Die andere Reformation

Ulrich Zwingli (1448-1531) und Johannes Calvin (1509-1564) gingen theologisch sehr bald ihre eigenen Wege, auch wenn die beiden Reformatoren aus Zürich und Genf Zeitgenossen Luthers waren und der Wittenberger die beiden anfangs inspiriert hatte. Beide teilten viele der reformatorischen Ansichten Luthers. Man entzweite sich aber bei der zentralen Frage nach dem Abendmahl. Luther war davon überzeugt, dass Leib und Blut Christi beim Abendmahl gegenwärtig waren, auch wenn Brot und Wein das blieben, was sie sind – anders als im katholischen Verständnis, wonach sich Brot und Wein in Fleisch und Blut verwandeln. Zwingli und Calvin wollten das Abendmahl als Gedächtnisfeier verstehen, bei dem Christus allein im Geist anwesend ist. Über dieser Frage kam es 1529 zum Bruch. Lutherische und Reformierte Protestanten gingen fortan weitgehend getrennte Wege.

Die reformierten Kirchen, die weltweit mehr Mitglieder haben als ihre lutherischen Schwesterkirchen, kennen keine Bischöfe bzw. Bischöfinnen. Die zentrale Institution ist die Kirchgemeinde, die von einem Kirchenrat geleitet wird. Dieser wird von den Gemeindegliedern gewählt. In Deutschland gibt es rund 150 reformierte Gemeinden mit zusammen etwa 190000 Mitgliedern. In der Schweiz sind die Protestanten dagegen historisch begründet weitgehend reformiert.

Wenn man eine reformierte Kirche betritt, fällt sofort die Schlichtheit und Strenge auf. Alles ist hier auf das Hören des Wortes ausgerichtet. Die Kanzel ist daher der Ort des reformierten Gottesdienstes. Reformierte Kirchen sind keine sakralen Bauten sondern Versammlungsorte. Entsprechend ist auch der Gottesdienst streng auf das Hören des Evangeliums und die Predigt ausgerichtet. Nichts soll vom Wort Gottes ablenken!

Mir persönlich imponiert als lutherischem Pastor in der reformierten Tradition vor allem die soziale und politische Ausrichtung. Für Martin Luther stand das Individuum und sein Gewissen im Zentrum seines theologischen Denkens: „Wie bekomme ich einen Gnädigen Gott?" Das war seine Frage. „Wie soll die Gemeinschaft leben vor dem gnädigen Gott?" So könnte man die zentrale Frage der reformierten Theologen formulieren. Mir imponiert auch die Freiheit des Bekenntnisses, die für die reformierten Protestanten so wichtig ist: Jeder Christ soll sein eigenes Bekenntnis formulieren können, allein gegründet auf die Bibel. Jeder soll seinen Glauben selbst verantworten können. Und mir gefällt das sozialkritische Moment in der reformierten Tradition. Zwingli spricht vom „Prophetischen Amt der Kirche". Sie hat die Pflicht, den Mächtigen Bescheid zu sagen, wenn sie der Meinung ist, dass ihr Verhalten dem Willen Gottes widerspricht, so wie es auch die Propheten des Alten Testaments getan haben. Die legten sich sogar mit dem mächtigen König Davis an, wenn es ihnen notwendig erschien.

Seit 1973 haben die Lutheraner und die Reformierten miteinander wieder die Kirchengemeinschaft. Man hat in der Leuenberger Konkordie viele Gemeinsamkeiten festgestellt und sich auch auf ein gemeinsames Verständnis des Abendmahls geeinigt. So können Christinnen und Christen beider Konfessionen wieder miteinander und gemeinsam daran teilnehmen.

Keine Meinungen

  1. Ich bin jetzt grad auf diesen Blog gestoßen, und muss sagen, es gefällt mir hier sehr gut. Eine Riesenauswahl an interessanten Themenbereichen und Beiträgen habt ihr hier – gratuliere!Da ich selbst Mutter von 2 Kinder bin, interessieren mich Kinderthemen natürlich sehr. Ich finde auch, dass Kinder viel lesen sollten, und sollte man natürlich auf geeignete Literatur besonders achten. Ich glaube, dass unsere Welt sehr komplex geworden ist, sehr schnelllebig, stressig, (über)fordernd, sodass wir als Erwachsene oft gezwungen sind uns nach Methoden und Strategien umzusehen um besser mit den gestiegenen Anforderungen des täglichen Lebens umzugehen. Und genau das ist ein wichtiger Punkt, wir eignen uns oft ganz gute Techniken, Lebensweisheiten usw. an, geben sie aber nicht an die Kinder weiter. Ich finde, wir sollten einerseits den Kindern von kleinauf gute Lebensbewältigungsstrategien beibringen, und andererseits ihnen unter anderem Nützlichen auch solche Bücher zum lesen geben, die sie bereichern. Es gibt unterschiedliche solche Bücher zB das von „Khalil Gibran“ um 5 Euro beim Prokopp.Gestern war ich in einem Blog (www.Kinderfilme.wordpress.com), in dem es ua. darum geht, dass Eltern ihre Bewertungen zu Kinderfilmen abgeben, und es somit anderen erleichtern, die richtige Wahl zu treffen. Denn wer hat schon Zeit jeden Kinderfilm anzusehen? Bei Filmen gilt ansich das gleiche wie für Bücher – sie müssen bereichern. Ein Film, aus dem ich mir nichts mitnehmen kann, aus dem ich genauso raus geh, wie ich reingegangen bin, ist vergeudete Zeit. Nur ist es bei Filmen leider noch schwieriger als bei Büchern bereicherne Inhalte zu finden.

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