Barfuss durch Hiroshima: Kinder des Krieges – ein autobiografisches Manga

Die Zeit vor der Bombe

Die Geschichte des ersten Bandes von Barfuss durch Hiroshima beginnt einige Tage vor dem Abwurf der Bombe. Der sechsjährige Gen und seine Familie haben nicht nur mit dem Hunger zu kämpfen, sondern auch mit der pazifistischen Einstellung seines Vaters.

Diese bereitet der Familie weitere Probleme, denn das Kaiserreich und seine Propaganda stempeln jeden Kriegsgegner als Verräter ab. So ist nicht nur der Vater der Gewalt des Regimes ausgeliefert, sondern auch seine Kinder werden in der Schule und in der Fabrik schikaniert und gedemütigt. Der Band vermittelt dem Leser ein sehr genauen und authentischen Einblick in die damalige Zeit, die von übersteigertem Fanatismus, Militarismus und Patriotismus geprägt ist. Nakazawa erzählt fast ausschließlich aus dem Familienalltag, in dem der Hunger permanent Präsent ist und sich Kinder sogar um ein Reiskorn streiten. Auf den letzten Seiten wird die Detonation der Atombombe gezeigt und die damit verbundene Zerstörung gezeigt.

„Bester Manga“

Keiji Nakazawa begann erst nach dem Tot seiner Mutter seine eigene Geschichte aufzuarbeiten und da er bereits als Zeichner tätig war lag das Medium Manga natürlich nahe. 1973 wurde seine Arbeiten in Manga-Magazinen veröffentlicht und 1975 erschien seine Geschichte in insgesamt 10 Bänden. In Deutschland war Barfuß durch Hiroshima erstmals 1982 zu lesen. Jedoch stellte der Rowohlt Verlag die Produktion aufgrund schwacher Absatzzahlen bereits nach dem ersten Band wieder ein. Erst 2004 sollte Nakazawas Werk in Deutschland wieder in den Handel kommen. Carlsen hat das komplette Werk in 4 Bänden veröffentlicht und vertreibt es auch heute noch. Barfuss durch Hiroshima wurde 2004 auf dem Internationalen Comicfestival in Angoulême mit dem Prix Tournesol für erausragendem sozialen Engagement ausgezeichnet und erhielt 2006 den Max-und-Moritz-Preis des Comic-Salons Erlangen in der Kategorie „Bester Manga“.

Klassisch und mitreissend

Die Zeichnungen von Keiji Nakazawa sind ein wunderbares Beispiel für die ursprünglich Mangakunst. Er beschränkt sich auf die wichtigsten Elemente und zeigt dennoch immer wieder beeindruckende Details, wie zum Beispiel ein wirklich tolle Lokomotive. Er versteht es durch seine Zeichnungen immer die gewünschte Emotionen beim Leser hervorzurufen, auch wenn diesem meistens sehr deprimierend sind. Auch der Blinkwinkel aus der Sicht eines Kindes wird auf den Leser transferiert und man erwischt sich selbst dabei, wie man sich freut wenn Gen endlich eine Portion Reis zu essen bekommt. Im Kehrschluss bedeutet dies natürlich auch, dass man am Ende auch das Leid mit aufnimmt.

Fazit

Ich kann sicherlich behaupten schon einige Comic gelesen zu haben doch keiner hat mich emotional so mitgerissen und nachhaltig beeinflusst wie Barfuss durch Hiroshima. Gerade das Leid und den Hunger, welchen Gen und seine Familie jeden erleben müssen ist schon deprimierend, aber der Abwurf der Atombombe und Keiji Nakazawa Darstellungen der Verwüstung sowie der Menschen denen die Haut vom Körper schmilzt haben mich wirklich tief bewegt. Sicherlich mag diese Wirkung auch daran liegen, dass man als Leser weiß, dass diese Ereignisse auf Tatsachen beruhen und keine Fiktion sind. Ich kann jedem, egal ob man Comics so wie Geschichte mag oder nicht, diesen Band zu lesen.

Barfuss durch Hiroshima von Keiji Nakazawa ist in 4 Bänden bei Carlsen Comics erhältlich.

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