Rundumschau KW36: Black Mountain, Calexico und Cat Power

Black Mountain – Year Zero (Soundtrack)

Was im Opener so anmutet wie ein weiteres 80er Retroduo aus Brooklyn braucht nur einen Song, um sich in wuchtigen Rockgefilden einzunisten und dort kommen Black Mountain auch kaum noch hinaus.
Wie man es von Kanada gewohnt ist, kriegt man hier kein stringentes Album an Black Angels ähnlichen Rockmonstern, sondern es wird sich von Black Sabbath Metal über psychedelic Auswüchsen hin zu hipsterigen Austra Ansätzen allem bedient, was man im Soundtakalog finden konnte.

Dass das in einem Zug weg episch wirkt und auch noch umwerfend klingt, kann man wohl der Brillanz der Musiker zuschreiben, die in ähnlicher Formation bereits seit den 90er Jahren unter dem Namen „Jerk with a bomb“ unterwegs waren.
Die Vielfältigkeit der Stile kann eventuell auch damit zu tun haben, dass „Year Zero“ eigentlich ein Soundtrack für eine Surfer Dokumentation ist. Schön, dass nicht alle Surfer auf Jack Johnson hängen bleiben.

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Calexico – Algiers

Es gibt einfach Alben, die sind so schön, dass man gar nicht erst dazu kommt, sie wirklich „kritisch“ zu betrachten. Das neue Calexico Werk überfällt einen geradezu mit Schönheiten, im Country/Folk-Outfit präsentiert sich „Algiers“ wie ein einziger Herzschmerz aus Fernweh und Reiselust. Ihr mittlerweile achtes Studioalbum ist daher für Fans und Neuentdecker ein perfekter Einstieg in den gold-gelben Herbst, dessen Melancholie sich durch die großartig orchestrierten Songs begleiten lässt.
Americana at its best, ab und an werden auch härtere und vor allem experimentellere Töne angeschlagen, ohne jedoch das stimmige Wanderlust Thema aus den Augen zu verlieren, das sich zum Ende hin sogar in eine kleine, mexikanische Westernsaga entwickelt, die etwas weniger blutig als Coogans Bluffs Ausritt endet. Merkwürdig, wie einnehmend manche Bands scheinbar ohne Mühe sein können.

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Cat Power – Sun

Chan Marshall hat die 90er gut überstanden, mehr als das, unter ihrem Moniker Cat Power ist sie eine gestandene Größe, weshalb sich jung und alt sehr auf ihr neustes Album – das immerhin das Erste seit 6 Jahren ist – gefreut haben. Nicht zuletzt, weil finanzielle, gesundheitliche und persönliche Tumulte das Album bis ins Nirwana zu schieben schienen, das eigentlich schon 2006 von Marshall in Angriff genommen wurde.
Auch der eigene Perfektionismus und Angst, nicht mehr ihren eigenen Ansprüchen gerecht zu werden, haben lange für Verzögerung gesorgt, den Vorschlag ihres Labels einen Produzenten zu Rate zu ziehen nahm sie erst nicht auf, ließ sich jedoch später von Beasty Boys Mixer Philippe Zdar inspirieren, der der Künstlerin vorerst pro bono aushalf.
„Sun“ könnte auf den ersten flüchtigen Blick schnell für das Electropopwerk einer der unzähligen jungen Künstlerinnen derzeit gehalten werden, bewahrt aber eine nüchterne Ruhe, die wie ein Anker im Zentrum der Popsongs sitzt und sie auf den Boden holt, ihnen in der Leichtfüßigkeit ein – pardon – weltweises Standbein gibt.
Das mag den Soulern unter ihren Fans ein wenig schwer in der Magengrube liegen, ist aber nicht nur mutig, sondern auch so gut in der Ausführung, dass man es ihr nicht einmal verübeln mag, dass sie sich stilistisch derart weit aus dem Fenster gelehnt hat. Neuerfindung mit 40 Jahren? Das trauen sich nur die wenigsten. Das hat wohl auch Iggy Pop – Punk der ersten Stunde – so gesehen und Marshall gallant für ein Bowie-esques Outro begleitet.

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