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    Start » Maccabees ‚Into the Wild‘: Englands beste Indiepopper sind zurück
    Musik

    Maccabees ‚Into the Wild‘: Englands beste Indiepopper sind zurück

    16. Januar 20124 Minuten Lesezeit

    Schon der sphärische Opener „Given to the wild“, der in einem Guss in „Child“ übergeht, verspricht, was „Wall of Arms“ schon angedeutet hat: die Maccabees verstehen es, die Weiten des Pop so auszuspielen, dass unzählige Soundschichten dennoch leicht und verdaulich klingen und wenn „Child“ dann in die pompöse, instrumentale Klimax aufsteigt, fällt der Stein vom Herzen, den das Jahre-lange Warten auf ein neues Album auf die Brust gelegt hat.

    Given to the Wild: Die Maccabees meißeln sich in die Popgeschichte

    In „Feel to follow“ dürfen auch die schillernden Gitarren, sowie Orlando Weeks Stimme glänzen, man hat sie vermisst, diese Erinnerung an Crooner der 50er Jahre, doch mittlerweile sind diese Songs mehr als nur eine schöne Stimme und einnehmend charmante Melodien, die Engländer um Orlando Weeks, Hugo und Felix White, Rupert Jarvis und Sam Doyle haben sich selbst aus dem hübschen Indiepop heraus gespielt, um nach den Sternen zu greifen und meine Güte, der Griff gelingt.

    Inspiration fand die Band in der Musik von David Bowie und Kate Bush, aber auch Leonard Cohen und Brian Eno wurden in der Vorphase des Albums rauf und runter gehört, was sich in den luftigen, dennoch sehr verwobenen Kompositionen zeigt, die für die Band in diesem Fall aus einem ganz anderen Songwriting Prozess heraus entstanden, als auf den vorigen beiden Alben.

    Die Maccabees basteln im Studio

    Jeder setzte sich dieses Mal alleine hin und sammelte Ideen, diverse Songs fingen über Emails an und wurden erst später zusammen ausprobiert. Auch war es dieses Mal nur zweitrangig, wie sehr sich die Songs für die Bühne eigneten, anstelle einer Momentaufnahme der Liveshows wollten die Maccabees mit „Given to the wild“ ein durchdachtes, rundes Album kreieren, das für sich stehen kann.

    Wie mittlerweile viele Bands, leisteten sie sich dieses Mal auch ihr eigenes Studio (das übrigens vorher Jesus & The Mary Chain gehörte, von ihnen liebevoll „The Drugstore“ getauft), so dass sie nicht auf fest gebuchte Zeiten angewiesen waren, sondern ihre kleinen Konzepte, Sound- und Textfetzen in Ruhe zu einem Ganzen bringen konnten.

    Durch die beiden anderen Alben waren Weeks und Co schon so versiert, was die Produktion anging, dass sie auch große Klang-Experimente unternehmen konnten.
    Die wurden mit sicherer Hand von Produzent Tim Goldsworthy unterstützt, der bereits mit LCD Soundsystem, The Rapture und Unkle zusammen gearbeitet und daher seine Erfahrungen in Sachen frickeliger Elektronik gesammelt hatte.

    Das Albumcover von Andy Goldsworthy

    Manch einem wird das Albumcover bekannt vorkommen, denn kein anderer als der Naturkünstler Goldsworthy steckt dahinter, der metikulös und in langer, harter Arbeit aus Naturmaterialien Muster und Konstrukte erstellt, die mit jedem Windhauch in sich zusammen brechen können. Goldsworthys Kunst ist vergänglich, gerade deshalb jedoch enger mit der Natur – die ja letzten Endes das Vorbild der Kunst ist – verbunden, als viele andere Skulpturen.

    Pop ist schön

    Die Maccabees schaffen es seit ihrem Debüt „Colour it in“ intelligente Popalben zu kreieren, die nicht an Relevanz verlieren und mit jedem erneuten Hören entfalten, wie komplex sie überhaupt sind.
    Mehr noch, sie schaffen es, sich immer mehr von ihren Kollegen abzuheben, sich jenseits der Vergleiche eine eigene Identität aufzubauen.

    „Given to the Wild“ ist dabei – wie sich das gehört – noch ideenreicher und ambitionierter, als seine Vorgänger, ob an die klassischen Maccabees Singles erinnernd, wie in „Pelican“ oder aber wehmütig wie „Slowly One“, der schnell in Bowie-esque Psychedelia abdriftet.
    Was sie mit einem machen, wenn man das Piano-unterlegte „Ayla“ hört, als würde man sich frisch verlieben, es hängt eine ehrlich gemeinte Zuneigung in all ihren Songs, der man sich schwer entziehen kann.

    Sogar eine kleine Ode an die düsteren, leicht gothic-lastigen New Wave Zeiten der 80er findet man im Song „Unknown“, der vielleicht für den bekannten Sound der Band etwas ungewöhnlich scheint, ihnen aber im Rahmen des Albums sehr gut steht.

    Am Ende wird es wieder luftig, „Grew up at midnight“ flimmert sanft, wird von Weeks Stimme getragen, bis er sich in feierliche Höhen hinaufschraubt, so dass die Hörer, ich, wir – mit klopfendem Herzen ins Freie gelassen werden.

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