Bleibt die Marine zuhause?

Schon als der Waffenstillstand ausgerufen wurde, mussten doch den nachdenkenden Beobachter Zweifel an der Sinnhaftigkeit des gesamten Projektes beschleichen. Israel hatte seine Ziele unmöglich plötzlich erreicht und entsprechend schrie die Hisbollah ja auch gleich lautstark ihren "historischen" Sieg heraus. Konsequenterweise hätte Israel zu diesem Zeitpunkt direkt die Kampfhandlungen wieder aufnehmen müssen. Spätestens als Hornbrille Nasrallah verkündete, eine Entwaffnung der Hisbollah käme überhaupt nicht in Frage, obwohl die einschlägige UN-Resolution, mit seiner vorgeblichen Zustimmung angenommen, anderes und zwar eineindeutig anders fordert, habe ich mit einem neuerlichen israelischen Waffengang gerechnet. Seither hat es an dieser Haltung der Hisbollah im Grunde keine Änderungen gegeben. Man gibt sich höchst entspannt und sagt offen, man wolle doch den libanesischen Soldaten mal sehen, der versuchen würde, einen Hisbollah-Kämpfer zu entwaffnen. Den gibt es wahrscheinlich schlicht nicht.

Nun stellen die Libanesen die Bedingung, dass die israelischen Seestreitkräfte vor der Anforderung der deutschen Marine abziehen müssten. Wie transparent ist das denn? Sobald die Israelis ihre Schiffe abgezogen haben, erfolgt massiver Waffennachschub für die Hisbollah auf dem Seewege. Die deutsche Marine braucht immerhin 14 Tage bis zum Einsatzort; ab dem Zeitpunkt des Afbruches wohlgemerkt. Und da sind wir ja noch lange nicht. Die nächste Bedingung, zwar kumulativ vorgetragen, aber wahrscheinlich alternativ zu verstehen, ist die Begrenzung des deutschen Einsatzes auf einen Bereich außerhalb einer Sieben-Meile-Zone vor der Küste. Wozu das? Damit die Hisbollah innerhalb dieser Zone ungestört Waffennachschub aus dem nördlich gelegenen Syrien transportieren kann.

Wie es scheint, erleben wir gerade einen erneuten Beweis dafür, dass sich der radikale Islam nicht mit den Mitteln der internationalen Diplomatie, nicht mal in der Ausprägung einer militärischen Interventionsmacht (die allerdings tatsächlich eher einem zahnlosen Tiger vergleichbar ist), eindämmen lässt. Hat am Ende Henryk M. Broder doch Recht, wenn er davor warnt, die Weltgemeinschaft möge nicht die Fehler der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts wiederholen?

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