweise den Eindruck hatte, die gegnerische Mannschaft bestehe aus unbeweglichen Holzfiguren.

    Der Hamburger SV war heilfroh, dass die Schwarz-Gelben in der zweiten Halbzeit nach dem 3:0 nur noch im ersten Gang über den Rasen hoppelten und den Rothosen daher gnädigerweise einige Toraktionen boten. Eine davon wurde sogar genutzt und wenn der neue Rechtsaußen Gökhan Töre neben einigen guten Dribblings auch einmal den Torabschluss gesucht hätte, so wäre vielleicht mehr drin gewesen. Experten der Hamburger vermuten, es liege an seinem seltsamen Namen. Daher erarbeitet man jetzt einen Geheimplan, nach welchem Töre die norwegische Staatsbürgerschaft erhalten soll. Sein neuer Name Gustav Tore soll dem jungen Mittelfeldspieler helfen, sich an das Wesentliche im Fußball zu erinnern.

    Das Kuriositätenkabinett der Bundesliga 

    Der erste Bundesliga Spieltag war für den 1.FC Kaiserslautern in Bremen kein guter Auftakt. Der FCK bot eine unterirdische Leistung, und war auch mit den selbstverständlichsten Dingen überfordert. Trainer Marco Kurz musste statt seines Wunschspielers Clemens Walch den Abwehrkollegen Martin Amedick einwechseln, weil Walch ganz einfach sein Trikot vergessen hatte. In der nächsten Woche will Marco Kurz dafür sorgen, dass Clemens Walchs Freundin mit in die Kabine darf, um diesem alle notwendigen Utensilien vorzubereiten.

    Marcel Schäfer erzielte nach seiner Absetzung als Kapitän ein direktes Eckballtor in Köln. Felix Magath, der neben dieser Maßnahme auch noch völlig unerwartet den Ex-Kölner Patrick Helmes für Toptorjäger Srdjan Lakic aufstellte, der dann auch noch zweimal traf, konnte sich nach der Pokalpleite vor Wochenfrist rehabilitieren und gerät einmal mehr unter Verdacht, hellseherische Fähigkeiten zu besitzen. Der VfL Wolfsburg reserviert schon einmal einen Platz im Vereinsmuseum für Magaths Glaskugel, die nach dessen nächstem Vereinswechsel ausgestellt werden soll.

    In Hannover zeigte es sich, dass sich Schiedsrichter mit Spielern durchaus gut verstehen können. So gut, dass man die Art der Ausführung eines Freistoßes untereinander regeln kann, ohne dass die gegnerische Mannschaft dazu einbezogen werden müsste. Hannovers Schlaudraff zog frühzeitig direkt ab und traf zum 1:0, als Schiri Kinhöfer ihm das Zeichen gab und ließ die Hoffenheimer Mauer wie Ölgötzen stehen, während Towart Starke dem Ball hinterher schaute wie eine Eule am Mittag.

    Und schließlich war da noch der Held Sascha Mölders. Der Spielbericht bescheinigt dem Augsburger beim Spiel gegen Freiburg zwei Treffer. Dieses gute persönliche Ergebnis muss allerdings relativiert werden. In seinem zarten Alter von 26 Jahren ist Mölders nämlich schon vierfacher Vater und hat damit doppelt so viele Kinder wie er Tore erzielte. Nicht ganz zu Unrecht kann man dem Stürmer deswegen vorwerfen, er solle sich doch auf das Wesentliche konzentrieren.

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