Emanzipation ist nicht gleich Feminismus: Der kleine Unterschied der Begriffe

Während die Feministen (zumindest unter diesem Titel) kaum älter als 200 Jahre und ein paar Zerquetschte sind, wurde sich schon seit den Griechen emanzipiert, die semantische Aufklärung bietet ein Blick auf die Wortherkunft.

Feminismus – Women only

Aus dem lateinischen „femina“, also „Frau“ abgeleiteten Wort kommt dieser Begriff, der von Charlies Fourier zum ersten Mal legitim verwendet wurde. Dieser wunderbare Mann war nämlich der Meinung, dass die Gesellschaft nur dann Fortschritte erlangen könne, wenn auch die Frauen sich weiter befreien könnte. Mit dieser Befreiung war vor allem das Erlangen der gleichen Rechte und die Akzeptanz in der Gesellschaft gemeint. Auch wenn die erste große Welle des Feminismus erst im 18./19. Jahrhundert statt fand, gab es also schon 100 Jahre früher Stimmen für die Frau.

Die ersten beiden Wellen des Feminismus (um die Jahrhundertwende herum und in den 60ern) trugen viel zur Selbstbestimmung der Frau bei und schafften Wahlrecht, Gleichberechtigung (nun ja, zumindest in der Theorie) und sorgten für ein neues Selbstbewusstsein. Das allerdings vorwiegend nur für die weiße Mittelklasse, was die dritte Welle, die in den 80ern erfolgte, heftigst kritisierte. Dort wurde das Emanzipieren dann auch für Lesben und diverse ethnische Herkünfte angegangen. Dieses Aufbegehren des weißen Mittelstandes ist übrigens ein häufig verbreiteter Trend der westlichen Gesellschaft, der meistens erst Jahrzehnte später das Aufbegehren der weniger begünstigten Minderheiten nach sich zieht.

Emanzipation – Jeder ist frei

Das lateinische „Emancipare“ bedeutet soviel wie einen Sklaven oder auch ein Kind durch das Handauflegen von den Zwängen zu befreien, so dass sie eigenständig leben können und frei sind. Da es damals nicht anders akzeptiert wurde, verlangte es also noch den guten Willen des Herren oder Vaters. Doch in diesen aufregenden Jahren des 17. Jahrhunderts wollten die Unterdrückten das nicht mehr einsehen und verwendeten die „Emanzipation“ als Begriff, um sich selbst zu befreien, was sich im Laufe der Geschichte auch häufiger als erfolgreicher heraus stellen sollte, als das Hoffen auf die Güte von Menschen, die davon ausgingen, dass sie andere Menschen besitzen durften.

Emanzipieren kann sich also jeder, der unterdrückt wird, selbst ein rebellischer Teenager kann sich demnach von seinen Eltern emanzipieren, aber auch Randgruppen arbeiten oft daran, um den gesellschaftlichen Zwängen zu entkommen, die jedwede Andersartigkeit verdammen. Der Drang nach Freiheit steckt nun einmal in uns und lässt sich nicht so leicht heraus operieren.

Natürlich hat der Feminismus viel mit Emanzipation zu tun, weshalb das Wort „Emanze“ nicht selten von ignoranten Machos als Schimpfwort gebraucht wird, was nicht nur merkwürdig ist, sondern meistens auch von dem Missverständnis zeugt, dass es sich hierbei einzig und allein um Feminismus handelt (wobei es selbst dann obskur ist, dass die Selbstbestimmung der Frau naserümpfend kommentiert wird). Also liebe Machos: Wenn ihr demnächst gehässig werden wollt, dann spart euch das „Emanze“, denn solange ihr nicht immer noch bei Mutti wohnt, seid auch ihr – zumindest ein Stück weit – emanzipiert. Wenn wir Feministinnen uns schon beleidigen lassen müssen, dann doch bitte semantisch stimmig.

Weiterführende Links:

http://www.emma.de/index.php?id=dritte_welle_2008_3

[youtube CmOrWG2FTbg]

3 Meinungen

  1. Peter Bosshard

    Emanze wird von bösen Männern, Machos, meist alt und mit stattlichem Bierbauch ausgestattet, in der Regel rechtsradikal, xenophob und frauenfeindlich sowieso und damit leicht als Mängelwesen identifizierbar, tatsächlich als Schimpfwort benutzt. Sofern Emanze eine emanzipierte Frau bezeichnen soll, ist die Verwendung als Schimpfwort wirklich unangemessen. Hier bin ich ganz Ihrer Meinung. Ein mit bebender Stimme rausgepresses „Feministin“ genügt vollauf, um der Ablehnung Ausdruck zu verleihen. Und wenn Sie sich nochmals derart abwertend über Antifeministen äussern sollten, das sag ich das meiner Mutti!

  2. Männer sind nicht stubenrein

  3. Feminismus kommt von Feminin sowie Nationalismus von National. Das Letztere bedeutet Fremdenhass (alles was nicht national ist), und das Erstere muss demnach Männerhass sein (alles was nicht feminin ist). Als ich in den 70er Jahren ein Kind war, hörte den Begriff „Feministin“ nie. Da sprach man von emanzipierten Frauen.

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