Jetzt im Kino: „Zwei Tage, eine Nacht“, ein Meisterwerk mit Marion Cotillard

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Der Titel klingt ein bisschen nach romantischer Komödie, aber keine Sorge: „Zwei Tage, eine Nacht“ ist weder schmalzig noch zum Lachen. Vielmehr setzt sich der neue Film der vielfach preisgekrönten Dardenne-Brüder mit den Härten des Kapitalismus auseinander – allerdings ohne erhobenen Zeigefinger.

Hauptfigur des Films ist Sandra, die nach langer Krankheit zurück in ihren Job in einer Fabrik für Solaranlagen möchte, aber zuvor erfährt, dass man künftig auf sie verzichten möchte. Man hätte sogar eine Wahl unter ihren Kollegen durchgeführt, die sich entscheiden konnten: Entweder sie bekommen 1000 Euro Prämie, oder Sandra kann bleiben. Auch dank der Einschüchterungen des Vorarbeiters fiel das Ergebnis erschreckend eindeutig aus: 14 von 16 Kollegen entschieden sich für die Prämie, nur zwei zeigten sich mit der jungen Mutter solidarisch.

Als Sandra davon erfährt, ist sie völlig fertig, die Depression, die sie gerade besiegt zu haben glaubte, hat sie wieder voll im Griff. Erst ihr Mann kann sie halbwegs dazu motivieren, noch einmal zu versuchen, die Kollegen umzustimmen. Bis zu zweiten Abstimmung am Montag muss Sandra es schaffen, die Mehrheit ihrer Kollegen umzustimmen. Doch viele von ihnen haben gute Gründe (oder Ausreden), warum sie auf die Prämie nicht verzichten können…

Der Kapitalismus frisst seine Kinder

„Zwei Tage, eine Nacht“ ist eine absolute Ausnahme im aktuellen Kino: ein Film, sehr ruhig erzählt, ohne künstlich aufgebauschte Gefühle (zum Beispiel ohne Musik, außer sie läuft im Radio), ohne großes Drama und gerade deshalb wesentlich packender als vergleichbare Dramen aus den USA (davon abgesehen, dass man sich dort dieses Themas eher nicht so gern annimmt). Getragen wird der Film durch die großartige Leistung von Marion Cotillard, die der anfangs somnalbulen Sandra eine unglaubliche Präsenz gibt.

Am Ende wird Sandra, die ihren Kollegen eine wichtige Entscheidung abverlangt hat, selbst eine Wahl treffen müssen. Und wir werden aus dem Kino mit der Erkenntnis entlassen, dass der Kapitalismus zwar seine Kinder fressen mag, wir aber darüber entscheiden können, ob wir auch unsere Mägen so füllen wollen.

Aufmacherbild Screenshot Homepage http://www.zweitage-einenacht.de/

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