Die größten Überraschungen der ersten DFB-Pokal-Runde

Die Entscheidung der DFL, die 2. und 3. Liga einige Zeit vor der Bundesliga in die neue Saison starten zu lassen, hat einen nicht unerhofften Nebeneffekt. Pünktlich zum Start des DFB-Pokals, der ursprünglich traditionell die neue Spielzeit einläutete, befinden sich die Mannschaften aus dem Fußball-Unterhaus formtechnisch weiter als die Bundesligisten. Die gerade zu Ende gegangene 1. Runde belegte dies überdeutlich. Während von 18 Zweitligisten nur 4 die Segel streichen mussten, – davon zwei im direkten Duell untereinander – schieden immerhin sechs Mannschaften aus der höchsten deutschen Spielklasse nach nur einer Partie aus. Vor allem gegen die mitten im Saft befindlichen Drittligisten kamen die favorisierten Teams mächtig ins Schwitzen. Die Überraschungen im Überblick:

Abwehr-Chaos bei norddeutschen Bundesligaklubs im DFB-Pokal 

Werder Bremen wollte der letztjährigen Erstrundenpleite in Heidenheim ungern eine weitere in Münster folgen lassen. Eine gute Vorbereitung unter Integration der viel versprechenden Neuen Elia, de Bruyne und Petersen schien auch darauf hinzudeuten, dass der Ausflug nach Westfalen erfolgreich werden könnte. Doch die Preußen setzten ihre hervorragende Form aus der Liga fort und so entwickelte sich eine packende Partie mit Chancen auf beiden Seiten. Während Preußens Keeper Mazuch in der ersten Halbzeit mehrfach glänzend klärte, rettete für die Hansestädter zweimal das Aluminium, bevor in der 45. Minute durch Elia schließlich doch die Führung für den Favoriten fiel. Doch Münster gab sich nicht auf und kam nach schöner Einzelleistung von Matthew Taylor zum Ausgleich. Joker Niklas Füllkrug erzielte die erneute Führung für Werder, doch Taylor war zehn Minuten vor Schluss wieder zur Stelle und erzwang die Verlängerung. Und hier hatte überraschend Münster mehr Kraft und die besseren Antworten Zunächst schloss Nazarov eine schöne Kombination zum 3:2 ab und schließlich war es noch einmal der überragende Taylor, der Werders Abwehr einmal mehr wie Schuljungen aussehen ließ und die 4:2-Sensation perfekt machte.

Mit exakt demselben Ergebnis triumphierte Zweitliga-Absteiger Karlsruher SC gegen den Hamburger SV, der unter Trainer Torsten Fink möglicherweise einem weiteren brisanten Jahr entgegen steuert. Im Badischen stimmte allenfalls die Chancenverwertung bei den Hamburgern. Berg verwertete in der 23. Minute die erste Möglichkeit des Spiels zum 1:0 und Beister traf kurz vor der Pause eiskalt zum 2:1. Dazwischen und danach fielen die Karlsruher Treffer, doch es war auch eine Demonstration von Kampf, Einsatz und sogar spielerischer Überlegenheit von Seiten der Gastgeber. Das 1:1 erzielte der Niederländer van der Biezen nach schöner Flanke mit einem Kopfball aus kurzer Distanz. Beim 2:2 war Alibaz mit einem direkt gezirkelten Freistoß erfolgreich. Das 3:2 erzielte Verteidiger Stoll nach einem Freistoßabpraller von Hamburgs neuem Torwart Rene Adler. Schließlich war noch Soriano nach einer traumhaften Kombination zum Endstand erfolgreich. Den Karlsruhern, die in der dritten Liga noch kein Spiel gewonnen haben, sollte dieser Triumph mächtig Auftrieb für die Liga geben.

Regionalliga düpiert Bundesliga

Ebenso verdient und streckenweise überlegen besiegte der TSV Havelse den 1. FC Nürnberg mit 3:2 nach Verlängerung. Nach der schnellen Führung der Nürnberger durch Esswein war es zunächst Beismann, der noch in der Anfangsviertelstunde den Ausgleich für die Niedersachsen herstellte. Nach der Pause agierte der Außenseiter zunächst zurückhaltend, kam dann aber aus dem Nichts zum 2:1 durch Posipal. Danach hätte der Viertligist die Partie nach mehreren Konterchancen schon entscheiden können, doch stattdessen traf Robert Mak für Nürnberg und rettete Dieter Heckings Team in die Verlängerung. Doch hier hatte überraschenderweise Havelse bei 35 Grad Celsius mehr Kräfte übrig und kam Vucinovic tatsächlich zum 3:2-Siegtor.

