Daniel Odija: Das Sägewerk

Einst hat Maria dem Józef ein Kind geboren, weshalb er sie bei sich behielt. „Außerdem brauchte er jemanden für die Arbeit.“ Weil ihm die Arbeit selber nichts ausmacht, wird Józef ein reicher Mann. Das Kreischen der Säge in der ländlichen Stille um die alte Kolchosensiedlung lässt keinen Zweifel. Józef entlohnt seine Leute mit Wodka und Pornovideos. Ganz Polen will er mit seinem Holz überschwemmen. Daraus wird nichts. Die örtliche Mafia hungert ihn aus. Doch der Bankrott ist erst der Anfang vom Ende. Józefs missratener Sohn erschlägt im Suff einen alten Einsiedler und sagt sich vom Vater los, Maria wird durch einen Treppensturz zum Krüppel, und nachdem er das Sägewerk abgebrannt hat, um es vor den Gläubigern zu retten („Einen Schwanz werden sie bekommen!“), holt man Józef vom Hof. Odija bevölkert seinen Bericht aus der polnischen Provinz mit einem bunten Haufen von Figuren: Die kleinen Oligarchen mit den dicken Autos, die von den saufenden Männern bedrängte Barbesitzerin, der großspurige Heimkehrer. Gemeinsam ist ihnen das Ausgeliefertsein an ein bleiernes Schicksal. Die Schwächsten ergeben sich dem unzugänglichen Gott, dem Bösen oder der neuen Weltordnung. Wer nicht selber alles in Stücke haut, schaut einfach zu, mitleidlos und neugierig. Zu der Archaik der Gefühle passen die Drastik und die Lakonie der Sprache in diesem Buch wie Fäuste auf die Augen.

Eine Meinung

  1. Sorry, ich hab es nicht verstanden! Gehts nur mir so?

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