Auletta mit ‚Make Love Work‘: Albumreview

Da hätte wohl der ein oder andere Musik-Kritiker mit was ganz anderem gerechnet. Die Spannung nach dem fulminanten Debütalbum „Pöbelei und Poesie“ von 2009 war groß, denn damit sind Auletta für viele zum Inbegriff der deutschen Indie-Szene, die den Vergleich mit Englands Vorreitern nicht scheuen muss, geworden. Fast schon zu britisch war dem ein oder anderen Kritiker der Sound der (damals noch vierköpfigen) Band aus Mainz. Nun ist es also da, das zweite Album, mit einem Mann und wesentlich mehr Vielfalt an Bord.

„Sturm und Drang Phase“ vorbei

Dass ihre Lieder einen starken UK-Einfluss hatten, daraus machte die Gruppe um Sänger Alex nie ein Geheimnis – und doch ist damit Schluss! Mit ihrem zweiten Album „Make Love Work“, das am 12. August erscheint, verabschiedet sich Auletta ohne jeden Zweifel vom gitarrenlastigen Pop-Rock Mix à la Arctic Monkeys und Enter Shikari. Dass sie den perfekt draufhatten, haben sie bewiesen, und auch wenn sich bestimmt viele noch mehr Songs wie „Meine Stadt“ gewünscht hätten, wird man solche feinen, gitarrenlastigen Indie-Meisterstückchen auf dem zweiten Album nicht finden.

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Potpourri der Stile

Beim ersten Hören kann man gar nicht so ganz fassen, was denn „Make Love Work“ eigentlich darstellt. Alleine beim ersten Leckerbissen des Albums „Wochenendendlosigkeit“ (alleine der Titel ist Eyecatcher) weiß man gar nicht, wo man da gerade hineingeraten ist: House-Trance Beats, dazu dann aber ein Text, der sich durch Wortspielereien und eben „Poesie“ auszeichnet, und eine Stimmung produziert, die irgendwo zwischen Runterkommen nach langer Clubnacht und Aufwärmen für die nächste Feier liegt.

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Doch die Scheibe funktioniert, vielleicht gerade wegen ihrer Andersartigkeit. Ganz in diesem Sinne kann man auch den Eröffnungstrack „Gold“ sehen, bei dem, wenn man Farben denn hören könnte, das wohl der Soundtrack dazu wäre. Das der Song besonders ist, erklärt auch Sänger Alex im Video.

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Doch es bleibt nicht bei den House-Beats auf der CD, teilweise erinnern Auletta auch an (sehr gute Versionen) altbekannter Schwergewichter wie Madsen. Nicht allzu überraschend, denn der gleiche Produzent steckt dahinter. Unter anderem auf der Single  „Du bist YEAH!“ erinnert der Sound stark ans Debütalbum des Münchner Duos „Fertig, Los!“. Feiner Deutsch-Poprock, teilweise sphärisch angehaucht, teilweise ins Soulige abgleitend. Die Platte ist ambivalent, die die Band da produziert hat, vielleicht gerade weil sie mit ihrem Debüt so klar in die Indie-Ecke gedrängt wurden, hat man sich dieses Mal jegliche Freiheit rausgenommen, ausprobiert, und gemeistert.

„Make Love Work“ works

Ein rundes Album, das sowohl schnelle wie auch einige langsame Nummern aufweisen kann, ist dabei herausgekommen, und so wundert es kaum, dass in der Findungsphase „viel ausprobiert, die Grenzen ausgetest und gesprengt“ wurde, wie die Band erzählt. Das Aussortieren, Verwerfen und Finden hat sich in jedem Fall gelohnt, denn mit „Make Love Work“ beweisen Auletta zweifelsohne das ein Wagnis klappen kann – alle, die ein zweites Indie-Album erwartet haben, müssen leider enttäuscht werden. Dafür kann man ganz andere Klangfarben entdecken und einen neuen, eigenen Auletta-Sound ausmachen, den man wohl noch am besten irgendwo zwischen psychedelischer Traumwandelei, detailgespicktem Sound und „love me, fuck me, hate me“ (aus „Feuer“) einordnen muss. Und doch bleibt das Fazit: „Make Love Work“ works!

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Sich selbst davon zu überzeugen, dass Auletta eigentlich auf der Bühne zuhause ist, kann man in näherer Zukunft auf folgenden Veranstaltungen.

AUFGEPASST: Zum Vorschnuppern kann man sich das Album unter diesem Link vor der VÖ im Stream anhören. Chic.

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