Daniel Haas: Desperado

Ganz klar, dass der nicht mehr ganz so junge Medienprofi durchdreht. Und sich, wie uns bereits der Klappendeckel verrät, ins ‚Dasein‘ stürzt. Auf gut Deutsch gesagt: Er tickt aus. Beleidigt seine Freunde, zockt, gibt sich mit dubiosen Gestalten ab und hat nicht die geringste Chance auf die Frau, die er eigentlich will. Letztendlich macht er dann aber doch einen Prozess der Reife durch und landet mit 40 wieder da, wo er hingehört, auf dem Boden der Tatsachen.

Warum muss man heutzutage, wenn man der Protagonist eines Romanes sein will, eigentlich in männlicher Form Medienprofi und in weiblicher Modejournalistin sein? Welches Klischee steckt hinter dieser sich durch Massen von Büchern ziehenden Berufswahl vonseiten der Autoren? Kein Wunder, dass diese Persönlichkeiten es nie zu einer funktionierenden Partnerschaft bringen, bergen doch gerade diese Jobs ein riesiges Potenzial an Aufopferung für wenig Geld, an Überstunden und vermeintlich coolen Singles. Vielleicht sollte der ein oder andere Autor mal über Supermarktkassierer, Finanzbeamtin, Klempner oder Bürokauffrau nachdenken. Grundsolide – mit der Aussicht auf Zukunft. Nicht nur beruflich, sondern auch privat. Denn mit Sicherheit finden sich bei diesen Berufen proportional gesehen lange nicht so viele Singles auf der Suche nach der Bodenständigkeit.

Doch abgesehen von der Berufswahl für die Hauptperson ist dem Autor, übrigens selbst Werbetexter, Journalist und Kolumnist (Spiegel Online), ein frisches und durchaus witziges Werk gelungen, gespickt mit kleinen Spitzen, die seine satirische Begabung verraten. Allerdings verfliegt – ähnlich wie bei anderen Büchern dieser Art – das Pulver gegen Ende etwas. Und das ist schade.

Daniel Haas: ‚Desperado – Abenteuer eines Glückssuchers‘, ganz frisch erschienen (August 2009) bei Ullstein als Taschenbuch, zu haben für 7,95 Euro.

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