Kinder und Religion: Wie man Gott und Glauben erklärt

So sehr sie sich auch davor fürchten, viele Eltern würden wahrscheinlich lieber mit ihren Kindern über Sex reden, als über Religion, denn während Ersteres im hilflosesten Fall rein biologisch erklärt werden kann, ist Letzteres derartig abstrakt, dass es oftmals schwer fällt, dem Kind Glaube und Gott zu erklären, ohne selbst in Glaubenskrisen zu versinken.

Kinder und Religion: auch in einem religionsfreien Haushalt ein Thema

Aber selbst wenn sie Atheist oder Agnostiker sind, sollten Sie das Thema nicht einfach ignorieren, in den meisten Fällen wird das Kind sowieso etwas in der Schule oder woanders aufschnappen und damit auf Sie zukommen, für diesen Fall sollten Sie vorbereitet sein, denn es ist besser, Sie geben ihm eine möglichst objektive und aufgeschlossene Sicht auf das Thema, bevor eingeschränkte, womöglich noch intolerante und menschenfeindliche Theorien von der Außenwelt Ihr Kind beeinflussen.

Im Folgenden finden Sie ein paar Hinweise, wie Sie Kinder und Religion unter einen Hut bringen können.

Hinweis: Dieser Text geht von einem relativ objektiven Religionsverständnis aus, ist also keine Anleitung, ein Kind zu einem bestimmten Glauben hin zu erziehen, oder andere Glauben zu defamieren. Bitte denken Sie daran, dass auch Kinder, die in einem atheistischen oder katholischen Umfeld ihre eigene Entscheidung treffen sollten, da man ansonsten wohl kaum von einer Glaubensfreiheit reden kann.

Kindern Religion erklären:

1

Warum fragt das Kind?

Hat das Kind eine bestimmte Frage zu Religion, informieren Sie sich, in welchem Zusammenhang sie aufgekommen ist, so finden Sie schnell heraus, wo eigentlich der Knackpunkt liegt, denn oftmals fragen Kinder nach Begriffen, um einem größeren Kontext Sinn zu geben. Wenn Sie die Umstände kennen, in denen das Thema überhaupt erst aufgekommen ist, können Sie auch gegenwirken, sollte es etwa in einem negativen Kontext geschehen sein, etwa, wenn eine Religion abwertend erwähnt wurde. So kann es vorkommen, dass ein Kind fragt, was denn Muslime sind, wenn es diesen Begriff in einem rassistischen Kontext gehört hat. Zu wissen, warum ein Kind etwas wissen will, hilft Ihnen auch, heraus zu finden, wie tief Sie in das Thema gehen sollten und eventuell welche grundlegenden Probleme oder Fragen vielleicht dahinter stecken. 

2

Religionsarten erklären – Objektiv bleiben!

Fragt ein Kind nach einer bestimmten Religion, versuchen Sie, diese so objektiv wie möglich zu erklären. Wenn Sie selbst Wissenslücken haben (was verständlich ist, man muss nicht alle Religionen in- und auswendig kennen), dann schlagen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind nach, etwa in Lexika oder im Netz. Erforschen Sie gemeinsam die verschiedenen Religionen, wenn Ihr Kind Interesse zeigt, gehen Sie darauf ein, selbst wenn Sie den bestimmten Glauben nicht teilen. Besuchen Sie Kirchen oder Moscheen, auch in Museen und Ausstellungen findet man viel zum Thema. Vielleicht kennen Sie auch Menschen aus dem Umkreis, die eine bestimmte Religion ausführen, die die Fragen des Kindes besser beantworten können. Achten Sie dabei natürlich darauf, dass nicht plötzlich missionarische Arbeit geleistet wird, es gilt nicht, dass Kind von der ein oder anderen Religion zu überzeugen, sondern vielmehr, ihm die verschiedenen Glauben vorzustellen.

