Mein Kind raucht: Was nun?

Oft ist es gut, erst einmal zu verstehen, was im kindlichen Alter, und in der spätkindlichen Phase am Übergang zum Erwachsenenalter, der sogenannten Pubertät, im Kind passiert. Viele Kinder beginnen in der Pubertät zu rauchen, manchmal auch schon früher.

Kinder lernen auf zwei  Ebenen von den Erwachsenen und der Gesellschaft.

Einerseits auf der geistigen Ebene des Denkens, der Ebene der geistigen Intelligenz. Das Denken und Reflektieren oder Überblicken der Konsequenzen des eigenen Handelns findet im Neuen Gehirn statt und ist nur den Menschen eigen.  

Die zweite Ebene, auf der Kinder von Erwachsenen und von der Gesellschaft, also auch von Gleichaltrigen lernen, ist die Ebene der körperlichen Intelligenz. Hier lernt der Körper über Spiegelneuronen von Erwachsenen und der Gesellschaft, über  Nachahmung. Diese Fähigkeiten sind Tieren und Menschen eigen. Dieses „Körperdenken“ wird über die alten Teile des Gehirns gesteuert, das Limbisches System etc. 

Das Rauchen ist etwas, das die Kinder von Anderen lernen. Wenn niemand Anderes rauchen würde, wäre es eher ein Zufall, dass ein Kind zu rauchen beginnt. Das Kind lernt hier also über Nachahmung, über die Körperintelligenz.

Vorbilder nachahmen

Vorbilder, die nachgeahmt werden, sind entweder Erwachsene wie Eltern, Erzieher oder andere Vorbilder, oder aber Gleichaltrige, z.B. Mitschüler. Die Nachahmung wird, wie bereits beschrieben, über das „alte Gehirn“ und Spiegelneuronen gesteuert. Diese Körperintelligenz, die wir von unseren tierischen Vorfahren übernommen haben, kann allein nicht in die Zukunft sehen. Vorausschau und die Abschätzung künftiger Folgen sind ihr fremd. Diese Vorausschau wird über die geistigen Kräfte des Menschen gesteuert, nicht über die Körperintelligenz.

Wenn das Kind raucht, ist es also sinnvoll, die Beweggründe der Körperintelligenz zu verstehen, warum das Kind raucht. Ist es die reine Nachahmung? Ist es das Bedürfnis groß zu sein? Sind es Minderwertigkeitskomplexe, die ausgeglichen werden sollen innerhalb der Gruppe, weil man sich mehr traut als Andere? Ist es vielleicht der Gruppenzwang, um dazu zu gehören? Die Gründe können sehr unterschiedlich sein. So unterschiedlich wie die Kinder, so unterschiedlich ihre Gründe, zu rauchen. Rätselraten und sich etwas ausdenken über die vermeintlichen Gründe, hilft meist herzlich wenig.

Es geht darum, Vertrauen aufzubauen zum Kind, wirkliches Vertrauen, was auch nicht enttäuscht werden darf. Es geht darum, zuzuhören, um gemeinsam herauszufinden, was das Kind bewegt, denn oft weiß es das selbst am allerwenigsten. Und es geht darum, dem Kind beizustehen darin, selbst eine weitsichtige Entscheidung zu treffen, die die Zukunft und die eigene Gesundheit respektiert. Und nicht zuletzt geht es darum, einen „Schlachtplan“ auszuarbeiten, der dem Kind hilft, sein Körperbewusstsein so zu erziehen, dass es nicht unterdrückt wird, sondern belohnt dafür, dass es gesundheitsschädliche Verhaltensweisen aufgibt.

Hier also eine Möglichkeit zum Vorgehen:

Damit helfen Sie Ihrem Kind

  • Zeit
  • Geduld
  • Talent zuzuhören
  • Mitgefühl
  • Akzeptanz

 

Wege, dem Kind das Rauchen abzugewöhnen

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Haltbares Vertrauen aufbauen

Vertrauen ist am einfachsten aufzubauen, wenn man schon immer Freund seines Kindes war. Manchmal ist das nicht so leicht, denn gerade in der Pubertät versuchen die Kinder, sich von den Erwachsenen abzugrenzen, und ihren eigenen Weg zu finden. Und dann brauchen sie alles Andere als Eltern als Freunde. Eltern sind dann eher peinlich. Nichtsdestotrotz genießt man als Elternteil in der Regel nach wie vor eine gewisse Autorität, und auch ein gewisses Vertrauen. Auch wenn das Kind es nicht zeigt, akzeptiert es den Elternstatus in der Regel, bis es aus dem Haus ist, und je weniger man die Autorität „raushängen“ lässt, um so leichter ist es dem Kind, sie anzunehmen. Als Elternteil muss man sich dessen nur bewusst sein, dass man nach wie vor die Verantwortung hat für das Kind. Um weiter Vertrauen aufzubauen, kann man über sich sprechen. Darüber, dass man entdeckt hat, dass das Kind raucht. Darüber, dass man sich Sorgen macht. Darüber, dass man solches vielleicht selbst als Kind oder Jugendlicher durchlebt hat. Man kann das Kind fragen, ob man mehr davon erzählen soll – meist sind die Kinder neugierig auf solche Geschichten. Was auch immer dem Erwachsenen einfällt, um Vertrauen aufzubauen – er sollte sich vom Gefühl leiten lassen. Hier ist nochmals ganz wichtig zu erwähnen: Das Vertrauen, das das Kind dem Erwachsenen entgegenzubringen beginnt, sollte nicht enttäuscht werden. Wenn man aus dem Gespräch gewonnenes Wissen verwendet, um Verbote auszusprechen, oder in das Leben des Kindes einzugreifen, ohne das mit ihm vollends abgeklärt zu haben, ist für die Zukunft nichts gewonnen, eher verloren.

