Machiavelli im Beruf: Was steckt dahinter und wie weit darf es gehen?

Sein wohl berühmtestes und bedeutendstes Werk schrieb Niccoló Machiavelli, als die Familie Medici zur Machtübernahme nach Florenz zurückkehrte.

Il Principe beschreibt die gängigen Methoden der Politik zur Machtergreifung, -erweiterung und -erhaltung. Der Inhalt dieser Broschüre ist skrupellos, gewissenlos, verantwortungslos – das perfekte Handbuch für Politiker und Geschäftsmänner von heute.

Machiavellis Staatstheorie gelangte auf den Index der katholischen Kirche. Seine Rechnung, mit Medici gemeinsam Staat zu machen, war nicht aufgegangen.

Er hatte sich bei dem zurückgekehrten Herrscher mit Il Principe einschmeicheln wollen. Was heißt das für Machiavelli im Beruf?

Machiavelli im Beruf – eine Frage der Auslegung

Seine Feinde ausschalten, die Bösen immer im Blick haben, souverän und rhetorisch geschult auftreten, sich nicht in die Karten schauen lassen, Kontrolle ausüben, grundsätzlich an jedem zweifeln… machiavellistische Empfehlungen.

Das Machiavelli Prinzip kann auf zwei Arten ausgelegt werden. Denn es kommt darauf an, ob man Il Principe überwiegend präskriptiv oder deskriptiv liest, ob man Anleitungen zu sehr harschen Vorgehensweisen im Kontext der Zeit oder in einem allgemeineren Sinne verstehen möchte. Die persönliche Einstellung des Autors wäscht seinen schlechten Ruf aber rein, auch was Machiavelli im Beruf angeht. Denn seine Ansicht war es, dass ein einzelner Souverän niemals so gut regieren könne wie eine Republik, da er sich mehr von egoistischen Interessen lenken lasse, während die Republik besser auf das Gemeinwohl achten könne. Der echte Machiavelli ist also gar nicht so verabscheuungswürdig, wie sein heutiger Ruf vermuten lässt.

Ganz abseits dieser Staatstheorie, die sich in vielerlei Hinsicht auf die Wirtschaft übertragen lässt, gibt es Ansätze, die von einem positiven Menschenbild ausgehen und auf das Prinzip Vertrauen setzen.

Machiavelli: Prinzip ohne Macht geht nicht auf

Macht muss man wollen. Wer nach oben kam, wollte dahin. Für den einzelnen ist es keine Frage der bestehenden Strukturen, ob er eine Position mit Personalverantwortung und Führungsaufgaben haben wird, er wird je nach individueller Disposition so oder so nach oben streben. Eines darf man nicht vergessen, sowohl der Vorgesetzte als auch der aufstrebende Arbeitnehmer müssen in der Regel Abstriche im privaten Bereich in Kauf nehmen, um beruflich erfolgreich zu sein. Dies ist für jeden eine schwierige Entscheidung, die er zwar selbst zu tragen hat, Sie im Umgang mit ihm aber ebenso zu respektieren haben.

Machtergreifung muss aber nicht immer über Gewalt und Unterdrückung geschehen. Macht erhält auch derjenige, welcher sich durch Souveränität Akzeptanz verschafft. Das ist ein positiver Weg, Macht zu gewinnen. Denn wer zeigt, dass er Kompetenzen besitzt, die er für sich und andere ausspielen kann, dem wird die Führung freiwillig zuerkannt. Wer hingegen keine Kompetenzen hat, der kann nicht anders, als mit Einschüchterungen, Drohungen und Sanktionen zu arbeiten – im Grunde genommen gegen seine Mitarbeiter und nicht für sie. Das ist der Weg der Gewalt, der über Entmündigung und Drangsalierung führt.

In der Staatstheorie dürften beide mehr Souveränität, d.i. durch Verfügung über andere Handlungskompetenzen erhalten, als Resultat haben. Doch wenn Sie Gewalt und amoralische Methoden anwenden, müssen Sie ein gutes Betriebsklima künstlich herstellen oder Boni veranschlagen, welche Ihre Mitarbeiter über Missstände hinwegsehen lassen.

Für den anderen Weg gilt, dass ein natürlich gutes Betriebsklima die Grundlage für Ihre Souveränität ist. In schwierigen Situationen werden Sie eher auf Ihre Mitarbeiter zählen können, da diese das Betriebsklima und Ihre Souveränität schätzen, sich mit dem Unternehmen identifizieren und die Arbeit, das Unternehmen, Ihre Idee sowie Ihre Macht infolgedessen erhalten wollen.

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