Krimi-Kritik: Don Winslows „Missing. New York“

Cover Missing New York

Wer Don Winslows beste Bücher nicht kennt, der könnte “Missing. New York“ als ordentlichen Thriller einschätzen. Leidlich spannend, „flott“ geschrieben, fortsetzungsfähig. Doch an Don Winslow haben Fans und Kritiker eigentlich ganz andere Ansprüche. Als „Muhammad Ali unter den Thrillerautoren hat ihn etwa Elmar Krekeler in der „Welt“ bezeichnet, von „rotziger, lässiger und glasharter Prosa“ schwärmte die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“.

Allerdings endete dien Liebe des deutschen Feuilletons jäh Anfang des Jahres, als Winslow mit „Vergeltung“ einen actionlastigen Söldnerroman ohne die ihn auszeichnenden ironischen Brüche auf den Markt brachte. Auf den deutschen Markt wohlgemerkt, in den USA ist das Buch, das der renommierte Krimiexperte Tobias Gohlis mit einem Landserheft in einen Topf warf, bis heute nicht erschienen.

Das gilt übrigens auch für „Missing. New York“, der erste Roman, der in Deutschland nicht mehr bei Suhrkamp, sondern bei Droemer veröffentlicht wurde. Und von diversen Kritikern gleich wieder verrissen wurde: So hieß es im Blog Krimi-Welt: „Das Elend beginnt bei der Handlung, die nicht nur vorhersehbar, sondern auch noch unglaubwürdig ist.“

Don Winslows „Missing. New York“: Konventionelle Unterhaltung. Mehr nicht. Aber auch nicht weniger

Und da ist etwas dran: Man versteht einfach nicht, warum der Kleinstadtpolizist Frank Decker seinen Job und seine Ehe opfert, um sich auf die Suche nach einem vermissten Mädchen zu machen. Die Obsession des Frank Decker, sie bleibt bloße Behauptung. Die Spur führt den Ex-Cop über diverse Umwege nach New York. Und wären die einem ihm einreden wollen, dass seine Suche keinen Sinn habe, das Mädchen bestimmt längst tot wäre, versuchen andere ihn mit dem Versprechen von Sex und Luxus von der Spur abzubringen. Dass ihn gerade das umso gründlicher nachforschen lässt, gehört ebenso zu den Konventionen des Genres wie die (für den aufmerksamen Leser nicht) überraschende Auflösung.

Ein bisschen wird man den Eindruck nicht los, dass Don Winslow es sich gemütlich gemacht hat. Während er früher wahrscheinlich endlos an seinen koksklaren Sätzen gefeilt hat, wirkt „Missing. New York“ wie ein Schnellschuss. Ob die Rechnung aufgeht, werden die Leser entscheiden. Und die sind mit dem neuen Winslow immer noch besser bedient als mit dem x-ten Schwedenkrimi.

Coverfoto: Verlag

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