Eine Blamage historischen Ausmaßes erlebte die TSG Hoffenheim beim Berliner AK, der normalerweise in der Regionalliga spielt. Markus Babbel fehlten nach der 0:4-Pleite im altehrwürdigen Berliner Poststadion in der Pressekonferenz zeitweise die Worte. Metin Cakmak erzielte zwei Tore, von denen eines maßgeblich vom neuen Keeper der Hoffenheimer, Tim Wiese, eingeleitet wurde. Außerdem waren Innenverteidiger Justin Gerlach und Außenspieler Kruschke nach Kontern erfolgreich, welche die Kraichgauer allzu einfach zuließen. Es hätten noch weitere Treffer für die Gastgeber fallen können, während Hoffenheim auf der ganzen Linie enttäuschte und nicht einmal den Willen zeigen ließ, das Ergebnis ein wenig erträglicher zu gestalten.

Ernüchterung bei den Bundesligaaufsteigern

Erzgebirge Aue traf mit Eintracht Frankfurt auf einen ehemaligen Ligakonkurrenten. Als 15. der letzten Zweitligasaison hatten die Sachsen das Privileg, daheim antreten zu dürfen und die Frankfurter waren da sicherlich ein relativ dankbares Los. Als Bundesligaaufsteiger sind die Hessen typischerweise etwas im Umbruch und stehen vor einer schwierigen Saison. Aue hatte zwar schon zwei Spiele absolviert, diese allerdings mt nur einem Punkt beendet. Die Partie gegen Frankfurt begann glücklich, da der Referee nach 20 Minuten den Erzgebirglern einen Elfmeter zusprach und den verursachenden Keeper Trapp wegen dessen Notbremse vom Platz stellte. Paulus verwandelte sicher und brachte Aue damit in eine komfortable Situation. Diese gaben die Gastgeber bis zum Schluss nicht mehr her, obwohl auch sie nach einer Gelb-Roten Karte in Hälfte zwei nur zu zehnt weiterspielen durften. Neuzugang Jakub Sylvestr erzielte nach einem schnellen Konterangriff das wunderschöne 2:0 und kurz vor Schluss nach einem Fehler von Torwart-Oldie Oka Nikolov sogar das 3:0. Die Eintracht war in Aue sicherlich nicht chancenlos, konnte aber in Unterzahl nicht genügend Chancen herausspielen, um das Spiel noch einmal zu wenden.

Wie Frankfurt musste auch Mitaufsteiger Greuther Fürth dem DFB-Pokal schon nach einem Spiel den Rücken kehren. Bei Drittligist Kickers Offenbach spielten die Franken weitestgehend indisponiert und fielen höchstens durch Unkonzentriertheiten und Undiszipliniertheiten auf. Nach einem unglücklichen Handspiel nutzte zunächst Rathgeber per Elfmeter die Chance zur Offenbacher Führung. Nachdem anschließend die Fürther Prib und Baba vom Platz gestellt worden waren, konnte Bender kurz vor Schluss das 2:0 erzielen und somit den Endstand herstellen.

Auch zwei Zweitligisten blamierten sich in dieser ersten DFB-Pokal-Runde. Im Ostwestfalenderby unterlag der SC Paderborn einer aufopferungsvoll kämpfenden Arminia aus Bielefeld mit 1:3. Obwohl dieser Sieg von den Spielanteilen und dem Einsatz her nicht unverdient war, kam er für Paderborn dennoch unglücklich zustande. 2:1-Siegtorschütze Schönfeld hätte eigentlich kurz vor seinem entscheidenden Schlag vom Platz gestellt werden können. Eine weitere Pokalpleite musste auch die in den letzten Monaten gebeutelte Hertha aus Berlin hinnehmen. Bei Regionalligist Wormatia Worms gerieten die Hauptstädter schon ein der Anfangsphase in Rückstand, als Keeper Sprint völlig übermotiviert einen Elfmeter verursachte, den Bauer verwandelte. Der Ausgleich durch Wagner schien die Verhältnisse wieder gerade zu rücken, doch acht Minuten vor dem Ende schlug der eingwechselte Dressler für die Rheinländer zu.

Ausbleibende Sensationen bei den Spitzenteams der Bundesliga

Keine Blöße gaben sich hingegen die Top 7 der vergangenen Bundesligasaison. Die Titelkandidaten Borussia Dortmund mit einem 3:0 beim FC Oberneuland und Bayern München beim 4:0 bei Neu-Zweitligist Jahn Regensburg bewältigten ihre Aufgaben weitgehend glanz-, aber auch problemlos. Ebenso zügig und souverän bezwangen die Europapokalteilnehmer Schalke 04 (5:0 in Saarbrücken), Bayer Leverkusen (4:0 in Jena), VfB Stuttgart (5:0 in Falkensee) und Hannover 96 (6:1 in Nöttingen) ihre Konkurrenten. Einzig Borussia Mönchengladbach hatte beim 2:0 gegen defensivstarke Alemannen aus Aachen ein paar Schwierigkeiten, denn die Treffer durch Arango und Nordveit fielen erst spät in der zweiten Halbzeit. Alles in allem aber zeigten die Top-Klubs der Bundesliga, dass sie eine Woche vor dem Bundesligastart bereits in guter Verfassung sind und auch den DFB-Pokal sehr ernst zu nehmen gewillt sind.

Eine Meinung

  1. war schon einiges dabei..

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