Anti-Aggressions-Training: Wie erfolgversprechend ist das Konzept?

Beim Anti-Aggressionstraining (auch: Anti-Aggressivitäts-Training, Cooling-Training, u.s.w.) handelt es sich um einen Trainingskurs mit dem Ziel, aggressive und gewalttätige Verhaltensweisen im Alltag abzubauen und dauerhaft unter Kontrolle zu bringen. Ein mentaler und körperlicher Kraftakt: Wer zu erhöhter Gewaltbereitschaft neigt und von mangelnder Impulskontrolle betroffen ist, kann hier in einer kontrollierten Gruppensituation mithilfe theoretischer, praktischer und körperlicher Übungen allmählich die Selbstwahrnehmung schärfen, die eigene Impulskontrolle stärken und statt dem „Auf die Fresse!“ alternative („klügere“) Handlungsmuster antrainieren. So weit, so gut: Doch wie sieht's in der Realität aus? Funktioniert das heldenhafte Konzept denn auch draußen, im echten Leben? Kann man sich Aggressivität denn überhaupt abtrainieren? Ein Klärungsversuch.

Anti-Aggressions-Training: Was ist das?

Als allererster Kurs seiner Art läuft das so genannte Anti-Aggressivitäts-Training bis heute unter dem geschützten Kürzel „AAT“. Das AAT ist inhaltlich und methodisch klar genormt, läuft nach einem relativ festen Muster ab und wird immer auch validiert. Deshalb benötigen Kursleiter für AAT-Kurse nach Weidner auch eine anerkannte Zusatzausbildung zum Anti-Gewalt-Trainer. Neben dem AAT gibt es noch eine Vielzahl anderer Kursangebote.

Zielgruppe: Für wen sind die Anti-Aggressions-Kurse?

Regelmäßig werden Sozialpädagogen, Psychologen und Erziehungswissenschaftler in ihrem Berufsalltag mit der schwierigen Thematik der Gewalt(-bereitschaft) konfrontiert. Um auf die teilweise sehr unterschiedlichen Lebensumstände der Betroffenen reagieren zu können, entstehen bundesweit immer wieder neue Konzepte und diverse Kursprogramme zur Gewaltprävention. Die individuelle Motivation der Teilnehmer spielt dabei ebenso eine Rolle wie das Alter der Betroffenen. So macht es beispielsweise durchaus einen Unterschied, ob die Teilnahme am Anti-Aggressions-Training freiwillig – oder aufgrund von äußerem Druck, etwa durch eine gerichtliche und/oder pädagogische Auflage, stattfinden soll. Darüber hinaus finden in den vielfältigen Projekten zur Gewaltprävention für Kinder und Jugendliche beispielsweise andere pädagogische Ansätze Anwendung als bei den entsprechenden Anti-Aggressivitäts-Kursen für Erwachsene.

Wie läuft ein Anti-Aggressivitäts-Kurs ab?

Zeitplan und Abfolge der jeweiligen Übungen variieren in Abhängigkeit vom jeweiligen Progammtyp. Um maximale Lerneffekte und Erfolgserlebnisse beim Abbau von Aggressionen zu erreichen, ist der Ansatzpunkt aller Kurse die ständige Wiederholung neuer (gewaltfreier) Verhaltensweisen – und zwar möglichst über einen längeren Zeitraum hinweg. Deshalb wird das Antigewalttraining in der Regel mittel- bis langfristig angesetzt. Das bedeutet, dass sich die Kursteilnehmer über viele Monate bis zur Dauer von einem Jahr hinweg etwa ein- bis zweimal wöchentlich treffen und für je mindestens zwei Stunden trainieren.

Auf die Fresse: Provozierte Deeskalation?

Wichtigstes Kennzeichen eines gut durchgeführten Anti-Aggressivitäts-Training: Es wird nicht viel um den heißen Brei geredet, es wird gehandelt. Keine großartigen theoretischen Erklärungen also oder gar moralkeulenschwingende Monologe stehen hier an der Tagesordnung, sondern knallhartes konkretes Training. Im Mittelpunkt steht dabei das pragmatische Erlernen neuer, so genannter pro-sozialer Verhaltensweisen. Mit dieser Bezeichnung sind hilfsbereite und empathische Verhaltensweisen gemeint, mithilfe derer sich kritische Situationen potentiell entschärfen (deeskalieren) lassen. Während das moralische Empfinden und die soziale Handlungskompetenz der Teilnehmer gestärkt wird, soll gleichzeitig auch die persönliche Hemmschwelle zur Ausübung von Gewalt ansteigen. Dafür werden in Rollenspielen typische, oft heikle Situationen mit Eskalationspotential nachgestellt und aktiv alternative Reaktionsmöglichkeiten entwickelt und verinnerlicht.
Das pädagogisch-psychologische Konzept des Anti-Aggressions-Trainings wird getragen von acht Gestaltungselementen. Grundlage der Konfrontativen Therapie ist die Überzeugung, dass Menschen unter den (für sie) richtigen Bedingungen grundsätzlich fähig sind, auch radikale und dauerhafte Persönlichkeitsveränderungen zum Besseren zu machen. In der Provokativen Therapie wird darauf vertraut, dass ein Mensch, der heftig vom Therapeuten provoziert wird, sich quasi automatisch entgegengesetzt dazu verhält. Gleichzeitig findet eine Konzentration auf die eigenen Ressourcen (hier: sozialen Fähigkeiten) statt, sobald er dazu aufgefordert wird, eine selbstverteidigende Position einzunehmen. Oft wird beim Anti-Aggressions-Training auch ein so genannter „Heißer Stuhl“ eingesetzt, womit ein leerer Stuhl gemeint ist, der stellvertretend für den Konfliktgegner ist und hilfreich ist, um sich in die Sichtweise des anderen hinzuversetzen. Weitere methodische Bestandteile der Kurse sind Mediationstechniken aus der rational-emotionalen Therapie und kognitiv-psychologische Methoden zur Deeskalation, u.s.w.

Fazit: Bringt das was?

In den Anti-Gewalt-Kursen können Teilnehmer lernen, die eigene Wut kennenzulernen, genauestens zu prüfen und in den Griff zu bekommen. Die Betonung liegt hier klar auf dem „Kann“. Qualitätsunterschiede innerhalb der vielfältigen Kursangebote sind mit Sicherheit zu verzeichnen, zudem spielen viele weitere Einzelfaktoren wie das persönliche Umfeld und die (mentale) Stabilität der Teilnehmer sowie die häufige Wiederholung des Erlernten im späteren Alltag eine unbedingte Rolle. Definitiv aber soll festgestellt werden: Unter günstigen Voraussetzungen leistet das Anti-Aggressivitäts-Training einen wichtigen Beitrag, um Aggressionen gegen Fremde und damit auch gegen sich selbst dauerhaft zu reduzieren. Ein lohnenswertes Ziel, das nicht zuletzt die Lebensqualität der Betroffenen selbst erheblich verbessert.

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