Der Goldfisch meiner Schwester

Denn eines Tages erwischt Peachy, die eigentlich Georgia heißt, ihre Schwester mit ihrem Mann in der Vorratskammer – zwischen dem Gelee und den höchstpersönlich eingelegten Gurken des letzten Sommers. Sozusagen. Und jetzt hat sie die Nase voll. Voll davon, sich von Beth herumkommandieren zu lassen, voll davon, sich deren aufregende Geschichten aus New York, ihrem Liebesleben und ihrem Beruf als Moderatorin anzuhören und voll davon, dass Beth immer, aber auch immer von ihrem Stiefvater verteidigt wird.

Denn schließlich war sie diejenige, die die tote Mutter nach deren Selbstmord gefunden hat und sie ist auch nicht völlig durchgeknallt. Dass Beth ein Kind der Liebe ist und Georgia nicht, das macht es nicht einfacher, obwohl Georgias Vater alles tut, um ‚seinen‘ Mädels ein Zuhause zu geben.

Also sinnt Peachy auf Rache, zum ersten Mal in ihrem Leben. Und was zunächst Beth hinterlistiger Plan war, nämlich ihren Ex Marcus per Internet an der Nase herumzuführen, wird nun Realität. Und zunächst fühlt es sich auch gut an, aber irgendwann merkt sie, dass sie dahin gehört, wo sie hergekommen ist. Zu Beau, zu Lou, ihrem durchgeknallten Vater, auf die Farm und vor allem zu ihren beiden Jungs.

 

Grundsätzlich eine schöne Sache, die Vorstellung, dass eine zufriedene Landpomeranze plötzlich Großstadtluft wittert und eine Großstadtpflanze sich mit zwei Jungs und deren Eigenheiten herumschlagen muss und dabei schnell merkt, was man als Mutter alles an so einem Tag schaffen kann und muss. Aber mehr Pfiff hätte das Ganze gehabt, wenn die Betrogene ihre Zeit in New York noch mehr ausgekostet hätte. Denn was zum Beispiel hätte gegen einen kleinen Seitensprung gesprochen? Schließlich hatten die beiden anderen nichts Besseres verdient – aber Lisa Gabriele bleibt auf der anständigen Linie und gibt so denjenigen Rückhalt, die das auch tun würden. Kompliment.

 

Lisa Gabriele: Der Goldfisch meiner Schwester – erschienen im März 2010 beim aufbau Verlag als Taschenbuch für 12,95 Euro.

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