Hardcore, Emo, Grind- und Mathcore: so hält man die Hardcore Genres auseinander

Am Anfang war der Punk, der manchen tatsächlich noch zu lasch war, weshalb die eh schon zackigen Songs noch schneller, aber auch härter gespielt wurden.

Gesang war für Weicheier, stattdessen wurde einfach nur gebrüllt, was nicht zuletzt der Unzufriedenheit einer Generation entsprach, die erkannte, dass die 68er Bewegung rein gar nichts hatte ändern können und sich im Disco der 70er und 80er hedonistischem Schein hingab.

Hardcore Underground

Gespielt wurde überall, in Kellern, Garagen, Schulen, alten Industriegebäuden – sobald man sein Equipment und ca. 50 Leute rein gequetscht bekam, wurde die Show gestartet, mit oder ohne Genehmigung. Bis heute ist Hardcore eigentlich Underground, denn so berühmt wie diverse Punkbands sollte keine Hardcore Band werden, dafür sind jedoch Bands wie Black Flag oder die Circle Jerks für spätere, härtere Musik im Alternative Bereich maßgebliche Inspiration, vielleicht sogar mehr als die klassischen Punkbands.

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In den 80ern – also nur einige Jahre nachdem sich der Hardcore entwickelt hatte – gab es diverse Bands, denen die teilweise stümperhafte musikalische Umsetzung auf den Zeiger ging und die sowohl in der Songstruktur, als auch in den instrumentalen Anforderungen mehr experimentieren wollten. Wut und Text sollten nicht mehr die Musik in den Hintergrund rücken. Der Postcore war geboren und mit dem Postcore kam ein Wasserfall an unterschiedlichsten Genres – darunter auch Emocore – die heutzutage selbst für Musiknerds unüberschaubar erscheinen.
Die wohl stilistisch einflussreichste Band war Fugazi aus Washington, die als eine Art John Cage der Hardcore Szene mit etlichen Stilen, Rhythmen und musikalischen Spielereien experimentierten und daher den Postcore als eines der Genres definierten, dass sich nur leidig definieren lässt.

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Emocore

Emotional Hardcore ist eine sehr Melodie-verliebte Version des Postcore, die Mitte der 80er auftauchte, später durch Bands wie Fallout Boy etwas in Verruf geriet, schlussendlich aber nur einen Fokus vom Punk weg zum Indie hin beschrieb, so dass viele Bands des Genres, die um die 90er herum entstanden in beiden Fankreisen zu Hause waren. Auch wenn der Fokus von MTV eher auf Bands lag, die Teenies für sich begeistern konnten, sind auch heutige Emo Bands mehr als nur hübsche Frisuren und blasse Gesichter, wie etwa The Spirit that Guides Us aus Holland beweisen.

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Screamocore und Metalcore

Aus den Emobands der späten 90er (u.A. Hot Water Music) entwickelten sich später auch die Screamo-Bands, die sehr melodiöse Strophen mit am Punk angelegten Shouts und Screams in den Refrains vermischten. Mehr als Überbegriff für quasi jede Band, die irgendwie mal im Song schreit, während auch gesungen wird, hat das Screamo Genre wieder härter zugepackt, als die Emocore Bands und ähnelt dabei nicht selten in bestimmten stilistischen Mitteln, etwa den Gitarrenriffs, den Metallbands, weshalb dicht damit verbunden auch der Metalcore liegt, der abgesehen vom Gesang dicht am Metal anlehnt, dafür aber energische Vocals beinhaltet und mit Breakdowns arbeitet (die besonders schön sind, wenn dazu langhaarige Headbanger abgehen).

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Grindcore

Grindcore ist eigentlich genauso alt wie Postcore und kann wahrscheinlich auch da hinein gezählt werden. Dem Namen entsprechend (grind – mahlen) beinhaltet die Musik übersteuerte, sehr schnell spielende Gitarren und auch Vocals und liebt die Breakdowns, die meistens ausschließlich in Growls (also tiefem Gegröhle) oder in hohen Screams, oft auch im Wechsel wirken. Eine der ersten Bands war Napalm Death, die besonders in den späten 80ern und 90ern auch Beachtung der Medien bekam. Durch die musikalischen Anforderungen und das Tempo verlangt Grindcore technische Spitzenleistung von den Musikern, die leider immer wieder ob des scheinbar konfusen Sounds unterschätzt werden.
Aus dem Grindcore entstanden auch später so absurde Genrebegriffe wie Porncore oder Gorecore, die rein textlich eher grenzwertig, teilweise aber auch hoch-ironisch die Tabuthemen behandelten.
Eine der wohl interessantesten Grindcore Bands dürften The Locust sein, die eigentlich ein Mix von Grind- und Mathcore sind und hoch experimentell, als auch verstörend musizieren.

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Mathcore

Anscheinend aus dem Mathrock entstanden und von Bands wie Converge oder the Dillinger Escape Plan angeführt, ist Mathcore genauso aggressiv wie die anderen -Core Genres (mit Ausnahme von Emo), spielt jedoch oftmals mit rhythmischen Erwartungen. Wer mit Frank Zappas Werken vertraut ist, wird hie und da Einflüsse erkennen, da die Abfolgen von Tonleitern oder ein und desselben Riffs, immer schneller gespielt an die komplizierten Kompositionen des Altmeisters erinnern. Eine der besten Bands dieses Genres dürften die leider 2010 aufgelösten The Number 12 Looks Like You sein. Anhören und beeindruckt sein:

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Tanz-Zusatz: Moshen, Circlepit und Two step

Gerade zu dieser Musik eignen sich reguläre Tanzarten nur bedingt, während beim Metal eher Headbanging beliebt ist, Moshen jedoch weniger gern gesehen wird, neigt die -Core Szene zu intensiven Moshpits (ähnlich ihrer Hardcore und Punk Wurzeln). Der Moshpit selbst ist dabei ein meistens vorderer Bereich der Bühne, in dem ausgiebig gegeneinander gehüpft wird, man kann es quasi als eine Art menschlichen Autoscooter sehen. Wer Moshpits vermeiden möchte, dem sei die Seite der Bühne empfohlen (der Mosher liebt das Zentrum der Aufmerksamkeit) oder er stellt sich einfach hinter einen 2 Meter großen, unbeugsamen Metalhead.
Beim Circlepit – der mit äußerster Vorsicht zu genießen ist – ensteht dem Namen entsprechend ein Kreis, in dem die Beteiligten so schnell wie möglich rennen und teilweise moshen. Manchmal wird die Richtung gewechselt, in allen Fällen ist es ein merkwürdiges und auch risikoreiches Unternehmen, dass sicherlich viel Adrenalin ausschüttet, aber auch gerne zu Platzwunden führt.
Der Two-Step hingegen ist ein sehr sympathischer, für Außenstehender kurios erscheinender, Einzeltanz, der ohne Moshen viel Energie frei lässt. Manch einer reißt dabei zwar die Beine hoch und wirbelt mit dem Armen so um sich, dass im Umkreis von 2 Metern kein Auge heil bleibt, aber in den meisten Fällen ist der Two Step die freundliche Variante des Tanzens zu -Core Genres aller Arten. Wer dennoch den starken Max markieren möchte, der wird – ähnlich wie der Herr im weißen Shirt im Video – vom Aufsichtspersonal gebeten, das Etablissement zu verlassen.

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