Das vielleicht kleinste Luxushotel in den Alpen

Ws ein Hotel der Spitzenklasse auszeichnet ist ein Höchstmaß an Service, an persönlicher Aufmerksamkeit, an Hingabe, dem Gast die Wünsche von den Augen abzulesen. So manches als „Grand“ titulierte Hotel muss vor diesen Hürden kapitulieren; die begehrten fünf Sterne lassen sich nicht nur durch architektonische Protzerei erreichen. Das Hotelland Deutschland ist stets ein Beispiel für exquisite Gastlichkeit, selbst in entlegenen Tälern finden sich Häuser, die in manch internationalem Vergleich glänzend bestehen würden. In diesem Segment der kleinen Fünf-Sterne-Häuser, die unscheinbare Namen wie „Traube“ oder „Post“ tragen, kann nur der Perfektionismus und die Besessenheit von Hoteliers und Spitzenköchen wie Paul Urchs von Dauer sein.

Ankunft in Bayrischzell. Das bayrische Städtchen oberhalb des Tegernsee liegt eingebettet in einer eindrucksvollen Berglandschaft. Mächtig thront der Felsen des Wendelstein über dem Ort. Im nahen Sudelfeld und am Spitzingsee tobt der bayrische Familien-Skizirkus. Etwas außerhalb des urtümlich belassenen Dorfensembles liegt der Alpenhof an der Hauptverkehrsstraße und präsentiert sich mit Understatement dem geneigten Gast. Sofort beeindruckt die rote Alpenrose, die sich im Logo des Hauses und durch das gesamte kleine Quartier zieht. Eine erste Einstimmung auf die Detailversessenheit gibt der Alpenhof schon Internet zu erkennen.

Man erkennt von ersten Eintritt in das bayrisch-traditionell anmutende Gebäude an, was sich Paul Urchs sich hier leistet. Der Alpenhof wurde mit erheblichem finanziellen Aufwand – hier sprang ein stiller Gesellschafter ein – umgebaut, ausgestattet und in Schuss gebracht. Wundervoll sind die sechs Suiten, die im Stil von fürstlich bayrisch bis trendgemäß japanisch reichen. Ein besonderes Kleinod ist der Spa-Bereich mit ausgedehntem Innenpool und geräumigen Sauna-Basement. Angenehm gestaltet sind die Behandlungsräume des Kosmetikareals.

Aber zunächst zur großen Leidenschaft von Paul Urchs, der Gourmetküche. Nichts wäre wichtiger als die gastronomische Anerkennung, die Paul Urchs früher in Berlin genoß. Naturellement ist er längst auf dem Weg dahin. Seine „Alpenstube“ (das Gourmetrestaurant mit 20 Sitzplätzen) trägt auf Anhieb 16 von 20 möglichen Punkten im Gault Millau. Der Eintrag im Guide Rouge (Michelin) blieb im noch verwehrt, aber dies ist wohl nur eine Frage der Zeit. Der Gastgeber ließ es sich nicht nehmen, uns nach allen Regeln seiner Kunst verwöhnen zu lassen, mit einer fürstlich bayrischen Menüfolge: Entenleberpraline in Portweingelee mit Blattgold öffnete den Magen, ein kross gebratener bayerischer Huchen (Fisch) mit Steinpilzen in leichter Madeirasauce steigerte die Begeisterung und ein Pauillac-Lamm in der Kräuterkruste (am Tisch tranchiert) mit Böhnchen im Speckmantel und Kartoffelgratin aus dem Ofen mit Cherrytomaten traf den Höhepunkt. Es würde den Rahmen dieses Beitrages sprengen, die Anzahl und Güte der servierten und verkosteten Weine aufzuzählen, aber dem Leser sei versichert, dass der Cellerar des Alpenhofes ein wahrer König sein muss.

Seit dreieinhalb Jahren residiert Paul Urchs mit seiner Familie – Ehefrau Beate leitet den Gastbetrieb – nun schon in Bayrischzell. Das erste Jahr war der Neugestaltung gewidmet, seit dem jungen 2004 reüssiert der Alpenhof nun – mit einem überzeugenden Bekenntnis zu Luxus, Lust und Lebensfreude. Paul Urchs war acht Jahre lang schwanger gegangen mit der Idee vom eigenen Hause. Einen ersten Versuch im Schwarzwald musste er aufgeben, da das Sporthotel nicht zu übernehmen war. Als er den Alpenhof in Bayrischzell sah, war es Sympathie auf den ersten Blick. Nach drei Wochen war der Kaufvertrag unterschrieben. Und noch heute, nach der ersten Winter- und Sommersaison ist es Liebe, die er – und natürlich auch seine Frau – für diesen Garten Eden der Gastlichkeit empfinden muss. Mit 31 Mitarbeitern bespielt er die „Bühne“ mit 37 Zimmern und Suiten. Mit Spannung eifert er dem ersten Kassensturz in diesem Jahr entgegen. Das Spiel ist ernst geworden.

Größte Herausforderung der Alpendestination ist die Lage am Ende des Tales. Zwar führt die Hauptstraße weiter über das hoch gelegene Skigebiet Sudelfeld, doch die Bayrische Oberlandbergbahn „Bob“ – übrigens ein Muss für Liebhaber von Bahnreisen – endet eben in Bayrischzell. Den bequemen Transport zum Flughafen und Messegelände im 60 Kilometer nördlich gelegenen München besorgen Mitarbeiter in einem eleganten Grand Voyager-Minivan von Chrysler. Urchs ist Profi und weiß auch anspruchsvolle Klientel wie den Vorstand von Microsoft Deutschland für sein Haus zu gewinnen. Ein wichtiges Gästepotential liegt in den Unternehmen in Osttirol; interessanterweise kommen die österreichischen Nachbarn gerne über die grüne Grenze nach Bayern. „The Alpenhof“ ist auch in den USA und Großbritannien bekannt. Selbst eine Übersetzung seiner Webseiten in Mandarin-Chinesisch und Japanisch scheute Urchs nicht. Der Alpenhof ist betont heimatverbunden, aber global gebildet.

ielleicht liegt ein Geheimnis seines Erfolges auch in der Bodenständigkeit, die im Alpenhof allhier zu finden ist. Natürlich muss der feinperlende Champagner aus Frankreich stammen, aber die besten Digestifs der Bar werden in einer 80 Jahre alten Brennerei am nahen Schliersee gezaubert; von dem Betrieb Lautenhammer wird auch ein bayrischer Singles Malt Whiskey mit besonderer Güte geliefert. Bei einem zweiten Prüfstein der Spitzengastronomie, der Kaffeequalität, verläßt sich Urchs auf die Rösterei Dinzler aus Rosenheim. Der Familienbetrieb fährt sechs rassige Espressosorten und vier tiefgründige Kaffeemischungen heran.

Der Berliner Meisterkoch ist an seinem Ursprung wieder angekommen. Einst schaute er Maître Heinz Winkler in Aschau am Chiemsee über die Schultern. Nun trägt er, perfektionsbesessen und endlos begeistert von seinem Alltag, die Verantwortung für ein Hotel, was weitere Auszeichnung verdient. Auch internationale.

www.der-alpenhof.com

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