Bielefelder Chaostage

Ernst Middendorp ersetzt also Frank Geideck. Der übte sich auf der heutigen Pressekonferenz in Selbstlosigkeit. Es sei in der jetzigen Situation wichtig, „einen Impuls von außen zu setzen“, sagte Geideck und verabschiedete sich wieder auf den Co-Trainer Posten. Den hatte er in Bielefeld das erste Mal inne, als Ernst Middendorp von 1994 bis 1998 schon einmal Trainer in Bielefeld war.

Dass Geideck selbst seine Degradierung absegnete und sich am Dienstagabend mit Middendorp traf, um die Lage der Arminia zu erörtern, kann man als Argument für den Trainerwechsel deuten. Mit Middendorp kommt jetzt der Jahrhunderttrainer. Als Arminia im vorletzten Jahr 100-jähriges feierte, kürten ihn die Fans zum besten Fußballehrer, den ihr Verein jemals hatte.

Rein sportlich ist an der Maßnahme also wenig auszusetzen. Über die Art und Weise lässt sich jedoch diskutieren. Da der Erfolg auch unter Geideck nicht zurückgekehrt war, musste sich Manager Reinhard Saftig zuletzt immer häufiger die Trainerfrage stellen lassen. Und jetzt wirds zweifelhaft:

Gestern mittag war auf kicker.de unter der Überschrift "Rückendeckung für Geideck" folgendes Statement von Saftig zu lesen:

Natürlich sind wir in einer schwierigen Situation. Aber eine Trainer-Diskussion hilft uns in der Vorbereitung auf das wichtige Spiel nicht weiter […] Ich bin nicht bereit, jede Woche aufs Neue klarzustellen, dass Frank Geideck auch im nächsten Spiel unser Trainer ist.

Ein paar Stunden später hörte sich das dann so an:

Geschäftsführer Reinhard Saftig bestätigte Gespräche mit Ernst Middendorp, der neuer Trainer der Ostwestfalen werden soll. Der 48-Jährige, der die Arminia schon zweimal trainierte, war bis Anfang März bei den Kaizer Chiefs Johannesburg engagiert und soll den Abstieg des Tabellen-17. verhindern….

Obwohl die Einigung mit dem neuen Trainer noch aussteht, scheint es nur noch darum zu gehen, ob Geideck vor dem richtungweisenden Spiel der Arminen am Samstag in Aachen abgelöst wird oder erst danach.

Rückendeckung ostwestfälischer Art. Zugegeben, als Saftig noch Loyalität ankündigte, war der Deal mit Middendorp wohl noch nicht spruchreif. Da hätte man sich, im Falle einer Absage Middendorps, lächerlich gemacht, hätte man die Verhandlungen mit dem neuen Trainer vorher eingeräumt. Schweigen, oder ein Statement a lá `Sie wissen doch, wie das Geschäft läuft. Bleibt der Erfolg aus…´ wäre in diesem Fall jedoch die elegante Lösung gewesen.

So steht Saftig, der sich bei den Fans ähnlicher Beliebtheit erfreut, wie der städtische Gerichtsvollzieher, massiv in der Kritik. Und die hat eine Vorgeschichte:

Als Thomas von Heesen noch Trainer und Reinhard Saftig noch nicht Manager in Bielefeld war, hatte sich der Ex-Coach massiv für eine Berufung von Ernst Middendorp stark gemacht; als Manager, bzw. Sportdirektor. Präsident Hans-Hermann Schwick holte jedoch Saftig, als Gegengewicht zu von Heesen. Dadurch sorgte Schiwck dafür, dass von Heesen nicht in Zusammenarbeit mit dem Sportdirektor die Zukunft der Arminia gestaltete, sondern als Bittsteller bei Saftig agierte, wenn er einen Spieler verpflichten wollte. Inwieweit die Verpflichtung Saftigs damals durch Eifersüchteleien motiviert war, sei dahingestellt. Fest steht, dass von Heesen wegen seiner Verdienste weiterhin großes Ansehen bei den Fans genießt, während Saftig und Schwick, mit dem Charme zweier Postbeamter auftretend, für die Demontage des langjährigen Angestellten verantwortlich gemacht werden.

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