Null zu Acht: HSV kassiert historische Pleite

enttäuschte Fans

Als Arjen Robben in der 71. Minute ausgewechselt wurde, klatschte auch Dietmar Beiersdorfer Beifall. Leider ist Beiersdorfer Vorstandsvorsitzender beim HSV, und der wurde gerade vom überragenden niederländischen Nationalspieler Robben und dessen Kollegen vom FC Bayern München in seine Einzelteile zerlegt. 0:7 lag der HSV zum Zeitpunkt von Robbens Auswechslung hinten, 20 Minuten später war Schluss und der Bundesliga-Dino hatte sich noch einen weiteren Treffer gefangen. 0:8 – damit war die höchste Pleite in der ruhmreichen Historie der Hansestädter fix.

Fassungslosigkeit und Entsetzen

Nach dem Abpfiff herrschten Fassungslosigkeit und Entsetzen beim HSV. Trainer Josef Zinnbauer: „Es ist ein sehr, sehr bitterer Tag in meinem Leben, den ich nie vergessen werde.“ Peter Knäbel, der Direktor Profifußball: „Eine böse, peinliche Niederlage, für die wir uns schämen müssen.“ Und Didi Beiersdorfer, inzwischen wieder mit den Gedanken bei seiner eigenen Mannschaft, fügte hinzu: „Ein beschämender Auftritt.“ Was war eigentlich genau passiert in diesen denkwürdigen 90 Minuten?
Zunächst überraschte Zinnbauer mit seiner Aufstellung: Die war nämlich erstaunlich offensiv. Mit Spielmacher Rafael van der Vaart im zentralen Mittelfeld anstatt des defensiv stärkeren Petr Jiracek. Mit zwei Stürmern, von denen Ivica Olic allerdings an alter Wirkungsstätte frühzeitig wegen einer Verletzung wieder ausgewechselt werden musste. Und mit zwei jungen Außenverteidigern aus dem eigenen Nachwuchs, Ashton Götz und Ronny Marcos. Was Zinnbauers Truppe dann allerdings aufs Parkett brachte, hatte mit Fußball wenig zu tun und mit Bundesliga erst recht nicht. Kein Aufbauspiel, kein Zweikampfverhalten, keine Torchancen. Die Bayern spielten nach Belieben, der HSV hechelte nur hinterher. Ein zweistelliges Ergebnis wäre durchaus möglich gewesen.

Nur eine Form der Wiedergutmachung

Wie steckt man nun eine solche historische Klatsche weg? Peter Knäbel schloss Aktionismus aus, es wird also kein Kurztrainingslager und keinen Grillnachmittag geben, der noch nach dem Bayern-Spiel vor zwei Jahren (2:9) anberaumt wurde. „Es gibt nur eine Form der Wiedergutmachung“, so Knäbel, „ein positives Ergebnis gegen Mönchengladbach.“ Viel passiert ist ja eigentlich nicht; dass der HSV mit null Punkten aus München heimfährt, war eingeplant. Die Tordifferenz ist natürlich wieder dahin (jetzt – 16), aber der HSV liegt noch auf Rang 13 in der Tabelle und damit im Soll. Die Hamburger stecken weiterhin im Abstiegskampf, aber auch das war vorher klar, selbst nach den beiden vorangegangenen Siegen gegen Paderborn und Hannover. Jetzt stehen die wirklich entscheidenden Spiele an – die nächsten Gegner heißen Gladbach und Frankfurt. Und die spielen in einer anderen Liga als Bayern München; in einer, in der der HSV konkurrieren kann.

Foto: Thinkstock, iStock, monkeybusinessimages

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