Arctic Monkeys „Suck it and See“: Eine Wüstenreise in die 50-er

Nach zwei flotten Jahren ist das neue Werk der Sheffielder also auf dem Markt. Ganz so viele Wüsten werden auf „Suck it and see“ nicht gerockt, selbst wenn die erste „das ist jetzt aber keine Single“-Auskoppelung „brick by brick“ (mit Josh Homme an den Backign Vocals) den Eindruck vermittelte, dass es genau so verschnoddert, düster und sperrig wie auf „Humbug“ zu gehen würde, ist der Rest des neuen Albums eher an die ruhigen Momente a la „Cornershop“, oder auch früheren Songs, wie etwa „505“ angelehnt. Eine Richtung, die nicht schlecht ist.

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Arctic Monkeys werden retro

Was Alex Turner bei den Last Shadow Puppets artistisch heraus gelassen hat – also mondäne 50-er Jahre Klänge – lässt den Songwriter scheinbar nicht los, denn auch wenn das Orchester weg bleibt, diese großen Hymnen, die auf einem Abschlußball der 50-er perfekt passen würden, kündigen sich bereits mit dem Opener „She's a Thunderstorm“ an, natürlich nicht ohne den leicht ironischen Unterton, der den Arctic Monkeys von jeher anhängt.

Mit „Black Treacle“ bekommt man auch gleich den Eindruck, dass es vielleicht nicht nur an Alex Turners Schlafzimmer-Stimme liegt, dass man leicht errötet, nein, „Suck it and See“ ist inhaltlich äußerst sinnlich und sogar ein wenig versaut, aber hey, gerade in der Hitze von Los Angeles, wo das Album aufgenommen wurde, steht die Erotik sicherlich auch in der Luft.

Live, roh und altmodisch verpackt

Für die Aufnahmen hat die Band sich dieses Mal nicht den Luxus der Fehlerbehebung durch Computerfirlefanz gegönnt, sondern die einzelnen Songs so lange geübt, bis sie sauber und live eingespielt werden konnten, ohne danach durch Autotune und Co zu wandern. Dafür hat sich die Band im Vorfeld auch sehr viel mehr auf Arrangement, Songstruktur und die einzelnen Parts konzentriert, kein spontanes Zusammenbasteln, sondern überlegte Kompositionen dominieren das Album.

Interessant ist dabei vor allem, dass Songs wie „Library Pictures“ und „All my own Stunts“ durch den Gesang ruhiger klingen als sie eigentlich sind, denn rein instrumental steckt noch ordentlich viel Wumms im charmanten Quartett und sogar ein Hauch Wild West inklusive Stiefelsporen. Erst zum Ende des Albums hin werden mit „Reckless Serenade“ und „Piledriver Waltz“ wahrlich beschauliche Töne angeschlagen, die ein Bild von in Pastell-Tönen gehaltenen US-Diners inklusive Jukebox und Milchshake hervorrufen, selbst wenn die Texte von Turner etwas mehr als seichte Vanillearomen assoziieren lassen.

Sie mögen nicht mehr zur Riege der Britpop Bands gehören, aber die Arctic Monkeys machen eigentlich alles richtig, indem sie sich mit jedem Album neu definieren und langsam aber sicher eine eigene Nische kreieren, die nicht zuletzt durch Alex Turners cleveres Songwriting und die vielschichtigen Popmelodien glänzt und genügend verschrammelte Kanten vorweist, um nicht beliebig zu klingen. Ob die Jungs auch in den nächsten 9 Jahren die 50-er Schmusesongs in sinistere, Gitarren-lastige Gewänder hüllen, bleibt abzuwarten.

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