Jugendroman über Magersucht: Laurie Halse Anderson ‚Wintermädchen‘

Cassies lebloser Körper wird im Zimmer eines Motels aufgefunden. Sie war alleine, als sie starb. Vor ihrem Tod hat sie über 30 Mal versucht, Lia zu erreichen. Aber Lia ist nicht rangegangen.

Die traurige Geschichte vom „Wintermädchen“

Der Ursprung der Geschichte der beiden Mädchen liegt in einem Versprechen in einer Silvesternacht: Sie wollen die dünnsten Mädchen der Schule werden. Von da an ist beider Leben bestimmt vom Kalorienzählen. Davon, dass niemand außer ihnen selbst sah, wie dick, nein, wie fett sie waren. Wie fett sie sich fühlten und das, obwohl ihre Körper wie aus Glas schienen, durchsichtig, zerbrechlich. Cassie stirbt an der Krankheit bzw. ihren Folgen, und Lia bleibt zurück. Mit all den Vorwürfen, den Zweifeln, der Angst und mit ihrem Hunger. Cassies Tod löst eine weitere Abwärtsspirale bei dem Mädchen aus. Und als ihr dann auch noch ihr Geist erscheint und ihr klarmacht, dass er auf sie wartet, findet auch Lia kaum mehr Anschluss ans Leben. Sie lügt und betrügt, wenn es um ihr Gewicht geht und sie ist drauf und dran zu verhungern…

Jugendroman versucht über Magersucht aufzuklären

Zehn Prozent aller Magersüchtigen sterben an ihrer Krankheit, weitere 30 Prozent können nie wirklich davon geheilt werden. Ein Thema, das von Laurie Halse Anderson in diesem Jugendroman auf eine ganz besondere Art angegangen wird. Sie berichtet aus Lias Sicht, vom Alltag mit dem Verstecken, von ihren Gefühlen und ihren Erlebnissen in den Kliniken: „Als sie mich zum zweiten Mal stationär aufnahmen… Als sie mich zum zweiten Mal einsperrten, ging es mir sehr, sehr, sehr schlecht. Und meine Eltern wurden sehr, sehr, sehr sauer. Tote, verfaulende Töchter hinterlassen einen widerlichen Geruch, der nicht mehr weggeht, egal wie sehr die Putzfrau schrubbt. Dad und Mom schoben sich abwechselnd die Schuld zu und schoben damit auch Bohnenstange Lia, die kranke, verhungernde Bohnenstange Lia, hin und her, was stimmt bloß nicht mit ihr, das ist alles deine Schuldschuldschuld.“ Besonders beeindruckend ist das Stilmittel des Streichens, das die Autorin verwendet, um zu zeigen, wie es dem Mädchen wirklich geht. Sie denkt, sie schreibt, sie streicht durch und verbessert. Auf diese Weise erfährt man mehr über die Abgründe der Krankheit, über Lias Leiden und Cassies Teil daran. Ein Jugendroman, der unter die Haut geht. Und ein Jugendroman, der befremdlich ist, fast schon Angst macht.

Es gibt viele Bücher zu diesem brisanten Thema und es gibt zahlreiche Seiten im Netz, von denen nicht wenige die Magersucht verherrlichen, die Mädchen sich in Foren dabei unterstützen, noch weniger zu essen und noch mehr durchzuhalten. Dieses Buch versucht genau da anzugreifen, wo das Übel steckt, versucht, die Mädchen in ihrem Inneren zu treffen. Sie werden sich selbst vorgeführt und sie bekommen einen Weg aufgezeigt, der aus dem Hungern nach Liebe herausführen könnte und aus den seelisch und körperlich kranken Wintermädchen wieder Sommerkinder macht.

Laurie Halse Anderson: „Wintermädchen', erschienen bei Ravensburger im Juli 2010 für 7,99 Euro.

2 Meinungen

  1. Das Buch ist wirklich toll. Ich habe es bereits zweimal gelesen und ich schließe ein drittes Mal nicht aus. LG, Hannah

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