Antoni Gaudí und der Modernisme Català

Der Jugendstil eroberte Europa um die Jahrhundertwende wie im Sturm, verträumte, spielerische Motive wurden der Natur entnommen, fließende Formen, ein Auge fürs Detail und genügend Freiraum, um Opulenz und Simplizität zu vereinen, die „Art Nouveau“ war nicht nur Kunst, sondern auch von den Eigenheiten ihrer Künstler und deren Herkunft geprägt.

Der Modernisme Català entstand in Katalonien und blühte vorwiegend in Barcelona auf. Im Rahmen des industriellen Fortschritts suchten viele Künstler den Weg zur Natur zurück und lehnten ihre Designs dicht an die weichen, runden Formen an, die sich auch in den Elementen wieder fanden.

Antoni Gaudí – Jugendstil auf katalonisch

Antoni Gaudí war nicht nur Mitbegründer des katalonischen Jugendstils, sondern verschob dessen Grenzen und machte aus seinen Gebäuden Kunstwerke, die erscheinen, als wären sie aus dem Boden gewachsen.

Sieht man sich heute seine Casa Batlló, die Sagrada Familia oder den Park Güell an, so wird man an Tropfsteine, Sandburgen, Knochengestalten und Wellen erinnert, es scheint fast unmöglich, dass diese fantasievollen Konstrukte tatsächlich erbaut wurden und nicht auf dem Papier blieben.

Auch aus der architektonischen Sicht ging Gaudí neuere Wege, denn die alten Streben der gotischen Architektur gefielen ihm visuell nicht, weshalb er sich für schräge Stützen entschied. Es wird gemunkelt, dass er noch während des Baus seine Skizzen erweiterte und keinen Designer an noch so kleine Details der Bauten heran ließ. Aber nicht nur Form, sondern auch Funktion waren für den Architekten wichtig, in seinem Casa Mila beispielsweise, wurden die Wohnungen so konstruiert, dass man die Wände beliebig verschieben konnte, Lüftungssysteme waren überflüssig, da er den natürlichen Durchzug so nutzte, dass das Haus immer gut belüftet wurde und die Ausrichtung und Form des Gebäudes sorgte dafür, dass alle Zimmer das ganze Jahr über viel Licht bekamen.

Besonders seine Vorliebe für bunte Keramikfliesen, die mehr oder weniger unregelmäßig (aber mit Konzept) in die Außenwände eingearbeitet wurden, wurde später von Künstlern wie Hundertwasser aufgenommen, der sich noch so einige andere Ideen von Gaudís Werken absah.

Sagrada Familia – unvollendetes Weltkulturerbe

Die immer noch unvollendete Sagrada Familia ist eines der berühmtesten Gebäude der Welt, dessen Fertigstellung zur Zeit auf 2026 fest gelegt ist. Tatsächlich ist die Sagra nicht nur Gaudís Werk, der Künstler übernahm sie nach einer Idee des Buchhändlers Joseph Maria Bocabella und nach original gotischem Bau des Architekten Francisco de Paula del Villar im Jahre 1883 und ließ seinen Stil prominent mit einfließen. Zu seinen Lebzeiten schaffte er es gerade einmal, ein Viertel des Baus zu vollenden, da der Bürgerkrieg und wackelige Finanzen immer wieder im Wege standen. Besonders der Detailreichtum und der theologische Subtext im Bau macht die Sagra Familia zu einem beeindruckenden Gebäude, dass bis zu seiner Vollendung hoffentlich nicht all zu sehr an Gaudís Charme verloren hat.

Politischer Hintergrund

Der Modernisme Català und Antoni Gaudís Einfluss war nicht nur ein künstlerischer, sondern auch ein politischer Aufschrei, ein Statement gegen die Industrialisierung und den bedrängenden Einfluss Europas auf Katalonien, dass sich von den Spaniern immer mehr in die Ecke gezwungen fühlte. Die weichen Linien, die Runden und die verspielten Formen sollten Freiheit symbolisieren und den katalonischen Individualismus hervor heben, der sich nicht zuletzt als Kulturnation versteht.

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