Benyamin Nuss plays Uematsu: Videospielmusik klassisch interpretiert

Lieder aus Videospielen, diesen Scheiben, die man in diese Elektronikkästen steckt? Für wen spielt Benyamin Nuss da?, könnte manch einer fragen. Vor noch zwanzig Jahren bot die Tontechnik von Konsolen und PCs gerade einmal fünf Töne. Nicht gerade viel für einen flammenden Auftritt. Aber aus der kreativen Not entstand eines der berühmtesten Stücke für Videospiele, „Super Mario“ aus der Feder von Koji Kondo.

Heute ist der Videospielmarkt riesig, er überschattet die Filmbranche. Und seit Super Mario darf in keinem Videospiel Begleitmusik fehlen. Allein 80 Millionen mal verkaufte sich „Final Fantasy VII“. Möchte da noch jemand sagen, dass sich für Donkey Kong auf dem Klavier keine Zuhörer fänden?

Benyamin Nuss plays Uematsu: Berührungsmomente für Jung und Alt

Derzeitig studiert der 1989 geborene Sohn eines Jazzmusikers noch an der Musikhochschule. Er hat seine Leidenschaften in Einklang gebracht: Musik und Videospiele. Mit vierzehn Jahren zeigte ihm ein Freund das Rollenspiel Final Fantasy, das am meisten fortgesetzte Spiel der Welt. Von da an ließen ihn die Klänge und Melodien von Nobuo Uematsu nicht mehr los.

Die weltweite Fangemeinde hat für Benyamin Nuss ein offenes Ohr und folgt ihm eifrig in die Konzerthallen. Er spielt die Videospielmusik in klassischen Arrangements auf dem Klavier. Damit erlangt er auch die Aufmerksamkeit älterer Zuhörer, die in den letzten Jahren mehr und mehr merken, wohin das klassische Komponieren abgewandert ist. Filmmusik- und Videospielkomponisten werden immer häufiger mit Konzerten gewürdigt.

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Die Originalmusik, komponiert von einem Team aus Komponisten, Tontechnikern und Menschen, für deren Beruf es noch keine deutschen Übersetzungen gibt, die Videospielfans so einnimmt, ist wie im Bereich Film meist für Orchester konzipiert. Was zunächst nur aus der Playstation wummerte, wird nun auf Jahre im Voraus ausverkauften Konzerten mit Hundertmannorchestern aufgeführt.

Oder auch nur von einem allein. Die Arrangements von Bill Dobbins, Shiro Hamaguchi und Jonne Valtonen sind nicht bloß auf das Klavierspiel mit zwei Händen übertragen worden, sondern mit vielen eigenen Ideen und Variationen bereichert; manche Passagen erklingen dann auch einmal wie Etüden oder Fingerübungen. Die Dynamik hält jedoch stets alle Phrasen zusammen. Sowohl für die Spieler, welche die Originale im Ohr haben, als auch Liebhaber klassischer Musik werden etwas von der CD haben, denn durch die klassischen Hinzufügungen werden Uematsus Melodien in die Klangkonventionen der alten Schule eingewoben.

Kenner der Spiele und Kenner der Klassik gehen mit anderen Voraussetzungen in die Musik hinein. Als Kenner der Spiele kann man nicht die visuellen, auditiven und emotionalen Erinnerungen von den Stücken diskriminieren. Nuss muss sie aufleben lassen, ohne mit seinen Adaptionen zu verschrecken. Als Kenner der Klassik muss man sich in die Klänge Uematsus entführen lassen, deren strukturelle Beschaffenheit eben auch dem Aufbau von Videospielen geschuldet ist. Repetitive, auch einmal eher meditative Stellen, führen bei einem Spiel in das gameplay hinein. Während man einer CD lauscht, sitzt man aber nicht am Spiel. Das Publikum, das in den Momenten des Spiels nicht in wachgerufenen Erinnerungen schwelgen kann, muss Nuss deshalb durch rein musikalische Qualitäten fangen.

Aber dafür spielt er bereits sein ganzes Leben Klavier. Er beherrscht das Instrument, und ob „Final Fantasy“, „Lost Odyssey“ oder „Blue Dragon“, er überzeugt mit geschliffener Technik. So gelingt es ihm, sowohl den Fans der Videospiele als auch dem älteren Publikum neue Klangdimensionen zu zeigen.

Uematsu gewidmet, Nuss gewidmet

Selbstverständlich darf man nicht die expressive Vielfalt eines Orchesters erwarten oder dass die ganz eigene Qualität der damaligen 8-Bit-Töne treu simuliert würde. In „Terra“s Theme“, „Liberi Fatali“ oder auch in „A Mighty Enemy Appears!“ nimmt er die Melodien auf und gibt sie, durch Arrangement und Interpretation mal ruhiger, mal expressiver wieder.

Immer aber sind die Stücke inhaltlich erweitert. Dennoch überwiegen eher ruhige, meditative Passagen die CD, die 16 Stücke enthält, aber auch laute und kräftige Töne lässt Nuss erklingen.

Wie klein die Szene der Videospielmusik noch ist, lässt sich an den Widmungen ablesen. Natürlich huldigt die gesamte CD den japanischen Komponisten, der auch für andere Spiele als Final Fantasy komponierte, und nicht ausschließlich selbiges Spiel. Stück Nummer 8 ist das einzige Stück, das nicht von ihm komponiert wurde, sondern von… Benyamin Nuss. Eine persönliche Hommage an das Idol, welches sich in Retour mit einer Komposition nur für Nuss bedankt hat. Auch die Nummer 16 durfte natürlich nur der einspielen.

Den Videospielmarkt darf man nicht unterschätzen. Der 21-jährige könnte eine Brücke zur Klassik schlagen und diese nicht nur mit neuen musikalischen Quellen beleben, sondern auch mit frischer Klientel.

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Das aufwendige, reich bebilderte Booklet, das dem jungen Pianisten, der in Interviews auch ohne Aufwand authentisch und sympathisch daherkommt, wohl das Image mystisch verführerisch und sexy verleihen möchte, ist bei Deutsche Grammophon erschienen. Auf YouTube und auf der Homepage des Künstlers kann man einen Vorgeschmack auf sein Spiel erhalten und sogleich Vergleiche zu anderen Versionen der Spielemusiken ziehen.

Weiterführende Links

http://www.benyamin-nuss.de

2 Meinungen

  1. Wie genial ist denn dieser Typ? Eine wahnsinns-Idee….seine Konzerte dürften ausverkauft sein…

  2. Benyamin Nuss plays Uematsu: Am 2.12.2011 auch in München. Benyamin Nuss spielt Uematsu-Kompositionen in der Allerheiligen Hofkirche!http://www.kulturgipfel.de/index.php/veranstaltung/336/Allerheiligen-Hofkirche-Residenz-Muenchen-Benyamin-Nuss-plays-Videogamemusic

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