Fernando Pessoa: Zitate und Porträt des Autors

Fernando Pessoa ist eine der eigentümlichsten literarischen Personen und sein Werk ist voller Zitate, die sich auf das Leben, die Kultur und die Philosophie beziehen. Ein Grundgedanke beschäftigt sich nicht nur im „Buch der Unruhe“ – einer Sammlung von Tagebucheinträgen, Notizen, Gedichten und Gedanken – mit dem Vorgang des Denkens selbst, das für den portugiesischen Autor vor allem dann funktioniert, wenn man nicht denkt. Weitere Fernando Pessoa Zitate sind dem Glück, dem Leben und der Liebe gewidmet und finden sich ebenfalls in der folgenden kleinen Zusammenstellung.

Auch Pessoas Arbeitsweise ist hochinteressant: Mit über 80 sogenannten Heteronymen schrieb er unter Pseudonymen, die als vollwertige Charaktere mit ausgefeilter Biografie auftraten und alle einen eigenen Schreibstil hatten. Die bekanntesten drei von ihnen sind Alberto Caeiro, Álvaro de Campos und Ricardo Reis, die das mehr als 25.000 Seiten umfassende, zu Lebzeiten unveröffentlichte Werk anführen, das derzeit von der portugiesischen Nationalbibliothek gesichtet und sortiert wird.

Wenn nicht anders angegeben, sind die hier aufgeführten Fernando Pessoa Zitate aus seinem „Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares“, das erst 47 Jahre nach seinem Tod an einer Leberzirrhose in Lissabon erstmalig erschien.

Fernando Pessoa Zitate: hier ein Überblick!

1

Leben

Das Leben verfolgt uns wie unser eigener Schatten. Nur wenn alles Schatten ist, ist kein Schatten. Das Leben verfolgt uns nur dann nicht, wenn wir uns ihm ausliefern.

2

Denken

Denken heißt zerstören. Der Denkvorgang opfert den Gedanken, denn Denken heißt auseinandernehmen.

3

Wissen

Der Ursprung der Wissenschaft liegt im Wissen, daß wir nichts wissen. (aus: Die Stunde des Teufels)

4

Freiheit

Die Freiheit spürt nicht, wer nie unter Zwang gelebt hat.

5

Vernunft

Die Vernunft ist der Glaube an etwas, das man ohne Glauben verstehen kann; doch bleibt es immer noch ein Glaube, denn verstehen setzt voraus, daß es etwas Verstehbares gibt.

6

Fühlen

Die Welt gehört dem, der nicht fühlt. Die Grundvoraussetzung, um ein praktischer Mensch zu werden, ist ein Mangel an Sensibilität.

7

Zukunft

Die Zukunft ist ein Nebel, der uns einhüllt, und kaum erkennen wir das Morgen, schmeckt es nach dem Heute.

8

Glück

Es gibt kein Glück ohne Wissen. Aber das Wissen vom Glück bringt Unglück; denn sich glücklich wissen heißt wissen, daß Glück Zeit ist und daß Zeit unweigerlich vergeht.

9

Lesen

Lesen heißt durch fremde Hand träumen.

10

Lieben

Lieben ist ewige Unschuld und die einzige Unschuld ist: nicht zu denken. (aus: Alberto Caeiro – Dichtungen)

11

Mystik

Meine Mystik besteht im Nichtwissenwollen.
Sie heißt: leben und nicht daran denken. (aus: Alberto Caeiro – Poesias)

12

Stolz und Eitelkeit

Stolz ist die emotionale Gewißheit eigener Größe. Eitelkeit ist die emotionale Gewißheit, daß andere diese Größe an uns wahrnehmen oder uns zuschreiben.

13

Sehen

Was wir sehen, ist nicht, was wir sehen, sondern was wir sind.

14

Grübeln

Über den inneren Sinn der Dinge grübeln
Ist so müßig wie an die Gesundheit denken
Oder ein Glas zum Quellwasser tragen. (aus: Alberto Caeiro – Poesias)

15

Philosophie

Ich habe keine Philosophie, ich habe Sinne …
Rede ich von der Natur, so nicht, weil ich weiß, was sie ist,
Sondern weil ich sie liebe, und darum liebe ich sie;
Denn wer liebt, weiß niemals, was er liebt,
Noch warum er liebt oder was lieben ist … (aus: Alberto Caeiro – Poesias)

16

Wahrheit

Sich nichts unterwerfen, keinem Menschen, keiner Liebe, keiner Idee, jene distanzierte Unabhängigkeit wahren, die darin besteht, weder an die Wahrheit zu glauben, falls es sie denn gäbe, noch an den Nutzen, sie zu kennen – dies, scheint mir, ist die rechte Befindlichkeit für das geistige, innere Leben von Menschen, die nicht gedankenlos leben können.

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