3

Monotheistisch und Polytheistisch

Vergessen Sie dabei nicht, dass es auch Religionen gibt, in denen mehrere Götter verehrt werden, oftmals beschränkt man die Erklärungen – auch, bzw. vor allem im Religionsunterricht – auf die großen monotheistischen Religionen, also Christen-, Judentum und Islam. Es gibt jedoch viele verschiedene andere Glaubensrichtungen, die auch weltweit viel mehr Anhänger haben. Auch hier können Sie sich zusammen mit dem Kind auf die Suche nach Bildern, Texten und anderen Berührungspunkten machen, auch Sie können dabei lernen, da jede Religion auch immer die moralischen und ethischen Grundbausteine einer Gesellschaft in sich trägt. Sehen Sie das Thema Religion als Möglichkeit, den Horizont zu erweitern und ein Gefühl dafür zu bekommen, wie vielfältig die Menschen sind.

4

Gott

Alle Religion enthält einen Gott, aber nicht jeder Gottesbegriff geht mit der Religion einher. Wenn Sie Gott erklären, wird das oftmals sehr schwierig werden, selbst die größten Dichter und Denker haben Schwierigkeiten damit gehabt, denn Gott ist abstrakt und eigentlich nicht vollständig in Sprache zu fassen. Wenn es also nicht um Religionsmodelle geht, sondern Ihr Kind konkret nach Gott fragt, dann ist es Zeit, Ihre persönliche Meinung zu sagen. Was sehen Sie als Gott? Wie manifestiert er sich für Sie? Betonen Sie dabei, dass es Ihre Meinung ist und dass jeder Mensch im Grunde ein anderes Bild und auch eine andere Beziehung zu Gott hat. Auch als Atheist können Sie Ihrem Kind natürlich sagen, dass Sie selbst nicht glauben, dass es einen Gott gibt und erklären, warum. Sollte Ihnen das große Schwierigkeiten bereiten, hilft ein Blick in die Religionsphilosophie, die oftmals ohne religiöse Verbindungen versucht hat, Gott zu erläutern. Platon, Kierkegaard, aber auch Luther haben in ihren Schriften auch Definitionsversuche, die unabhängig von Religion verwendet werden können. 

5

Atheismus

Ob Sie religiös sind oder nicht, das Thema „Atheismus“ sollte definitiv nicht ausgeklammert werden, wenn Kinder und Religion zusammen kommen. Wenn Sie gläubig sind, sollten Sie dabei vermeiden, abwertend zu erklären, denn nur weil Sie nicht diesen „Unglauben“ vertreten, heißt es nicht, dass alle Atheisten falsch liegen oder schlimmer noch, Sünder sind. Atheismus erklären ist eine delikate Angelegenheit, hier empfiehlt sich eventuell auch, atheistische Bekannte heran zu ziehen, die Ihre Ansicht klar machen, denn vielen Gläubigen fällt es schwer, sich eine Welt ohne Gott vorzustellen. Atheisten und Agnostiker sind nicht dasselbe! Während Agnostiker Skeptiker sind, die also nicht konkret an einen bestimmten Gott glauben, aber ihn auch nicht ausschließen, vertreten Atheisten die Ansicht, dass es keinen Gott gibt. Das heißt auch nicht, dass sie ihn leugnen oder den Glauben an Gott nicht annehmen, sie glauben einfach nicht, dass er existiert.

6

Hölle und Sünde

Viele Katholiken, aber auch Juden (nur in Bezug auf Sünde, die Hölle gibt es im Judentum nicht) und Evangelisten können sich aus Kindheitstagen sehr genau an den Religionsunterricht erinnern, wenn es um das Thema der Sünde, der Verdammnis und der Hölle geht. Das ist jedoch oftmals mit eher negativen Assoziationen verbunden. Egal, in welcher Religion, Sünde und Hölle sind Einschränkungen, das Fehlen von Freiheit und vor allem die Verkörperung der Angst. Man kann die moralischen Standpunkte von Religion auch ohne Androhung von Strafe erklären und vermitteln, es braucht keinen Teufel, um Respekt vor den Eltern o.Ä. beizubringen. Sollte Ihr Kind also nicht konkret darauf ansprechen, versuchen Sie erst einmal, diese Themen auszuklammern, da Kinder – so oft Sie auch betonen mögen, dass es die Hölle nicht gibt – eher an den grausigen Details hängen bleiben und sich darüber unnötig lange den Kopf zerbrechen. Sollte Ihr Kind das Thema selbst ansprechen, versuchen Sie es so zu erklären, dass ersichtlich ist, dass es nichts ist, wovor Ihr Kind Angst haben muss und dass Teufel als auch Hölle sicherlich keinen Zutritt für Kinder erlauben. Selbst wenn Sie an diese Konzepte glauben, Ihr Kind sollte nicht durch Angst an Gebote und moralische Grundsätze heran geleitet werden, sondern vielmehr durch den Willen, Gutes zu tun, die Kenntnis, dass eine Hölle existieren könnte, ist da kontraproduktiv.

