Coco Rosies drittes Album beginnt mit einer etwas anstrengenden, opernhaften Frauenstimme, Rasseln und verquerer Percussion. Nach wenigen Sekunden taucht ein kindlicher Sprechgesang auf und bereits jetzt wird klar: Entweder man läuft schreiend aus dem Zimmer oder wippt munter mit zum Opener "Rainbowarriors". Die beiden Casady Schwestern und Gründerinen von Coco Rosie klingen über die gesamte Albumlänge von "The adventures of ghosthorse and stillborn" wie auf einem Drogentrip, der sich konsequent durch die 40 Minuten der CD zieht. Zu "Japan" sieht man förmlich bunte Farben aus den Boxen tropfen, eine vertonte LSD-Vision? Neben dem sphärischen Feeling, das sich durch die ganze Platte zieht, besticht das Album mit einer ausgefallenen Mischung die stets zwischen Kunst und Künstlichkeit hin und her pendelt. Oft gelingt der Spagat hervorragend, wie beim an Björk erinnernden "Werewolf" das durch melodischen Gesang und entspannte Beats zu verzaubern weiß. Bei diesem, meiner Ansicht nach besten, Song des Albums schwankt die Stimmung gekonnt zwischen zerbrechlicher Melancholie und subtiler Aggressivität: Daumen hoch!
Manchmal nimmt die Experimentierfreude jedoch mit den beiden Damen überhand und es kommen anstrengende Klangkaskaden wie "Animals" heraus, die weder die Musikerinnen noch die Zuhörer auf Songwritingebene irgendwo hin führen. Hier wird nur der kopflastigste Fan seine Freude an dem avantgardistischen Brimborium der Band haben.
Zum Glück überwiegen aber bei allen Experimenten und Improvisationen die emotionalen Qualitäten der Band, die uns hier einen stimmungsvollen und innovativen Stilmix aus Folk, Electronica, Hip Hop und, und, und kredenzen. Selbst Fans der Einstürzenden Neubauten dürften bei dieser Klangvielfalt ihre Freude haben. Es bedarf sicherlich einiges an musikalischer Aufgeschlossenheit, um sich für Coco Rosies drittes Album zu begeistern, wer aber auf der Suche nach einer eigenständigen, individuellen Vision von zeitgenössischer Musik sucht, wird an dieser Stelle bestens fündig!