Moderne Piraterie: Herausforderung für die Staatengemeinschaft

Für die meisten Menschen scheint Seeräuberei etwas Vergangenes zu sein: Die Zeiten von Klaus Störtebecker und Blackbeard sind seit Jahrhunderten vorbei, Bücher und Filme verklärten ihr Bild. Daher scheint der Begriff „moderne Piraten“ anachronistisch zu sein, aber spätestens nach den Schiffs-Entführung der vergangenen Jahre wird die Bedrohung ernst genommen. Am bekanntesten sind heute wohl die Piraten in Somalia. Seit Beginn der 1990er Jahre gibt es in dem Land keine stabile Zentralregierung mehr, die ein effektive Küstenüberwachung gewährleisten könnte. Dies führte auch dazu, dass Fischerei-Flotten aus anderen Ländern die Fanggründe ausbeuten konnten. Heute sind die Gewässer vor Somalias Küsten überfischt und vielen lokalen Fischern wurde damit die Lebensgrundlage entzogen.

Somalia als Stützpunkt für moderne Piraten

Für Männer mit Kenntnissen über das Meer wurde die Piraterie zum lukrativen Geschäft. Vor allem von Stützpunkten der somalischen Region Puntland aus attackieren sie Frachtschiffe und Tanker, die im Golf von Aden fahren. Diese Wasserstraße ist eng und muss von Schiffen auf dem Weg zum Suez-Kanal passiert werden. Viele Öl-Lieferungen per Schiff, zum Beispiel aus dem Iran, aber auch Containerladungen aus Japan und China werden über diese Route abgewickelt.

Auf wendigen Jollen, die von Mutterschiffen aus auch entfernt der Küste eingesetzt werden, fahren die Seeräuber schwer bewaffnet an die Schiffe heran, um sie zu entführen und Lösegeld zu erpressen. Viele der Männer standen bereits im Somalischen Bürgerkrieg in den Diensten diverser Warlords und sind kampferprobt.

Die Bundeswehr im Einsatz gegen moderne Piraten

Nach vermehrten und teils spektakulären Übergriffen, entschied sich die internationale Staatengemeinschaft zum Handeln. Die EU entsendete im Rahmen der „Mission Atalanta“ mehrere Schlachtschiffe. Auch die Bundesmarine ist im Einsatz, zur Zeit mit den Fregatten „Bayern“ und „Köln“. Schon mehrfach haben deutsche Schiffe Piratenboote attackiert, als diese versuchten Handelsschiffe anzugreifen. Für den Welthandel stellen Piraten eine große Gefahr da. Im Jahr 2006 soll der wirtschaftliche Schaden durch Piraterie 16 Milliarden US Dollar betragen haben. Eine der größten Reedereien der Welt wies seine Schiffe an, den Golf von Aden zu meiden und stattdessen die wesentlich längere Route um das Kap der Guten Hoffnung zu nehmen.

Der Bundeswehr-Einsatz, der vor allem Hilfslieferungen für die Menschen in Ostafrika sichern soll, hat sicherlich auch ökonomische Hintergründe. Industrienationen haben ein Interesse daran, dass der Welthandel gefahrlos abgewickelt werden kann. Im Bundestag wurde die Mission mit 88%  Ja-Stimmen verabschiedet. Ansonsten war das Interesse Deutschlands und der globalen Staatengeminschaft für Somalia nach dem Ende der UNO Mission im Jahre 1993 gering.

Herausforderungen im Kampf gegen die Piraten in Somalia

Die Eindämmung der Piraterie in Somalia gestaltet sich schwierig. Das Mandat der Bundeswehr, wie auch der gesamten „Mission Atalanta“, ist auf die Sicherung der Seewege beschränkt. Die Streitkräfte dürfen also nicht die Stützpunkte der Piraten an Land angreifen. Kritiker der Misson bemängeln zurecht, dass der Bedrohung so nicht dauerhaft Herr zu werden ist.

Außerdem ist bislang nicht geklärt wie mit gefangengenommenen Piraten verfahren werden soll. Denn wenn ein vor Somalia gefasster Pirat von einem deutschen Gericht verurteilt werden würde, könnte er nach Ablauf der Strafe Asyl in Deutschland beantragen, was politisch und gesellschaftlich nicht gewünscht ist.

Wie können moderne Piraten effektiv bekämpft werden?

Langfristig kann die Seeräuberei nur ausgerottet werden, wenn es Einkommensalternativen für die Menschen in Somalia gibt. Doch in der politisch instabilen Situation ist es unwahrscheinlich, dass diese entstehen und die Piraterie verdrängen können. Bis die Ursache bekämpft ist, müssen die anderen Staaten ihre Schiffe effektiv schützen und ein hohes Drohpotential aufbauen. Dies kann entweder durch die Präsenz von Marineeinheiten oder durch Sicherheitspersonal an Bord realisiert werden. Mehrere Staaten prüfen auch den Einsatz privater Sicherheitsdienste.

Die Straße von Malakka: Schauplatz Südostasien

Dass moderne Piraterie nicht nur vor der Küste Somalias verbreitet ist, ist weniger bekannt. Besonders die Schifffahrtstraße von Malakka, die zwischen Sumatra und Malaysia liegt, ist von Piraterie betroffen. Ein Großteil des Welthandels wird durch diese Route abgewickelt und über 50.000 Schiffe passieren die Route pro Tag. An der engsten Stelle ist die Straße von Malakka nur drei Kilometer breit, zudem kann sie nur sehr langsam durchfahren werden. Die unübersichtlichen Küstenabschnitte bieten viele Verstecke. So haben die Seeräuber günstige Bedingungen zum Zuschlagen. Im Unterschied zu den somalischen Piraten haben sie sich aber vor allem auf den Raub von Wertgegenständen und weniger auf die Entführung von Schiff und Mannschaft spezialisiert.

Viele Sicherheitsexperten glauben, dass von einem Anschlag auf die Straße von Malakka durch Piraten mit  islamistischem Hintergrund große Gefahren für den Welthandel ausgehen könnten. Wenn Terroristen beispielsweise einen mit Erdgas beladenen Tanker dort zur Explosion bringen würden, wäre die Seeroute für längere Zeit unbrauchbar und würde den globalen Handel stark gefährden. Zudem würde ein solcher Anschlag eine ökologische Katastrophe zur Folge haben, die auch in der Folge den Handel einschränken könnte. Nach einem Höhepunkt der Piratenaktivität im Jahr 2004 mit bis über 150 Angriffen pro Jahr, haben die Marine-Streitkräfte der umliegenden Länder vermehrt die Seeräuber bekämpft, sodass die die Straße wieder sicherer geworden ist.

Eine Meinung

  1. Ich denke es ist wichtig das WARUM zu verstehen. Es ist natürlich ein lukratives Geschäft, das auch im marktwirtschaftlicher Betrachtung ihre Kunden findet, aber ganz grundlos passiert es auch wieder nicht. Ohne Abschaffung der Beweggründe wird sich mit Sicherheit nicht viel ändern, auch mit Einsatz einer Staatengemeinschaft.

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