Reißverschluss oder Reissverschluß? Die richtige Schreibweise muss nicht haken!

Reißverschluss/ß – eines dieser Wörter mit scharfem ß? Nein! Schreibweise ß ist falsch. Reißverschluss wird laut Duden mit zwei s geschrieben.Viele jammern der alten deutschen Rechtschreibung hinterher, aber wer kannte damals schon die Regeln, wann ein stimmloser, scharfer s-Laut als Doppel-s und wann als ß geschrieben wurde? Hieß es früher laßen und läßt? Oder lassen und lässt? Es gab auch damals schon klare Regeln für die Verwendung von Doppel-s und ß – allerdings waren diese recht kompliziert.

Ein Highlight der neuen deutschen Rechtschreibung die Neuregelung des Gebrauchs von Doppel-s und ß. Denn dieser ist jetzt klar definiert. Zwei kleine Regeln helfen bei 90 Prozent aller Wörter mit scharfem s-Laut – und wer sich merkt, wie Reißverschluss geschrieben wird, ist eigentlich bei dieser Frage auf der sicheren Seite:

Die Reißverschlussregel 1: Schreibweise ß – hinter langen Vokalen und Doppellauten folgt ß

  1. Die Schreibweise ß ist an sich einfach zu merken: Hinter langen Vokalen und Doppellauten steht grundsätzlich ß, also zum Beispiel groß, Floß. Zu den Doppellauten (Diphthongen) gehören au, äu, eu, ai und ei – damit sind Wörter mit scharfem ß weiß, außer, äußern, scheußlich. Und eben auch reißen oder Reiß.

Das ß ist bislang ein reiner Kleinbuchstabe, deswegen wird bei Großschreibung das ß grundsätzlich als großes Doppel-S dargestellt: ACHTUNG, REISSVERSCHLUSS.

Die Reißverschlussregel 2: … verschluss – hinter kurzen Vokalen folgt immer ein Doppel-s

2. Nach einem kurzen Vokal folgt stets Doppel-s, auch am Wortende: Fass, wissen, küssen, Pass, Riss, Schluss und eben auch Verschluss.

Getrennt wird ss übrigens wie andere Doppellaute, also Ris-se, Verschlüs-se.

Mit diesen beiden Regeln heißt es also reißen und riss, verschließen und Verschluss. Und Reissverschluss – Duden sieht Reissverschluß nicht mehr vor.

Ausnahmen: aus, Namen, nis, ismus, vor Konsonant

Echte Ausnahmen beim Gebrauch des ß sind wie eh und je „aus“ und alle seine Zusammensetzungen, zum Beispiel heraus. Ausnahmen zur Doppel-s-Regel sind: das, was, des, wes, bis. Natürlich gilt auch für Namen die Rechtschreibregel zum scharfen s-Laut nicht, zum Beispiel Neuss, Litfaßsäule.
Auch Wörter, die auf -nis enden (Erkenntnis) oder auf -ismus (Fanatismus) werden am Ende weiterhin nur mit einfachem s geschrieben, obwohl die nis-Wörter im Plural dann wieder nach Vorschrift behandelt werden: Erkenntnisse. So ein Hin und Her gibt es auch bei einigen Fremdwörtern: Bus/Busse.

Eine vierte Ausnahmeregel betrifft Wörter, bei denen im Wortstamm dem stimmlosen s-Laut ein Konsonant folgt, so wie bei meistens.

Wie schreibt man fies? Die geniale Verlängerungsmethode

Fies ist, dass fies mit s geschrieben wird, nicht mit ß. Doch das ist nur eine scheinbare Ausnahme, denn hinter dem s verbirgt sich kein stimmloser s-Laut, sondern ein stimmhafter. Das merkt man solchen Wörtern immer dann an, wenn man sie verlängert: fiese. (Mit dieser „Verlängerungsmethode“ lassen sich übrigens auch die Problemfälle, ob ein Wort mit g oder k, d oder t geschrieben wird erkennen: Band – Bande, bang-bange, Bank – Banken.)
Der Duden regelt im Übrigen auch sehr deutsch alle nur erdenklichen Notfälle: Gibt es keine ß-Taste auf der Tastatur, kann man für ß Doppel-s schreiben. Und die Schweiz kennt sowieso kein ß, sondern ersetzt ß immer durch Doppel-s und schreibt statt Straße Strasse. In Dokumenten – zum Beispiel Ausweisen – kann bei Namen auch bei Großbuchstaben das ß verwendet werden.

(Zum Schluss auch noch die Auflösung der eingangs gestellten Frage: Richtig war nach der alten Rechtschreibung lassen und läßt. Nach der Neuen Rechtschreibung ist lassen und lässt richtig.)

Foto: Thinkstock, iStock, Nomadsoul1

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