Der Fall Troy Davis entfacht die Diskussion um die Todesstrafe neu … hoffentlich!

Wahrscheinlich weiss niemand außer Troy Davis selbst was er genau an diesem Tag im Jahre 1991 getan hat, er soll einen Polizisten erschossen haben. Seither saß er 20 Jahre in der Todeszelle und erduldete die sinnlose Qual des Wartens auf den Tod. Mehrmals wurde seine Exekution aufgeschoben – es gab viele Unklarheiten. Klar war und ist nur eines: Einen definitiven Beweis gibt es nicht! Umso größer ist die Empörung und Enttäuschung wenn man sich das harte und definitiv endgültige Urteil vor Augen führt.

Troy Davis: Unschuldig verurteilt?

Man fand weder Tatwaffe noch DNA-Spuren noch Fingerabdrücke die auf Davis als Täter hingedeutet hätten, sieben von neun Zeugen haben ihre Aussage zurückgezogen und der Kronzeuge, ein ehemaliger Freund von Davis, wurde selbst verdächtigt. Trotzder dünnen Beweislast wurde Davis zum Tode verurteilt, was viele Kritiker entsetzte.

Die Todestrafe in Amerika wird von Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International zurecht immer wieder hart kritisiert. Die USA, die sich oft als internationale Polizei und Vertreter der Freiheit sehen, sind in der Rangliste der Hinrichterstaaten an 6. Stelle, hinter Ländern wir China, Iran oder dem Irak. Allein 2011 wurden 33 Menschen zum Tode verurteilt. Seit 1976 starben in den USA mehr als 1200 Menschen, die mit Abstand meisten von ihnen im Bundesstaat Texas. Von einem einheitlichen Rechtssystem sind die USA weit entfernt, jeder Staat kocht sein eigenes Süppchen. Das macht es den Protestierenden nicht leichter.

Durch den Fall Troy Davis steht die Todesstrafe in Amerika wieder in der Kritik

Wenn man sich als aufgeklärter Bürger diese Fakten oder das Beispiel Troy Davis vor Augen führt, lehnt man diese Form der Justiz ab. Es ist zutiefst unmenschlich über Leben und Tod eines anderen Menschen zu entscheiden. Tut man dies dennoch, setzt man sich auf eine Stufe mit dem angeklagten Mörder. Kein Argument darf nach der Prüfung durch gesunden Menschenverstand rechtfertigen einen anderen Menschen zu töten. Die Werte unserer modernen Gesellschaft lassen sich schlichtweg nicht mit diesen Exekutionen nach dem veralteten Motto “ Auge um Auge, Zahn um Zahn“ vereinen. Die Todesstrafe ist etwas zutiefst Unmeschliches, ihre Rechtfertigung entbehrt jeder humanistischen Legitimationsgrundlage!

Die Frage ist nur warum der Protest gegen die Todesurteile zwar dauerhaft präsent ist, jedoch nicht zum internationalen Proteststurm, geschweige denn zu einem inneramerikanischen Brennpunkt wird. Es ist an der Zeit den Protest in allen Formen zu verstärken. So traurig es klingt, vielleicht hat Davis seinen Teil dazu beigetragen, dass wieder mehr über sein und andere Schicksale gesprochen wird. Denn wer ernsthaft darüber nachdenkt, kann die Todesstrafe nur ablehnen. Nun wird sich zeigen ob der Protest anhält, was hoffentlich der Fall sein wird, oder ob die Diskussion erst beim nächsten fatalen Urteil wieder kurz aufflammt.

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