Quo vadis TV?

Auffällig war zunächst, dass plötzlich Dinge im Fernsehen
abliefen, die man bis dato dort nicht gezeigt hatte. Rückblickend geht es
zumindest mir so, dass ich mich nicht erinnern kann, derart drastische
Gewaltdarstellungen wie sie heute üblich sind, früher im Fernsehen gesehen zu
haben. Und ich bin auch nicht der Meinung, dass dies ein Gewinn für den
heutigen TV-Konsumenten ist. Die zunehmende Verrohung der Gesellschaft halte
ich zu großen Teilen der Privatisierung der Senderlandschaft zugute. Ein
Problem, auch ein großes, aber eigentlich nicht der Anker für diesen Beitrag…

In den letzten Tagen habe ich recherchierenderweise durch
sämtliche empfangbaren Sender gezappt. Allein das dauert, ohne das man irgendwo
anhält, mittlerweile ein Viertelstunde. Nun habe ich aber auch noch oft
angehalten und das laufende Programm kurz verfolgt. Allein auf diese Weise kann
man einen Abend füllen. Im Ergebnis kann ich sagen, dass sich mir die Vielfalt
der Senderlandschaft nicht erschließt. Will heißen, ich kapiere nicht, wofür
diese Vielzahl gut ist. Irgendwelche alten Klamotten auf dem einen, eine
Wiederholung von gestern abend auf dem anderen, Werbung auf den allermeisten.
Eigentlich kopiert nur der eine den anderen und der den nächsten. Selbst mit
der besten Fernsehzeitung ausgestattet, lässt sich diesem Chaos kaum noch Herr
werden. Wo sind die Rosinen? Gibt es überhaupt noch welche? Für mich ein
weiteres Problem, auch ein großes, aber eben auch nicht der Anker dieses
Beitrags…

Zum ersten Mal erschreckt habe ich mich dann, als ich
gesehen habe, wie Musikfernsehen heutzutage aussieht. Wie eine
Kleinanzeigenzeitung zugepflastert präsentiert sich der Fernsehbildschirm dem
erstaunten Betrachter. Der eigentliche Inhalt schrumpft auf Briefmarkengröße,
die einzelnen Bildbereiche konkurrieren miteinander um die Aufmerksamkeit des
Zuschauers, der jedoch nach wie vor nur über zwei Augen verfügt. Das konnte ich
mir nicht ansehen! Na gut, habe ich gedacht. Musik kommt sowieso über Kopfhörer
und ohne Bilder besser. Da lass die mal machen.

Kritischer finde ich da schon die Entwicklung, die ich an
einer Folge der „Erfolgsserie“ CSI beobachten musste. Die Serie ist von der
Kameraführung her eine Achterbahnfahrt für das Auge. Szenenwechsel im
Millisekundentakt, rasante Zooms auf kleinste Details der Tatorte, aggressive
Sounduntermalung und wirre Stories im Sinne nicht nachvollziehbarer Logik der
zeitlichen Abläufe. Das scheint heutzutage ein Erfolgsrezept zu sein. Nach 10
Minuten hatte ich übelstes Kopfweh. Und ich bin erst Vierzig! Ein Mensch
spätestens ab und über siebzig kann schon optisch nicht mal mehr folgen. Der
sieht gar nicht mehr, was da abgeht, weil es viel zu rasant abläuft.

Ich glaube nicht, dass sich die CSI-Macher im Klaren darüber
sind, wie viele Menschen sie durch ihre verquere Art allein der handwerklichen
Erstellung ihrer Filme von deren Konsum ausschließen. Wenn es nun sein müsste,
könnte man ja noch eine Rechtfertigung finden. Jedoch ist seit Jahrzehnten
bewiesen, dass Krimis auch ohne derartige technische Spirenzchen spannend und
erfolgreich sein können. Warum also sowas?

Bisher ist der Age-Simulator (oder Altersanzug) ja schon bei
deutschen Ingenieuren, vornehmlich der Autoindustrie, beliebt. Wir sollten der
internationalen Filmbranche mal eine Erstausstattung zur Verfügung stellen. Zu
unser aller Schutz! Denn wir werden schließlich alle älter…

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