Die Kita als Bildungseinrichtung – nur eine Theorie?

In Mareikes erster Kita beschränkte sich die Elternarbeit darauf, die Eltern zu Arbeitseinsätzen im Garten zu bitten. Ansonsten hatten die Eltern ruhig zu sein. Elternvertretern wurde verboten, mit anderen Eltern zu reden, auch wurden ihnen jegliche relevanten Informationen vorenthalten. Viele gute und eigenständig denkende Erzieherinnen wurden weggemobbt, weil sie kritisch waren.
Wie soll eine Kita unter diesen Umständen kontinuierliche Arbeit gewährleisten, wie einen Bildungsauftrag erfüllen?

Unter anderem deswegen wechselten wir die Einrichtung. Mit ihrer neuen Kita waren wir anfangs sehr zufrieden. Bis auch hier, übertrieben gesprochen, aus einer funktionierenden Gruppe vorsätzlich ein Sanierungsfall gemacht wurde. Ich weiß gar nicht mehr, womit es anfing: damit, dass ständig Erzieher/-innen ausgewechselt wurden oder damit, dass die geniale und äußerst beliebte Vorschulgruppe ersatzlos abgeschafft wurde, weil die anderen Erzieherinnen neidisch waren und auch mit den großen Kindern arbeiten wollten?
Das angebliche Konzept der Kita, die in der Vorschulgruppe gemachte Arbeit innerhalb der altersgemischten Gruppen ausgleichen zu wollen, war nicht überzeugend und hat nie auch nur ansatzweise funktioniert.
Elternvertreter wurden wieder einmal so lange hingehalten, bis sie entnervt aufgaben. Die Kitaleitung war nicht bereit, den Betreuungsschlüssel für die Gruppe bekannt zu geben. Nach monatelangen Kämpfen stellte sich dann heraus, dass die 3 anderen Gruppen der Kita zuviel, unsere aber zu wenig Betreuungsstunden hatte. Geändert wurde nichts.

Seitdem rätsle ich, woran es liegt, dass auch die Kitas anscheinend mehr mit sich selbst als mit ihrer originären Aufgabe befasst sind. Es könnte ein strukturelles Problem sein. Für die zahlreichen freien Träger sind die Kitas ein Wirtschaftsfaktor geworden. Je größer der Träger, umso mehr Hauptamtliche gibt es, die Anträge schreiben, Gelder besorgen und sonstige Verwaltungstätigkeiten machen. Und die mit allen Mitteln versuchen, ein größeres Stück vom Kuchen abzukriegen. Wenn dann die engagierten Mitarbeiter der ersten Stunde aufhören ist es nahezu unmöglich, sie durch neue Leute mit genausoviel Herzblut zu ersetzen. Irgendwann fürhrt die Summe vieler kleiner Verschlechterungen dazu, dass die Reibungsverluste so groß sind, dass die Arbeit leidet.
Ein Wirtschaftsunternehmen am freien Markt hätte nun ein massives Problem. Ein freier Träger nicht unbedingt. Es gibt ja nicht weniger Geld, nur weil die Qualität der Bildung nachgelassen hat.
Die Frage, wie man im Bildungsbereich Qualität wirklich definiert, misst und sicherstellt werfe ich hier in den Raum. Ich glaube, es gibt Fachleute, die sich damit auskennen. Mir scheint aber, dass die nicht da arbeiten, wo ihre Arbeit gebraucht wird.

4 Meinungen

  1. .Einspruch: Eine Kita ist KEINE Bildungseinrichtung. Guck mal ins Gesetz. Zuständig ist entsprechend auch nicht das Kultusministerium, sondern das Sozialministerium..Fraglich ist allerdings, ob es eine Bildungseinrichtung sein sollte. Darüber lässt sich diskutieren….

  2. Sozialministerium? Die befassen sich doch mit Atomkraftwerken, oder?In Schleswig-Holstein zumindest.In Berlin gibt es jedenfalls dasGesetz zur Förderung von Kindernin Tageseinrichtungen und Kindertagespflege(Kindertagesförderungsgesetz – KitaFöG)Vom 23. Juni 2005.Und im §1 Abs. 1 Satz 1 steht:Tageseinrichtungen ergänzen und unterstützen als sozialpädagogischeBildungseinrichtungen die Erziehung des Kindes in derFamilie durch eine alters- und entwicklungsgemäße Förderung.

  3. .Da ist Berlin tatsächlich schon ein Stück weiter. Glückwunsch dazu. Nur hat das auch zu strukturellen Änderungen geführt?.

  4. Diese Frage kann ich nicht beantworten, kenne mich in den entsprechenden Behörden nicht aus. Nach dem, was ich mitbekommen habe, ist es aber so, dass zwar nicht mehr Personal zur Verfügung steht, die Kitas aber mehr Verwaltungsaufgaben erledigen müssen, was effektiv die Betreuung weiter verschlechtert. So müssen z.B. Sprachlerntragebücher geführt werden. An sich eine gute Sache, bei Kindern, die Defizite haben. Darf aber nicht mehr Geld kosten…Wir könnten die Diskussion locker im Satireblog weiterführen, so sinnvoll sind diese Entwicklungen mal wieder. Am Ende hängt immer alles am Geld. Die ganzen Ideen, die man sich aus Ländern abguckt, die ein besseres Bildungssystem haben werden nur soweit umgesetzt, als sie KEIN Geld kosten.

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