Familien im Stress: Darum sind Mütter heute erschöpfter als früher

Deutschlands Mütter und Väter sind am Limit. Immer wieder lesen wir, dass Familien an die Grenzen ihrer Kräfte stoßen. Viele Kinder – so scheint es – tanzen vergnügt auf den Nasen ihrer Eltern herum. Diese suchen ob ihrer Ratlosigkeit Hilfe in Büchern wie „Die kompetente Familie: Neue Wege in der Erziehung“ und „Was Familien trägt: Werte in Erziehung und Partnerschaft“, die beide aus der Feder des dänischen Erziehungsberaters Jesper Juul stammen.

In einem Interview mit der Frauenzeitschrift „Brigitte“ erklärt Diplom-Pädagogin Friedericke Otto, warum immer mehr Familien an ihre Grenzen stoßen: „Meistens sind es zuerst die Mütter, die völlig ausgebrannt sind, dann gerät die ganze Familie in den Sog. Die Kinder reagieren verunsichert, das Paar verliert den Kontakt zueinander. Der Vater fühlt sich von seiner Frau nicht mehr als Mann wahrgenommen und in seinen Bemühungen nicht wertgeschätzt. Das Reden miteinander wird dann immer schwerer. Ein Teufelskreis, der noch mehr Stress in die Familie trägt.“

Die Stabilität der Mütter hält Familien – doch gerade die heutigen Mütter sind erschöpft und kraftlos. Viele befinden sich kurz vorm Burnout.

Friedericke Otto: „Mütter sind erschöpfter und häufiger von Zukunftsangst geplagt als noch vor zehn Jahren. Sie fragen sich: Wie soll ich das alles schaffen? Wo landen meine Kinder mal? Was wird aus meiner Ehe? Wovon sollen wir leben? 20 Prozent aller Mütter sind so fertig, dass sie Behandlung brauchen. Und weitere 30 Prozent sind zwar nicht pathologisch erschöpft, aber sie fühlen sich kurz vorm Zusammenbruch.“

Früher waren es die alleinerziehenden Mütter, die sich Hilfe suchten und in Mutter-Kind-Kliniken ihre Kraftakkus aufluden. Doch inzwischen betrifft es auch die verheirateten Mütter. „Neu ist, dass immer mehr gut ausgebildete verheiratete Frauen Unterstützung suchen. Und auffallend ist, dass insgesamt die Zahl der Frauen mit geringer Erziehungskompetenz gestiegen ist“, sagt Diplom-Pädagogin Otto.

Ein Problem, das schlimme Folgen nach sich ziehen kann. Denn diejenigen, die nach dem „Zufallsprinzip“ erziehen, können sich laut Friedericke Otto später nicht durchsetzen, wenn die Kinder größer werden, weil den Kindern nie Grenzen gesetzt wurden. Otto weiter: „Außerdem ist das Wohnumfeld oft nicht kinderfreundlich, so dass Kinder ständig beaufsichtigt werden müssen.“

Wenn man sich die heutigen Eltern ansieht, haben Außenstehende und all die, die noch keine eigenen Kinder haben, oft den Eindruck, dass die Eltern nicht nur erschöpft, sondern auch völlig überfordert sind. Und es scheint, als wäre das Elternsein anstrengender geworden.

„Das Leben hat sich total verändert. Noch vor 20, 30 Jahren heirateten Frauen, bekamen Kinder und blieben zu Hause, und wenn der Nachwuchs aus dem Gröbsten raus war, kehrten sie vielleicht zurück in einen Job. Heute gibt es immer mehr Alleinerziehende, 80 Prozent der Mütter sind berufstätig“, erklärt Friedericke Otto in der Brigitte.

Das vollständige Interview mit der Erziehungsexpertin können Sie in der Brigitte (04/2014) auf Brigitte.de nachlesen.

Foto: Thinkstock, Stockbyte, Stockbyte

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