Das Ischtar-Tor Babylons im Pergamonmuseum

Babylon war eine der überwältigendsten und bedeutendensten Städte in der Antike. Sie lag in Mesopotamien, dem damaligen „Zweistromland“ mit Euphrat und Tigris, welches der heutige Irak ist. Die Hochkultur der Babylonier währte von 1800-600 v. Chr. und brachte es  auf technischen, handwerklichen und wissenschaftlichen Niveau zu einer großen Blüte. Das Recht basierte auf einer Gesetzessammlung, dem Codex Hammurapi aus dem 18. Jahrhundert, Felder wurden mittels komplizierter Bewässerungsanlagen bewässert, Land wurde vermessen, mathematische Probleme wurden mittels des hexagesimalen Ziffernsystem gelöst und angehende Schreiber mussten in der Schule Gedichte auswendig lernen.

Das Ischtar-Tor: „Das blaue Herz von Babylon!“

Das Ischtar-Tor war, neben dem Marduk-Tor, dem Urasch-Tor, dem Zababa-Tor und einem namenslosen Tor, eines der Stadttore Babylons. Es war das mit Abstand prächtigste, da es am Ende der Prozessionsstraße lag, auf der die Prozession zu Ehren des Hauptgottes Marduk an jedem Neujahrsfest stattfand.

Das Tor liegt im Norden der Stadt und ist komplett in Blau gehalten. Blau war vermutlich die Farbe des Nordens in der antiken Kultur. Unterbrochen wird die dunkle Farbe nur durch Tierfriese, die ein schlangenähnliches Mischwesen zeigen, das an einen Drachen erinnert und einen Stier. Aus einer Inschrift ist bekannt, dass das Dachgebälk und die Türen aus libanesischen Zedernholz bestanden. Das Tor war doppeltorig und 180 Meter lange Mauern rahmten den Eingang zu dem Tor. Die Mauern waren dekoriert mit fast 2 Metern langen Löwenfriesen.

Wie das Ischtar-Tor nach Berlin reiste…

Seit 1930 steht das bewunderungswürdige Tor neu aufgebaut im Pergamonmuseum. 1902 war es vom Architekten Robert Koldewey von 17 Metern hohen Schutthalden befreit und komplett zerfallen nach Berlin gesandt worden. Das Pergamonmuseum setzte in mühevoller Kleinstarbeit die ungefähr 800 Kisten mit jeweils ca. 250 Einzelteilen wieder zusammen. Die rekonstruierte Variante des Ischtar-Tores in Berlin ist aber kleiner als das Original, da dies das Fassungsvermögen des Museums weit überschritten hätte.

Nebukadnezar II.: Despot aus dem Alten Testament!

Nebukadnezar II. errichtete das Tor während seiner Herrschaft im 6. Jahrhundert v.Chr. Von der Bibel verdammt als der Tyrann, der Jerusalem eroberte, seine Einwohner ins babylonische Exil schleppte und deren späteren Aufstand brutal niederschlug, war er seinen eigenen Landsleuten ein tüchtiger Heerführer und umsichtiger Staatsmann. Er baute viele Tempel und brachte dem Land inneren Frieden.

Musch-chusch und Ischtar…

Ischtar, der das Tor geweiht ist, war eine hohe Göttin im Pantheon der Babylonier. Im allgemeinen  verkörperte sie die beiden potenziellen Chaosregionen des Lebens: Liebe und Gewalt. Ihre tatsächlichen Eigenschaften und Attribute wandeln je nach Epoche und sind immer noch umstritten. Aber was dem Ägypter seine Isis, dem Griechen seine Aphrodite, dem Römer seine Venus war, das war dem Babylonier seine Ischtar.

Die auf den Mauern dargestellen Löwen symbolisieren die Fruchtbarkeit und kriegerische Stärke Ischtars.

Der Stier war aus dem 1400 v. Chr. entstandene Mithras-Kult hervorgegangen. Er verkörpert Tod, Wiederauferstehung und Fruchtbarkeit.

Der „Drache“ auf dem Tor hat keinerlei Ähnlichkeit mit dem chinesischen Drachen oder dem vom abendländischen Drachentöter Georg verfolgtem Ungeheuer. Das schlangenköpfige Mischwesen wurde Musch-chusch genannt und war das Symboltier Marduks, des Hauptgottes der Babylonier.

Eine Meinung

  1. Wos, sehr schön und informativ, weiter so.

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