2

Gründe für das Rauchen herausfinden

Im nächsten Schritt ist es wichtig, zuzuhören. Man kann dem Kind sagen, dass man ihm das Rauchen nicht verbieten will, sondern zuerst einmal verstehen will, warum das Kind raucht. Und dann kann man es ermuntern zu erzählen. Von seinem Leben. Von seinen Freunden. Was es bewegt, was es fühlt. Wo es Minderwertigkeitskomplexe hat, und wo vielleicht Erfolge. Um es zu ermutigen, kann man eigene Anekdoten aus der eigenen Kindheit oder Jugend erzählen, vielleicht auch über eigene Unsicherheiten erzählen, und wie man damit umgegangen ist. Alles, was vom Gefühl her passt, und eine freundschaftliche Atmosphäre aufbaut, ist zulässig. In der Regel weiß man nach spätestens einer halben Stunde auch als ungeübter Zuhörer, wie es dem Kind geht und warum es raucht.

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Entscheidung vorbereiten

Das Kind weiß im Grunde, dass das Rauchen schädlich ist. Oft haben die Eltern davor gewarnt, oder haben es sogar schon im Vorfeld verboten. Bis zu einem gewissen Alter ist es sogar gesetzlich verboten, und auf den Zigarettenschachteln stehen die Todeswarnungen.Die Frage ist, ob man dem Kind eine Alternative zum Rauchen anbieten kann. Dabei geht es um das Körbewusstsein des Kindes, die Körperintelligenz. Die Körperintelligenz ist interessiert an kurzfristigen Ergebnissen, weniger an langfristiger Gesundheit. Die langfristige Gesundheit ist ein gutes Argument für den Geist, jedoch nicht für den Körper. Wenn man im Schritt zuvor gut zugehört hat, kennt man den Grund der Körperintelligenz, der zum Rauchen geführt hat. Das kann z.B. sein, dass das Kind dann in der Gruppe der Mitschüler als zugehörig akzeptiert wird. Dass es in der „Rangordnung“ der Schüler aufgenommen wurde und einen höheren Platz einnimmt. Was kann dem Kind als Alternative dienen, um dasselbe oder möglichst noch ein besseres Ergebnis zu erzielen? Hier ist wieder zuhören können gefragt, denn oft trägt das Kind die Antwort in sich. Es kann sein, dass die Gruppe nicht die Richtige ist, und das Kind sich dort sowieso nicht wohl fühlt. Dann kann man es moralisch unterstützen, sich zu lösen, und zu einer anderen Gruppe zu wechseln. Es kann sein, dass das Kind sich durch „Nichtrauchen“ und stattdessen einen coolen Sport treiben, für den man viel Lungenvolumen braucht, profilieren kann. Z.B. Fanfare spielen oder Wildwasser fahren. Was interessiert ihr Kind wirklich? Was ist seine Besonderheit, seine Einzigartigkeit? Die Position, an der es sich nicht vergleichen muss, weil es nicht besser sondern einzigartig ist? Finden Sie es durch Fragen heraus, und ermutigen Sie ihr Kind, diese Einzigartigkeit schon als Kind zu leben. Jeder hat solche besonderen Fähigkeiten – stehen Sie hinter Ihrem Kind!

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Entscheidung treffen (lassen)

Wenn ihr Kind weiß, was es alternativ zum Rauchen tun könnte, und worauf es sich beim „Nichtrauchen“ freuen könnte, helfen Sie ihm, die Entscheidung zu treffen, das wirklich durchzuziehen. Lassen Sie ihm lieber Zeit, sich zu entscheiden, fragen Sie ihr Kind, ob und bis wann es sich denn entscheiden will. Und zum vereinbarten Zeitpunkt fragen Sie es, ob es sich entschieden hat. Ermutigen Sie es, sich die schönen Dinge des Nichtrauchens und dessen was es stattdessen tun will, auszumalen und in Bildern vorzustellen (das hilft der Körperintelligenz, sich zu entscheiden). Wenn es bei der Entscheidung hilft und vom Kind gewünscht ist, können Sie bis zur Entscheidung wiederholt mit ihm darüber sprechen, emotional aufbauend und in bildhafter Sprache, die die schönen Seiten ausmalt, aber nicht überzeichnet. Dabei kann sogar ein völlig neues freundschaftliches Eltern-Kind-Band entstehen.

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Schlachtplan (optional)

Wenn vom Kind gewünscht, können Sie mit ihm einen Plan der schrittweisen Umsetzung der Entscheidung aufbauen, und sich über jeden kleinen Schritt freuen.Lassen Sie Ihrem Kind hier die Zügel in der Hand, sonst wird es zu Ihrem Plan, und nicht zu seinem.

6
Und nun wünsche ich Ihnen viel Erfolg und Freude, wenn ihr Kind aufhört zu rauchen, und vielleicht eine neue oder tiefere Freundschaft entsteht.

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