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    Start » Quo vadis TV?
    Älter werden

    Quo vadis TV?

    11. Juni 20063 Minuten Lesezeit

    Auffällig war zunächst, dass plötzlich Dinge im Fernsehen
    abliefen, die man bis dato dort nicht gezeigt hatte. Rückblickend geht es
    zumindest mir so, dass ich mich nicht erinnern kann, derart drastische
    Gewaltdarstellungen wie sie heute üblich sind, früher im Fernsehen gesehen zu
    haben. Und ich bin auch nicht der Meinung, dass dies ein Gewinn für den
    heutigen TV-Konsumenten ist. Die zunehmende Verrohung der Gesellschaft halte
    ich zu großen Teilen der Privatisierung der Senderlandschaft zugute. Ein
    Problem, auch ein großes, aber eigentlich nicht der Anker für diesen Beitrag…

    In den letzten Tagen habe ich recherchierenderweise durch
    sämtliche empfangbaren Sender gezappt. Allein das dauert, ohne das man irgendwo
    anhält, mittlerweile ein Viertelstunde. Nun habe ich aber auch noch oft
    angehalten und das laufende Programm kurz verfolgt. Allein auf diese Weise kann
    man einen Abend füllen. Im Ergebnis kann ich sagen, dass sich mir die Vielfalt
    der Senderlandschaft nicht erschließt. Will heißen, ich kapiere nicht, wofür
    diese Vielzahl gut ist. Irgendwelche alten Klamotten auf dem einen, eine
    Wiederholung von gestern abend auf dem anderen, Werbung auf den allermeisten.
    Eigentlich kopiert nur der eine den anderen und der den nächsten. Selbst mit
    der besten Fernsehzeitung ausgestattet, lässt sich diesem Chaos kaum noch Herr
    werden. Wo sind die Rosinen? Gibt es überhaupt noch welche? Für mich ein
    weiteres Problem, auch ein großes, aber eben auch nicht der Anker dieses
    Beitrags…

    Zum ersten Mal erschreckt habe ich mich dann, als ich
    gesehen habe, wie Musikfernsehen heutzutage aussieht. Wie eine
    Kleinanzeigenzeitung zugepflastert präsentiert sich der Fernsehbildschirm dem
    erstaunten Betrachter. Der eigentliche Inhalt schrumpft auf Briefmarkengröße,
    die einzelnen Bildbereiche konkurrieren miteinander um die Aufmerksamkeit des
    Zuschauers, der jedoch nach wie vor nur über zwei Augen verfügt. Das konnte ich
    mir nicht ansehen! Na gut, habe ich gedacht. Musik kommt sowieso über Kopfhörer
    und ohne Bilder besser. Da lass die mal machen.

    Kritischer finde ich da schon die Entwicklung, die ich an
    einer Folge der „Erfolgsserie“ CSI beobachten musste. Die Serie ist von der
    Kameraführung her eine Achterbahnfahrt für das Auge. Szenenwechsel im
    Millisekundentakt, rasante Zooms auf kleinste Details der Tatorte, aggressive
    Sounduntermalung und wirre Stories im Sinne nicht nachvollziehbarer Logik der
    zeitlichen Abläufe. Das scheint heutzutage ein Erfolgsrezept zu sein. Nach 10
    Minuten hatte ich übelstes Kopfweh. Und ich bin erst Vierzig! Ein Mensch
    spätestens ab und über siebzig kann schon optisch nicht mal mehr folgen. Der
    sieht gar nicht mehr, was da abgeht, weil es viel zu rasant abläuft.

    Ich glaube nicht, dass sich die CSI-Macher im Klaren darüber
    sind, wie viele Menschen sie durch ihre verquere Art allein der handwerklichen
    Erstellung ihrer Filme von deren Konsum ausschließen. Wenn es nun sein müsste,
    könnte man ja noch eine Rechtfertigung finden. Jedoch ist seit Jahrzehnten
    bewiesen, dass Krimis auch ohne derartige technische Spirenzchen spannend und
    erfolgreich sein können. Warum also sowas?

    Bisher ist der Age-Simulator (oder Altersanzug) ja schon bei
    deutschen Ingenieuren, vornehmlich der Autoindustrie, beliebt. Wir sollten der
    internationalen Filmbranche mal eine Erstausstattung zur Verfügung stellen. Zu
    unser aller Schutz! Denn wir werden schließlich alle älter…

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