Laetitia Bohn-Derrien: Ich spreche

Heute noch jung, schön und beruflich erfolgreich, morgen schon ein menschlicher Sarkophag. Ein wacher Geist eingeschlossen in einen nicht mehr funktionsfähigen Körper. Die Hölle. Ein Hirnschlag, der nicht früh genug erkannt wurde, führte bei Laetitia Bohn-Derrien zu einem gespenstischen Zustand: dem so genannten Locked-in-Syndrom. Die Ärzte haben keine Hoffnung, die Überlebenschancen sind gering. Doch Laetitia gibt nicht auf, kämpft nach wie vor durch die Liebe ihrer Familie gestärkt gegen diesen Zustand an und hat es heute so weit gebracht, dass sie wieder zuhause bei ihrem Mann und ihren beiden Söhnen leben kann. Ihr retrospektiver Erfahrungsbericht zeigt auf, wie sie sich als „lebende Tote" gefühlt hat, was für sie wichtig war und wie sie gelernt hat, mit ihrer Trauer um sich selbst, den Reaktionen der anderen auf sie und ihre Behinderung sowie mit den Unzulänglichkeiten ihres Körpers umzugehen. Die Krankheit hat Laetitia Bohn-Derrien schwer gezeichnet. Doch eine erfolgreiche Geschäftsfrau ist sie geblieben. Heute engagiert sich die mutige Französin für die Integration Behinderter in die Arbeitswelt.

Emotionaler als Bauby beschreibt Laetitia Bohn-Derrien ihre Situation. Sie kämpft schwer mit dem Verlust ihrer Würde und das liest man aus jeder Zeile heraus. Die Lektüre dieses Buches ist bedrückend und obwohl die Situation sich ja für die Autorin so verbessert, wie es niemand zu glauben gewagt hatte, so ist Hoffnung nicht wirklich das Gefühl, das beim Lesen vermittelt wird. Es ist mehr ein Verarbeiten von Wut und Trauer, von Enttäuschung und Fassungslosigkeit. Und ein unbändiges Staunen über das, was einzelne Menschen in einer solchen Situation für andere bedeuten können. Interessant sind die immer wieder eingeschobenen kurzen Berichte derjenigen Personen, die den schweren Weg mit der Autorin gegangen sind. Ärzte, Familienmitglieder, Kollegen. Die Szenen werden so zusätzlich in einem anderen Licht beleuchtet und damit authentischer.    

Laetitia Bohn-Derrien: „Ich spreche", erschienen 2006 beim Goldmann Verlag für € 19,95. Aus dem Französischen übersetzt von Gaby Wurster. 

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