7

Vorbereitung und Selbstreflektion

Viele Eltern bereiten sich so gut wie nie auf die Frage nach Glaube und Gott vor, aber es ist gar nicht so schlecht, es zu tun, denn dies ist ein mehr als persönliches Thema, das Sie auch zwingen wird, Ihren eigenen Glauben zu reflektieren, vor allem, wenn Sie um ehrliche Antworten bemüht sind. Natürlich ist es äußerst schwer, sich vorher zu überlegen, welche Fragen Ihr Kind stellen wird, denn wie Kinder so sind, können das teilweise für Sie persönlich völlig irrelevante Fr
agen sein. Aber solange Sie wissen, woran Sie glauben oder nicht glauben, können Sie viel eher antworten, ohne das Kind zu verwirren.

8

Respektieren Sie die Meinung Ihres Kindes

So schwer es auch ist, ermöglichen Sie Ihrem Kind ein Umfeld, in dem es frei entscheiden kann, ob es nun einer Religion eher zusagt oder nicht. Kein Kind sollte zu einem Glauben gezwungen werden, selbst wenn Sie in einem streng gläubigen oder vollkommen atheistischen Haushalt aufgewachsen sind, sollten Sie versuchen, Ihrem Kind keine Meinung aufzuzwingen, denn letzten Endes ist das eine sehr persönliche und individuelle Entscheidung, die erzwungen nur zu unterdrückten Problemen führen kann. Sie tun sich oder Ihrem Kind keinen Gefallen, wenn Sie andere Glaubenssysteme als minderwertig oder sogar sündig darstellen, damit kreieren Sie nur eine eingeschränkte Weltsicht, die später zu vielen Vorurteilen und Barrieren zwischen den Menschen führen kann. 

9

Nach dem Gespräch

Verfolgen Sie das Thema auch nach den Gesprächen und seien Sie offen für Folgefragen. Nicht alle Kinder artikulieren komplexe Gedankengänge, wenn Sie mit etwas beschäftigt sind. Je älter sie werden, desto verschlossener können sie gerade mit derartig persönlichen Themen wie Religion werden. Achten Sie daher darauf, dass Ihr Kind weiß, dass es vorbehaltlos auf Sie zugehen kann und seine Meinung und Fragen ohne Vorhaltungen offen legen kann. Selbst, wenn Sie bei bestimmten Themen nicht weiter wissen, sollten Sie diese nicht ausklammern, sondern vielmehr zusammen mit Ihrem Kind auf die Suche nach einer Antwort gehen. Bleiben Sie dabei immer offen und aufmerksam. 

2 Meinungen

  1. Hallo Juliane,
    vielen Dank für die ausführliche Erklärung! Ich habe auch schon festgestellt, wenn man den Kinden nur Bruchteile gibt, dann kommen sie mit ganz vielen Ideen, schaffen sich irgendwie ihren eigenen Glauben.
    Ich glaube, dein Beitrag wird vielen Eltern helfen.
    Grüße!

  2. Hallo Juliane,
    vielen Dank für die ausführliche Erklärung! Ich habe auch schon festgestellt, wenn man den Kinden nur Bruchteile gibt, dann kommen sie mit ganz vielen Ideen, schaffen sich irgendwie ihren eigenen Glauben.
    Ich glaube, dein Beitrag wird vielen Eltern helfen.
    Grüße!

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